Nostalgie

1895-235Manchmal denke ich noch darüber nach. Wie war es früher, als ich von längeren Auslandsaufenthalten nach Hause kam? Waren sie da auch schon so? Meine Freunde, die sich verändert haben, die älter geworden sind genau wie ich, aber oftmals Wege einschlagen, die ich nicht verstehe. Wo es keine gemeinsame Basis mehr gibt, weil wir uns entwickelt haben. Nur eben in unterschiedliche Richtungen.

Früher war es anders. Da waren meine Freunde noch aufgeschlossener, übermütiger. Jetzt hat das Leben sie geprägt, hat andere Werte für sie geschaffen, hat ihnen die Illusionen geraubt, doch noch so vieles anders machen zu können.

Früher war es einfacher, mich anzupassen, an das Leben zuhause, das sich in ganz anderen Bahnen bewegt hat. Die Neugier aufeinander, die langen Abende voller Erzählungen, weil man eben doch vergessen hat, die anderen mit Briefen auf dem Laufenden zu halten, das gemeinsame Lachen und das Mitgefühl bei Verlust und Trauer.

Der Zirkus kommt in die Stadt.

Der Zirkus kommt in die Stadt.

Vieles geht jetzt nicht mehr. Das gegenseitige Verständnis fehlt. Es ist abhanden gekommen, einfach so. Ich habe neue Freunde gefunden. Zugegeben, ich genieße es. Auch durch das Internet, durch die Blogs, durch Facebook. Ja, ich habe richtig gute Freunde gefunden. Ich hätte das nie geglaubt. Mit ihnen teile ich nun das, was ich früher mit den anderen geteilt habe: Lebensfreude, gemeinsame Interessen, Kreativität und neue Pläne zu haben.

Dann gibt es noch die anderen Erinnerungen, die mit Menschen nichts zu tun haben. Diese, die mich an Orte denken lassen, Orte, die vielleicht nur ich als etwas besonderes empfinde, da sie mich in einem Teil meines Lebens geprägt haben: Der Ringpark, der sich um die Innenstadt zieht, Wohnungen, in denen ich gelebt habe, Straßen, die mir vertraut waren und nun nicht mehr sind, der Tante Emma-Laden, den es schon seit Jahrzehnten nicht mehr gibt, das Freibad, in dem ich die heißen Sommer meiner Kindheit verbracht habe …

Die Sommer meiner Kindheit im Freibad.

Die Sommer meiner Kindheit im Freibad.

Und jetzt? Wenn ich in meiner Stadt bin, wenn ich zurückgekehrt bin, setze ich mich immer noch gerne in die Straßenbahn und lasse mich von einem Ende der Stadt an das andere bringen. Dabei sehe ich, wie sich das Bild verändert hat. Ich mag es, meine Stadt aus den Augen einer Touristin zu entdecken. Deshalb mache ich gerne Stadtführungen mit. Um immer wieder Neues zu entdecken.

Ich wundere mich, dass ich Straßennamen vergessen habe, die mir früher vertraut waren. Dass ich mit dem Auto plötzlich nicht mehr weiterfahren kann, weil Straßen zu Einbahnstraßen wurden.

Straßen, die es nicht mehr gibt.

Straßen, die es nicht mehr gibt.

Auch das ist Heimat. Sich auf die unbekannten Flecken neu einlassen. Und zu fühlen, dass Heimat immer ein Platz ist, wo man willkommen ist. Das ist ein schönes Gefühl. Das Reisen bedeutet für mich Leidenschaft. Das Heimkommen auch. Beides gibt mir viel: Mein Zuhause gibt mir die Kraft, neue Wege zu gehen. Zuhause bedeutet für mich Zufriedenheit.

Und die Länder, in denen ich gelebt habe? Die anderen Kontinente? Die fremden Menschen? Die Kultur, die es zu erleben galt? Was war das?

Ganz einfach: Glück, das ich spüre, wenn ich darüber nachdenke. Nein, ich betrachte Weggehen und Ankommen nicht als Selbstverständlichkeit, sondern immer noch als etwas Besonderes. Wie beim ersten Mal!

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18 Antworten zu Nostalgie

  1. Das fröhliche Weggehen und das fröhliche Ankommen, das Loslassen und dann wieder zurück oder gar den Neubeginn wagen, das alles in Offenheit und übermütiger Neugierde und der Bereitschaft, alle Möglichkeiten zuzulassen, das finde ich richtig gut.

  2. JobcoachingBonn schreibt:

    Danke, sehr schön und berührend geschrieben. Liebe Grüße und ein schönes Wochenende

  3. Madlien schreibt:

    So wahr! Es wird immer ein „früher“ geben, immer wieder ein neues! Am wichtigsten ist es doch damit ehrlich umzugehen! Anzuerkennen, dass diese bestimmte Zeit mit diesen bestimmten Menschen dazu beigetragen hat, was und wer man heute ist. Lieber ehrlich sein, abhaken, weiterziehen, als in einer Welt stecken zu bleiben in der man nicht zu Hause ist.

  4. kormoranflug schreibt:

    Die Zeit verändert die Räume.

  5. Ulrike schreibt:

    Ich weiss was Du meinst, wenn man „alte“ Freunde wieder trifft und feststellt, dass man sich in so unterschiedliche Richtungen entwickelt und sich nicht mehr viel zu sagen hat…das ist manchmal traurig, aber loslassen hilft. Und dann findet man andere Menschen, die einen auf dem Lebensweg ein Stück weiter begleiten….

  6. Cornelia Lohs schreibt:

    Auf ewige Freundschaft, Sabine!

  7. Alexander Lautsyus schreibt:

    Yout story sounds a little bit nostalgic but optimistic!

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