Gastautor Daniel A. Kempken: Unterwegs in Ecuador

Immer unterwegs: Gastautor Daniel A. Kempken, diesmal in Ecuador.

Immer unterwegs: Gastautor Daniel A. Kempken, diesmal in Ecuador.

Daniel A. Kempken hat in Ecuador gelebt und verrät uns seinen absoluten Geheimtipp: Zaruma. Mehr Reisetipps erfahrt Ihr im Buch Schlaglichter Ecuador!

Zaruma ist ein Städtchen mit knapp 25.000 Einwohnern im Südwesten von Ecuador. Es thront malerisch auf einem Hügel inmitten einer bezaubernd schönen Landschaft.

Ein Blick zurück in die Geschichte von Zaruma ist immer auch eine Geschichte des Goldes. Schon lange Zeit vor den Inkas hatten Sariumas, Pacchas und andere indigene Völker die reichen Goldminen von Zaruma entdeckt. Sie behängten sich mit schwerem Schmuck aus dem edlen Metall und wurden schließlich von den mächtigen Cañaris unterworfen, die das Gold und die Sonne genauso verehrten. Die Cañaris errichteten beeindruckende Tempel, auf die man bei Wanderungen in der Umgebung von Zaruma noch heute stoßen kann.

Bald bemächtigten sich die Inkas der Goldminen, um das unermessliche Lösegeld heranzuschaffen, dass die Spanier für ihren gefangenen Herrscher Atahualpa verlangten. Der letzte Inka wurde schließlich doch umgebracht, und es waren die spanischen Eroberer, die fortan die reichen Goldminen ausbeuteten. Dabei führten sie erst den Fünften und schließlich den Sechsten – weil dies bei der riesigen Menge auch reichte – an ihren König ab. So heißt die historische Mine, die man heute noch besichtigen kann, auch El Sexmo.

Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Minen zuerst von den Engländern, dann von den Franzosen und schließlich von einem US-amerikanischen Unternehmen übernommen. Aus anderen Landesteilen vertriebene Juden hatten sich auch in Zaruma niedergelassen. Und so entwickelte sich über die Generationen ein ganz eigener, ungeheuer sympathischer Menschenschlag. Halb Ecuador schwärmt von der fremdartigen Schönheit der Frauen aus Zaruma. Trotz all des Goldes haben sich weder Raffgier noch Wildwest breit gemacht. Stattdessen ist friedliche Beschaulichkeit entstanden. Dabei gibt es in Zaruma auch heute noch Goldminen, die in Betrieb sind.

Highlights:

Der malerische Hauptplatz von Zaruma (Parque Central) gehört in die Liste der Orte, wo man die Seele baumeln lassen kann. Das fotogene Ensemble aus alten Holzhäusern, Arkaden und tropischen Pflanzen wird von einer fröhlich dekorierten Holzkirche aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts überragt. Im Turm des hübschen Gotteshauses schlägt übrigens ein deutsches Uhrwerk der Firma Hansa. Die umliegenden Gassen beherbergen so manch kleines Geschäft, das sich seit Großvaters Zeiten kaum verändert hat. Wie eh und je verkauft der 80-jährige Don Marcelo herrlich duftenden Zaruma-Kaffee aus großen Fässern, die er wie Schatzkammern hütet. Die meisten der Holzhäuser Zarumas sind an die 100 Jahre alt und erzählen von althergebrachtem Wohlstand. Wo sonst findet man auch Arkadengänge mit Bürgersteigen aus Tropenholz, das so hart ist, dass es nicht einmal knarrt?

Warum nicht gleich am Parque Central wohnen, wenn Sie schon einmal in Zaruma sind. Ich empfehle das sehr einfache, aber gut gepflegte Hostal Romería, seit 1933 in Familienbesitz und in bester Lage direkt an der Plaza (pro Person 10 US-Dollar).

Tipps:

Als traditionsreiche Minenstadt hat Zaruma aus einer historischen, mittlerweile stillgelegten Goldmine ein spannendes Museum gemacht: El Sexmo. Ein Abstecher in die finsteren Gänge der Mine gibt authentisches Unterwelt-Feeling.

