Südsudan/Teil 3

collageSeptember 2013

Yei

Mit dem Geländewagen fahren wir nach Yei auf einer holprigen aufgeweichten Piste. Dort besuchen wir die Schwestern der Steyler Missionare – Veronika, Isabella und Bene, deren Arbeit von der DAHW gefördert wird.

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERAWir übernachten in Rundhütten, den so genannten Tukuls, auf dem idyllischen Gelände der Diözese. Die Schwestern widmen sich voller Hingabe den Leprakranken. „Schon als kleines Kind war ich in meiner indonesischen Heimat von Leprakranken umgeben“, erzählt Schwester Isabella. „Für mich war schon damals klar, dass ich für diese Menschen da sein will.“ Schwester Isabella ist Krankenschwester, Schwester Veronika Ärztin und Schwester Bene Sozialarbeiterin.

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Zu Fuß durch den Busch

Nach einem Gespräch mit dem Bischof am nächsten Morgen fahren wir nach Lasu, nur 12 Kilometer von der kongolesischen Grenze entfernt. Von dort aus weiter in den Busch. Die Schwestern kennen die Gegend gut, denn da sind die Menschen, die Hilfe brauchen. Nach ein paar Kilometern geht es nicht mehr weiter. Das Gras wird immer dichter. Ein mehrstündiger Fußmarsch ist nun angesagt. Francis und Daniel, die beiden Gesundheitsarbeiter, laufen voran, wir im Schlepptau hinterher. Die Wege werden immer schmaler und schließlich fast unpassierbar.

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA IMG_0905 (Medium) Schwester Isabella und Daniel besuchen regelm+ñ+ƒig die Patienten.

Nach über einer Stunde erreichen wir die paar Rundhütten, in denen Sebestinos Familie lebt. Der 83-Jährige sieht nicht mehr gut, doch als wir ankommen, strahlt er: „Ich bin glücklich, dass ihr mich besucht.“

L1130747 (Large)Der hochgewachsene Mann ist vom Schicksal gezeichnet. Lepra hat er während des Bürgerkrieges bekommen. Nachdem er in seiner krisengeschüttelten Heimat keinen Zugang zur Behandlung fand, flüchtete er in den nahen Kongo. Dort wurde die Lepra geheilt, doch die Verstümmelungen an den Beinen blieben. Heute bilden sich an den Unterschenkeln große Geschwüre und offene Wunden. Francis und Schwester Veronika kommen regelmäßig hierher und behandeln die Wunden. In der silbernen Metallbox, die aussieht wie eine Hutschachtel, sind alle nötigen Medikamente und Verbände vorhanden. „Wir müssen jedes Mal den Verband erneuern. Die Wunde sieht schlimm aus“, ergänzt Francis. Schwester Veronika schaut auf die offene Stelle. „Vielleicht wäre Amputation besser?“, schlägt sie vor. Doch Sebestino schüttelt den Kopf, das will er auf keinen Fall.

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Wir laufen eine weitere Stunde zu den nächsten Kranken. Wieder ein paar Rundhütten mitten im Busch. Diesmal ist fast die ganze Familie von der Lepra gezeichnet, nur das Familienoberhaupt ist gesund. Schnell werden für uns ein paar klapprige Bambusstühle organisiert, dann sitzen wir mit der ganzen Familie in einem großen Halbkreis beisammen.

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Auf einem Baumstamm den Fluss überqueren

Die Behandlung muss schnell gehen. Ein Blick in den Himmel sagt uns, dass es bald dunkel wird. Und bevor die Nacht hereinbricht müssen wir zurück am Auto sein. Ein zweistündiger Marsch steht uns noch bevor. Diesmal muss auf einem glitschigen Baumstamm ein Fluss überquert werden. Die einzigen, die das mit Bravour können, sind Francis und Daniel. Sie reichen uns die Hände und geben uns Halt, denn wie tief der Fluss ist, können wir nach dem heftigen Regenguss vorher nicht abschätzen. Alles geht gut, keiner stürzt in die Fluten, und erleichtert erreichen wir den Wagen.

Dank Francis Hilfe meistert auch Schwester Veronika die Fluss++berquerung.Fahrer John wartet schon und lacht, als er unsere schmutzigen Schuhe und Hosen sieht. Doch auch ihn wird es heute noch treffen! Denn auf der knapp zweistündigen Rückfahrt zur Diözese in Yei bleiben wir zweimal im dichten Schlamm stecken. Die vom Regen aufgeweichte Piste ist unerbittlich. Doch John meistert die Situation mithilfe eines kongolesischen LKW-Fahrers, dessen Fahrzeug sich hoffnungslos im roten Schlamm festgefahren hat. Wir im Wageninneren bereiten uns schon seelisch darauf vor, in den Matsch zu steigen und schieben zu helfen. Doch das bleibt uns Gottseidank erspart, denn mit Hilfe von Grasbüscheln und Erde, die aufgeschaufelt werden, bringt John den Wagen wieder voran. Wir kommen gut in der Diözese an und freuen uns über das Abendessen, das Schwester Bene schon auf den Tisch gezaubert hat. Wahrscheinlich hat Schwester Veronikas Gebet, dass sie vor der Rückfahrt in den Himmel geschickt hat, Wunder bewirkt.

Auf schlammigen Pisten in den S++den.Und nun sitzen wir in der Abfertigungshalle des kleinen internationalen Flughafens von Juba. Der Flug nach Entebbe/Uganda geht in einer Stunde. Wir freuen uns auf die nächsten Herausforderungen in einem neuen Land. Und die lassen nicht lange auf sich warten! Denn die Liste der Projektbesuche in Uganda verspricht jede Menge neuer Eindrücke.

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERAFotos: Enric Boixadós

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Über sl4lifestyle

Journalistin aus Leidenschaft, Tierschützerin mit Hingabe und neugierig auf das Leben. Ich stelle Fragen. Ich suche Antworten. Und ab und zu möchte ich die Welt ein Stückweit besser machen ... Manchmal gelingt es!
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3 Antworten zu Südsudan/Teil 3

  1. veronika rackova,ssps schreibt:

    Dear Sabine,
    Congratulations! I like your reportage very much and it is written as it was … Thank you also Enric for the photos. We remember you with love. Thanks to all who give a helping hand to Leprosy patients and their families. We hope that one day there will be no Leprosy in South Sudan anymore!
    God bless you and all the best!!!
    Veronika

    • sl4lifestyle schreibt:

      Dear Veronika,
      I am happy about your Mail.Glad to hear that you are all fine. I remember the time with you in Southern South Sudan with warm memories. Hope to see you again.
      Love, Sabine and Enric.

  2. Pingback: Lepraärztin im Südsudan erschossen – Free your mind.

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