Togo: Im Gefängnis von Lomé

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Es war nicht einfach, die Erlaubnis zu bekommen, das Gefängnis von Lomé zu besuchen. Mit dem Deutschen Botschafter und Vertretern der Organisation, für die ich arbeite, ist es schließlich möglich. Die Menschenrechtssituation ist dort sehr prekär – wie in fast allen afrikanischen Gefängissen.

Etwa 2.000 Männer sind täglich im engen Gefängnishof versammelt. Das Gefängnis hat eine Kapazität für 800 Männer. Nachts schlafen 80 von ihnen in etwa 25 Quadratmeter großen Zellen, die für 40 Häftlinge gerade mal so ausreichen. Sie schlafen im Sitzen, dicht gedrängt und mit dem Rücken aneinander gelehnt.

Tagsüber herrscht im Hof ein Treiben wie auf einem Marktplatz. Überall sind kleine Stände, an denen die Inhaftierten Essen oder Dinge des täglichen Bedarfs für ihre Mithäftlinge verkaufen. Die Angehörigen versorgen sie mit Essen und diesen Artikeln. So können sie ein wenig zu Geld kommen, um sich Nahrungsmittel zu kaufen. Denn es gibt nicht genug zu essen. Die, die kein Geld haben, sind am schlimmsten dran. Rund 67 Prozent sind Untersuchungshäftlinge, doch die Verfahren können hier ewig dauern.

Wir bewegen uns völlig frei durch die Menschenmassen – ohne Wächter. Sicher, auch wenn das Vorhaben recht mutig ist – ich habe keine Angst. Ich fühle Respekt und Zurückhaltung von Seiten der Gefangenen. Einige Inhaftierte kommen auf mich zu, um mit mir zu sprechen. Doch Unterhaltungen sind nicht erlaubt.

Außerdem besuchen wir Häftlinge, die an Tuberkulose und oft auch an HIV erkrankt sind. Einmal in der Woche kommt eine Ärztin und behandelt sie. Kontrolluntersuchungen bei neuen Häftlingen finden nicht statt. Dazu gibt es keine finanziellen Mittel.

Der Halbbruder des Präsidenten sitzt hier in einer Einzelzelle im Hochsicherheitstrakt ein, angeklagt wegen Staatsverrat und Putschversuch.

Im nahen Frauentrakt sieht es nicht viel anders aus. Hier gibt es rund 100 Frauen, Platz ist nur für die Hälfte. Die Gründe für ihre Inhaftierungen sind meistens Drogenhandel, Betrug oder Kindermord.

Mein Fazit: Hygiene, Medizin, Nahrung – es fehlt an allem.

Fotografieren war nicht erlaubt. Die hier abgebildeten Bilder sind daher außerhalb entstanden.

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