Kuscheliges Grün umschmiegt die Hügel und Berge bei Zaruma – dies könnte die Gegend sein, wo man die Geländematte für Modelleisenbahnen erfunden hat. Besonders gut kommt das pittoreske Panorama mit dem Städtchen und seiner Holzkirche im Vordergrund. Dazu gehe man die Calle San Francisco hoch bis zur gleichnamigen (eher übersehenswerten) Kirche und drücke dort auf den Auslöser der Kamera. Wenn Sie sich bei der San Francisco-Kirche nach rechts wenden, kommen Sie nach ein paar Hundert Metern zu einem weiteren Erste-Sahne-Aussichtspunkt. Wer längere Zeit mitten in dem tropischen Grün des Postkartenpanoramas verbringen möchte, sollte sich zur Hostería El Jardín auf dem Weg nach Portovelo begeben. Blitzsaubere Zimmer mit Frühstück für 17 US-Dollar pro Person. Drumherum ist allerdings nur Geländematte, und nach Zaruma sind es zu Fuss etwa 30 Minuten.

Einen schönen Blick über das Tal – diesmal ohne Kirche und dafür mit einer Tasse Kaffee – gibt es von der Restaurant-Bar 200 Million auf der Hauptstraße nicht weit vom Ortseingang. Ein netter Platz zum Kaffeetrinken ohne Aussicht: das Café Pasado im Arkadengang der Calle Bolivar.

Nicht weit von Zaruma kann man noch vergessene, vom Bergregenwald überwucherte Städte entdecken. Die größte von ihnen ist Yacubiñay. So groß wie Machu Pichu ist die Fundstätte zugegebenermaßen nicht, aber wir sind ja auch nicht Hiram Bingham oder Heinrich Schliemann. Für die Entdeckungstour zu der verlorenen Stadt brauchen Sie einen einheimischen Führer, was das Erlebnis des Entdeckens überhaupt nicht schmälert – als Kolumbus Amerika „entdeckte“, kannten die Inkas den Kontinent ja auch schon. Wer sich den teuren Mietwagen sparen möchte, fahre morgens gegen 6 Uhr mit dem Bus bis kurz hinter Paccha. Von dort sind es drei Stunden Aufstieg; für den Rückweg muss man auch noch einmal gut zwei Stunden kalkulieren. Streckenweise geht es durch geheimnisvolle, aber auch ziemlich morastige Bergnebelwälder. In so einem Gelände läuft in der Regenzeit ohne Gummistiefel gar nichts, und so habe ich mich gefragt, wie die alten Cañaris damals zurecht gekommen sind. Sie haben in diesem unwegsamen Gelände ihre Nahrung gesucht, sind zum Medizinmann gegangen, haben Handel getrieben, und ihre Beamten haben Abgaben eingetrieben – und das alles ohne Gummistiefel!

In der Umgebung von Zaruma gibt es eine ganze Reihe von herrlichen Wasserfällen mit kristallklarem Gebirgswasser. Besonders groß und beeindruckend ist die Kaskade von Chaca Capac. Man fährt von Zaruma gut eine Stunde mit dem Auto in östlicher Richtung und steigt dann etwa 45 Minuten gemütlich in die Tiefe; wegen des recht steilen Aufstiegs auf dem Rückweg ist dieser Trip für Fußlahme und untrainierte Raucher/innen allerdings weniger attraktiv. Deutlich benutzerfreundlicher der Weg zu der attraktiven Arcoiris-Kaskade: von Zaruma aus sind es knapp eine Stunde mit dem Auto und dann nur noch schlappe fünf Minuten zu Fuß. Arcoiris wurde übrigens erst vor 4 Jahren für den Tourismus entdeckt – vielleicht entdecken Sie ja noch weitere schöne Wasserfälle, wenn Sie die Gegend um Zaruma erkunden.

Hoch über Portovelo thront eine bunte Kapelle, zu der ein steiler Kreuzweg hinauf führt. In 14 Türmchen ist der Leidensweg Christi auf bunten Bildern dargestellt. Ansonsten hat man den Kreuzweg weitgehend der Natur überlassen. Pilger und Touristen müssen sich durchs Dickicht kämpfen und können so selbst einen Hauch der Leiden spüren. Da an der Via Dolorosa von Portovelo keine Brennnesseln wachsen, kann der Kreuzweg aber auch als Wandertipp durchgehen; die Aussicht jedenfalls ist phänomenal.

