Südsudan/Teil 1

collageSeptember 2013

Hauptstadt Juba und Leprakolonie Luri Rokwe

Als Journalistin besuche ich Hilfsprojekte der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe in Südsudan und Uganda und schreibe darüber. Dabei ist der Fotograf Enric Boixadós, der die Arbeit fotografisch dokumentiert. Auch er ist reise- und vor allem afrikaerfahren, hat bereits für mehrere Hilfwerke und internationale Organisationen als Fotograf gearbeitet.

Wiedersehen mit Afrika

Bevor die Maschine der Ethiopian Airlines auf die Landebahn des Frankfurter Flughafens rollt, blicke ich ein letztes Mal aus dem Fenster. Graues und regnerisches Herbstwetter macht mir den Abschied leicht. Ich freue mich auf Afrika. Als Journalistin und frühere Entwicklungshelferin war ich schon oft in Afrika, habe zeitweise auch vor Ort gelebt. Wie immer packt mich die Vorfreude – auf das Neue und Unbekannte. Es ist das erste Mal, das ich den Südsudan besuchen werde. Ein neues Land mit neuen Projekten – ich kann es kaum erwarten, dort mit meiner Arbeit zu beginnen.

Zwischenlandung auf dem Bole International Airport in Addis Abeba. Wir verbringen die Wartezeit auf komfortablen Liegestühlen, die neben den normalen Sitzen im Flughafengebäude aufgestellt sind. Weiterflug nach Juba, der Hauptstadt von Südsudan. Nach rund zwei Stunden landen wir. Als ich die Gangway hinuntersteige ist er wieder da: Der Geruch von Afrika. Ein Mix aus verbrannter Holzkohle, Staub und Sonne. Anders kann ich das nicht beschreiben. Die Einreiseformalitäten sind relativ schnell erledigt.

Leonore Küster, DAHW-Repräsentantin im Südsudan, holt uns ab. Neben unseren Vorbereitungen erfahren wir auf der Fahrt ins Hotel weiter Interessantes und Wissenswertes über das Land. Südsudan ist der jüngste Staat der Welt, es trennte sich erst 2011 von seinem großen Bruder im Norden, dem heutigen Sudan. Jahrzehnte des Bürgerkrieges haben das Land gezeichnet, die Menschen sind bitterarm, doch haben sie Hoffnung. Sie wollen die Chance ergreifen, ihr Land aufzubauen, nach ihren Wünschen und Vorstellungen. Ob es ihnen gelingen wird? Wer weiß! Die Zukunft wird es zeigen.

L1130451 (Large)Die DAHW im Sudan

Die DAHW arbeitet seit 1973 im Sudan, damals vom nordsudanesischen Khartoum aus. Das blieb so bis im Jahr 2006. Nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages öffnete die DAHW ein eigenes Länderbüro in südsudanischen Juba, der Hauptstadt des später neuen Staates. Heute konzentrieren sich ihre Aktivitäten im Südsudan nur noch auf die Bekämpfung der Lepra. Bis 2010 war als Schwerpunkt Tuberkulose mit im Programm. Der jahrelange Bürgerkrieg hat das Land geprägt. Es mangelt an allem: Funktionstüchtige Straßen, Nahrungsmittelsicherheit, Bildung und Ausbildung und natürlich Gesundheitsvorsorge.

L1130455 (Medium)Gerade Leprakranke hat es hart getroffen. Viele können sich nicht rechtzeitig behandeln lassen, denn es gibt weder ausreichend befahrbare Straßen noch öffentliche Verkehrsmittel, um irgendwohin zu gelangen. Die Folge sind verstümmelte Gliedmaßen, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit der Betroffenen.

In einer Leprakolonie

Wir besuchen die Leprakolonie Luri Rokwe außerhalb von Juba. Von den Engländern 1948 gegründet, besteht sie bis heute. Das Hilfswerk unterstützt die medizinische Arbeit vor Ort. Die Ärmsten der Armen leben in Zelten, die notdürftig von Plastikplanen gegen Regen geschützt sind, andere in einfachsten Lehmhütten und ganz wenige in Steinhäusern. Katharina, eine ehemalige Leprakranke, ruht sich im schattigen Inneren ihrer Hütte unter einem Moskitonetz aus. Sie rutscht zum Eingang und begrüßt uns. Die Kinder aus der Nachbarschaft kommen und nehmen einen Plastikeiner mit. Darin ist ihre Notdurft. „Ich wünsche mir so sehr eine Latrine“, sagt die 70-Jährige. So wie ihr ergeht es vielen der 300 ehemaligen Leprapatienten. Nur ganz wenige haben in der Nähe der Unterkunft sanitäre Anlagen.

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Begegnungen als bleibende Erinnerung

Joseph, Krankenpfleger und Chef der kleinen Gesundheitsstation, hat seinen Traumberuf gefunden. Einst selbst leprakrank kennt er die Bedürfnisse der Menschen hier. Er ist für sie da und kann ihnen mit Rat und Tat weiterhelfen. Als junger Mann schon hat er seinen Fuß und ein paar seiner Finger durch Lepra verloren. „Am meisten wünsche ich mir die Erweiterung der Gesundheitsstation, damit auch das Gesundheitspersonal eine Bleibe hat.“ Einfach sei das nicht, meint Leonore Küster später, „denn zu allen Bauplänen muss das Gesundheitsministerium zustimmen.“

L1130356 (Medium)Dr. James ist bei unserem Besuch dabei. Er ist Lepra- und Tuberkulosespezialist und arbeitet für das nationale Kontrollprogramm. Er kommt regelmäßig zur DAHW in Juba. „Unsere Kooperation ist ausgezeichnet“, lobt er. Seine Aufgabe sei es unter anderem, alle Lepra-Aktivitäten zu planen und zu überwachen. „Ich organisiere auch die regelmäßigen Schulungen für die Personen, die im Gesundheitssektor arbeiten.“

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Bald senkt sich die Nacht über Juba. Ein anstrengender und interessanter Tag liegt hinter uns. Im Hotel essen wir zu Abend. Es liegt direkt am Nil, ist funktionell eingerichtet, wie ein Motel in Deutschland. Nur dass das Zimmer so viel kostet wie das Äquivalent in einem Vier-Sternehotel in Deutschland. „Touristen gibt es hier nicht“, sagt Leonore Küster. „Dafür viele UN-Personen und Diplomaten. Und die zahlen jeden Preis für ein Zimmer bzw. ein Haus“, erklärt sie das Phänomen, warum der Südsudan zu einem der teuersten Länder der Welt gehört.

Wahlparty in der Deutschen Botschaft

Einladung (Large)Am Tag der Bundestagswahl sind wir in der Deutschen Botschaft zu einer Party eingeladen. Neben der ZDF-Fernsehübertragung gibt es interessante Gespräche, neue Bekanntschaften und Snacks. Von der Realität draußen bekommt man hier nichts mit.

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Das Leben im Südsudan ist kostspielig, und es trifft vor allem die Armen. Und das sind die meisten hier. An den Abenden im Hotel geht die Arbeit weiter. Ich schreibe Texte und Enric Boixadós macht eine erste Bilderauswahl. Wir sind gespannt auf die nächsten Tage.

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L1130483 (Medium)Fotos: Enric Boixadós

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