Harz: Dort, wo die Hexen tanzen

FullSizeRender(1)Es war während unseres Familientreffens Anfang Juni 2015 im Harz, dass wir in unmittelbaren Kontakt mit Hexen, Zwergen, Teufel und Elfen kamen. In der Tat, alle zwei Jahre machen wir auf Familie irgendwo in Deutschland oder in der Schweiz. Aber so richtig! Gleich mit 40 Menschen unterschiedlichen Alters, die ich aber nicht alle kenne! Zumindest nicht am Anfang unserer Begegnung. Am Ende habe ich sie dann alle kennengelernt. Das macht oft einen Riesenspaß. Regelmäßig sind neue Kinder- oder Hundegesichter dabei. Mein Vierbeiner Gaston erfreut sich während dieser Zeit über eine fast ungeteilte Aufmerksamkeit und jede Menge an Streicheleinheiten.

e9bf318f-c555-41ac-bc59-4f1237059498Dieses Jahr hatten wir uns wegen lokaler Verwandtschaft Thale und das Bodetal ausgeguckt. Letzteres wird auch „Deutscher Grand Canyon“ genannt. Es ist zwar nicht so lang, so tief und so breit wie der echte Grand Canyon im US-Bundesstaat Arizona, dafür ist es aber auch nicht so alt. Geologen schätzen die amerikanische Schlucht, in der der Colorado River fließt, auf ein Alter von fünf bis sechs Millionen Jahre. Das Bodetal, das sich in seiner heutigen Form erst im Eiszeitalter heraus gebildet hat, ist mit seinen etwa 450.000 Jahren viel jünger.

FullSizeRender1Wir folgen Siegfried Rüge durchs Bodetal. Der Journalist schlüpft seit fünf Jahren ins Teufelskostüm und macht Führungen. So wie heute. Er erinnert sich an seine Zeit in der Ex-DDR. „Der Hexentanzplatz lag im Osten, der Brocken im Westen. Bei klarem Wetter konnten wir rüberschauen“, betont er. „So eine hohe Mauer konnten die gar nicht bauen, damit uns die Aussicht verwehrt wurde“, lacht Rüge. Dann schweift er ab in die Welt der Mythen: „Das Verhältnis des Teufels zu den Hexen war immer gut!“ Im normalen Leben ist er Karnevalspräsident im nahen Thale und vermietet Ferienwohnungen. „Im Karneval habe ich einen Damen-Elferrat. Seitdem schreckt mich bei den Frauen nichts mehr!“

Ein Ausflug zum Hexentanzplatz darf natürlich nicht fehlen. Hinauf geht es mit der Bodetal-Seilbahn. Manche Kabinen haben einen gläsernen Boden, was Gaston und ich besonders interessant finden. Hoch oben – auf Du und Du mit den ansässigen Hexen – liegt das Harzer Bergtheater Thale aus dem Jahr 1903, eines der ältesten Naturtheater Deutschlands mit 1.350 Plätzen.FullSizeRender12 FullSizeRender

Im Museum in der Walpurgishalle werden die Sagenwelt des Harzes und Szenen aus Goethes Faust lebendig. Darin ist auch ein Opferstein ausgestellt, der an alte Fruchtbarkeitsriten erinnert. Der Harz ist seit jeher von Mythen und Sagen umwoben: Seltsame Felsmassive, düstere Stollen und Bergwerke, verträumte Burgen und Schlösser, in Nebel gehüllte Berge und Täler, geheimnisvolle Höhlen, mystische Ruinen und Fabelwesen. Genau das macht den Harz aus. Hier erzählen sich die Menschen schon immer schaurige und romantische Geschichten. Über Bergmönche und Zwerge, Hexen und Teufel, Bären und Wölfe, über Geister und Elfen, Ritter und Jungfrauen.IMG_8672 IMG_8698

Über den Hexentanzplatz ziehen sich Reste des Sachsenwalls. Dabei handelt es sich um eine 150 Meter lange Trockenmauer aus Granitsteinen von einst zwei Metern Höhe. Sie wurde etwa 750 bis 450 v. Chr. errichtet. Die Mauer schirmte Teile des erhöhten Geländes des Hexentanzplatzes ab und diente vermutlich als Fliehburg.

Außerdem befindet sich dort der Tierpark Hexentanzplatz, der die Artenvielfalt der Harzregion mit vielen verschiedenen Tierarten repräsentiert. Der Hexentanzplatz ist angeblich auch ein altsächsischer Kultort, an dem in der Nacht zum 1. Mai zur Verehrung der Wald- und Berggöttinnen Feste abgehalten wurden. Der Ort wurde erst nach dem Verbot des Kultes durch die zugewanderten christlichen Franken zum Hexentanzplatz. Der Überlieferung nach wurde der Platz, zur Kontrolle des Verbots, von fränkischen Soldaten bewacht, die von als Hexen verkleideten und auf Besen anreitenden Sachsen verjagt wurden. Ein weiterer alter Kultplatz der Sachsen befindet sich auf dem Brocken.IMG_8687

Und Johann Wolfgang von Goethe war auch schon hier und zweifellos der berühmteste Harzbesucher. Der große Dichter hat an zahlreichen Stellen im Harz seine Spuren hinterlassen. Viele Namen und Gedenktafeln erinnern noch heute an seine Anwesenheit während seiner drei ausgedehnten Harzreisen.FullSizeRender(2)

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12 Antworten zu Harz: Dort, wo die Hexen tanzen

  1. Gabi schreibt:

    Diese Reise mach ich unbedingt!! Ein toller Tipp, danke dafür.

  2. eckisoap schreibt:

    Der Harz ist faszinierend! Dein Beitrag dazu, ganz wunderbar. Ich habe sehr viele meiner früheren Schulferien in Ilsenburg verbracht. Eine prägende und schöne Zeit! Die nacht vom 30.4. zum 1.5. wird auch heute noch (und wieder) mit allerlei Hexenkult gefeiert.

    Ein Familientreffen mit 40 Leuten hört sich spannend an 🙂 Liebe Grüße von mir.

    • sl4lifestyle schreibt:

      Ja, Du hast Recht, ich fand die Gegend dort sehr mystisch. Diese Nacht auf den 1. Mai würde ich dort gerne mal verleben. Vielleicht klappt es mal. Ilsenburg kenne ich leider nicht, dafür aber Thale, Quedlinburg und Wernigerode. Was für schöne Orte! Dir eine tolle Woche! LG Sabine

  3. toniasdogblog schreibt:

    Sehr schön🐺🐶💕 Tolle Fotos

    • sl4lifestyle schreibt:

      Tonia, kommst Du mal mit mir mit in den Harz? Ich wäre sooo glücklich! Dein Gaston.

      • toniasdogblog schreibt:

        Hallo Gaston
        Leider liegen wir 316km auseinander und da ich nur ca. 5km….am Tag Laufe wird die Strecke sehr lange sein, dass ist sehr schade. Könnte aber mein Frauchen fragen ob sie dir nicht ein bisschen Luft-Küsse von mir per Post sendet😂😊👍🏻🐶💖
        In Liebe Tonia

  4. *Seufz* … der sagenhafte Harz! ❤

  5. trina59 schreibt:

    So eine schöne Beschreibung des Harzes habe ich noch nirgendwo gelesen. Danke dafür. Bei unserer nächsten Tour werde ich bestimmt auch mit dieser tollen Seilbahn fahren. Viele Grüße, Trina

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