Das Leib- und Magengericht der Zarumeños ist Tigrillo, eine Art Rührei mit viel Kochbanane und Käse. Der „kleine Tiger“ kann wahlweise auch mit Fleisch bestellt werden und liegt im Magen wie ein nahrhafter Stein.

Ein guter Stadtführer und Tourorganisator ist Ramiro Rodriguez (Tel.: 092498623), zu kontaktieren auch über das Hostal Romería am Parque Central. Am Hauptplatz gibt es außerdem das Reisebüro Oro Adventure (Tel.: 2972761) und ein Fremdenverkehrsbüro mit zwei Beamtinnen und vielen bunten Prospekten.

Obwohl Zaruma in den Bergen und in der Provinz Loja liegt, ist der Ort am einfachsten von der Küste aus zu erreichen. Von der Hafenstadt Machala aus sind es keine drei Stunden mit dem Bus. Von Quito aus fliegt man am Besten zu dem neuen Flughafen Santa Rosa bei Machala.

Geheimtipps:

Der ganze Ort ist mein Geheimtipp für Ecuador. Zaruma ist ein idealer Platz zum Entspannen und den Lieben Gott einen guten Mann sein zu lassen, ein malerisches Städtchen in einer ausnehmend schönen Landschaft, ein Städtchen, wo die Welt in Ordnung ist und wo es aus Holz gefertigte Trottoirs gibt, ein Ort, wo die Menschen Zeit haben und sich auf der Straße grüßen, wo das ganze Jahr über ein ausgeglichenes Frühlingsklima herrscht, wo der Kaffee herrlich schmeckt und wo Kriminalität so gut wie unbekannt ist. Zaruma möchte gerne Weltkulturerbe werden – und sollte es werden. Einziger Minuspunkt sind die vielen, mit dem Wohlstand gekommenen Autos, die sich wie eine beängstigende Überpopulation von Porzellanladen-Elefanten durch das kleine Dorf wälzen, den Leuten über die Füße fahren und stinken.

Kuriositäten:

Das städtische Museum von Zaruma ist gleich hinter dem Hauptplatz in einem reich bedrechselten Holzhaus untergebracht. Neben vielen alten Fotos, Urkunden, Madonnen und dem Denkmal eines örtlichen Schlagersängers hat sich auch eine Büste von Lenin eingeschlichen.

Auf dem Zentralplatz von Zaruma posiert ein vergoldetes Manneken Pis und uriniert völlig ungeniert zwischen die tropischen Pflanzen. Angesicht der durch die Goldgewinnung mit Quecksilber und Chemikalien verseuchten Flüsse hat der güldne Pinkler durchaus einen gewissen Symbolgehalt.

Das Stadion von Portovelo wird auch gern Estadio de Oro (Goldstadion) genannt, weil nach groben Schätzungen unter seinem Fußballrasen Gold im Werte von 30 Millionen US-Dollar lagert. Der Grund ist, dass frühere Minengesellschaften das geförderte Gestein nicht vollständig ausgebeutet haben und das Stadion nun genau auf diesem mit reichlich Gold durchsetzten Erdreich steht.

Bakelithelme und Karbidlampen, deformierte Totenschädel und lang ausgediente Schreibmaschinen, Haifischzähne und ein kaputtes, deutsches Klavier aus dem Jahre 1830; dies und noch viel mehr findet sich in dem genauso kuriosen wie sehenswerten Museum des Geologen und lebenslänglichen Sammlers Magner Turner in Portovelo. Der eigentliche Kern der Ausstellung aber sind tausende von Mineralien und Steinen, außerdem eine in den Berg geschlagene Attrappe einer Goldmine und ein versteinerter Baumstamm aus Puyango. Anfahrt am besten mit dem Taxi, da das Museum in einer versteckten Nebenstraße oberhalb der Stadt liegt. Die Taxifahrer in Portovelo kennen das Haus von Herrn Turner.

Hostal Romería:  romeria_hostal@hotmail.com
Hostería El Jardín

Buchautor Daniel A. Kempken lebt heute in Honduras.

Buchautor Daniel A. Kempken lebt heute in Honduras.

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Über sl4lifestyle

Journalistin aus Leidenschaft, Tierschützerin mit Hingabe und neugierig auf das Leben. Ich stelle Fragen. Ich suche Antworten. Und ab und zu möchte ich die Welt ein Stückweit besser machen ... Manchmal gelingt es!
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