Zum Tod von Gunter Sachs

Der Tod von Gunter Sachs hat mich überrascht. Obwohl viel älter, hat er mich durch meine Jugend begleitet. Die Geschichten in den Boulevardblättern führten mich an den Strand von St. Tropez, auf die Yachten vor Monte Carlo, in die Clubs der Costa Smeralda und in die noblen Skigebiete der Schweiz. Die Papparazis waren ihm überall auf den Fersen. Und nun das: Verzweifelt, hoffnungslos, im Angesicht einer Diagnose, die kein normales Leben mehr zulassen wird. Ein Multimillionär, dem das Leben, die Gesellschaft und die Frauen zu Füßen lagen. Ohne peinliche Skandale war er ein Schöngeist, ein Kunstliebhaber und ein anerkannter Buchautor. Wie schlimm erst muss die Erkenntnis gewesen sein, seine Persönlichkeit, seinen Witz und Geist und die Anerkennung der anderen zu verlieren? Die Angst vor Fotos, die in Zukunft in die Öffentlichkeit dringen könnten. Die einen vom Verfall gezeichneten Menschen zeigen, der nichts mehr gemein hat mit der Aura des Jetsetters, des Gentleman-Playboys und des verwöhnten Millionärs. Ein Mann, der durch eine Krankheit seine Würde nicht verlieren wollte. Den gewählten Freitod muss man akzeptieren. Es gehört viel Mut dazu, diesem reichen Leben ein Ende zu setzen. Schließlich hat sich der Industriellen-Erbe aus Schweinfurt alles leisten können. Einmal sei er sogar wegen eines Zahnarztbesuches nach Kalifornien geflogen. Gesundheit ist nur in sehr eingeschränktem Maße käuflich. Meistens nicht. Diese Erkenntnis kann auch wehtun.

Was bleibt von uns nach unserem Tod? Alles, was wir besessen und gesammelt haben, werden wir eines Tages loslassen müssen. Keines von unseren äußeren Besitztümern werden wir mit nach drüben nehmen können, kein Haus, kein Auto, kein Handy. Niemand wird uns mehr nach der Höhe unseres Bankkontos fragen, niemand wird wissen wollen, wie weit wir es im Beruf gebracht haben. Das letzte Hemd hat keine Taschen.

 

Über sl4lifestyle

Journalistin aus Leidenschaft, Tierschützerin mit Hingabe und neugierig auf das Leben. Ich stelle Fragen. Ich suche Antworten. Und ab und zu möchte ich die Welt ein Stückweit besser machen ... Manchmal gelingt es!
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Eine Antwort zu Zum Tod von Gunter Sachs

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