Marion Kracht: „Seine Stärken und Schwächen kennen!“

Marion Kracht traf ich auf der Ethical Fashion Show in Berlin.

Marion Kracht traf ich auf der Ethical Fashion Show in Berlin.

„Als starke Frau muss ich nicht jeden Trend mitmachen und sollte bei meinem Stil bleiben, bei meiner Eigenart.“

Marion Kracht

Die Schauspielerin Marion Kracht gehört zu den bekanntesten Gesichtern der Film-, Fernseh- und Theaterbranche. Seit Jahrzehnten steht sie für Professionalität, Qualität, Charakterrollen und Integrität. Beruflich wie privat. Davon zeugt nicht nur das Bundesverdienstkreuz, das Marion Kracht 2002 erhielt, sondern auch die Tatsache, dass die Wahl-Berlinerin sich für den Umweltschutz stark engagiert. Darüber hinaus lebt sie seit Jahren vegetarisch, entwickelte eine eigene vegane Feinkostlinie und ein eigenes Kochbuch (Kracht kocht), setzt sich für bewusstes Leben und einen schonenden Umgang mit den Ressourcen ein. So war es nicht nur eine Herzensangelegenheit, sondern auch eine logische Konsequenz, dass Marion Kracht die Idee zu einer eigenen veganen Modelinie entwickelte. Mit Lana fand die gebürtige Münchenerin den perfekten Partner. Im Interview berichtet sie über Fashion mit Charakter, starke Frauen und warum „Marion Kracht for Lana“ auf keinen Fall in den Kleiderschränken fehlen darf.

Als Schauspielerin hast du viel mit Mode zu tun, schlüpfst ständig in neue Rollen. Wie aber reifte in dir die Idee einer eigenen Modelinie?

Ich las einen Bericht über Biobaumwolle. Da wurde mir bewusst, dass es nicht nur wichtig ist, was man isst, sondern auch was man trägt. Baumwollanbau schluckt nicht nur sehr viel Wasser, sondern greift auch die Umwelt an. Anbieter von Baumwollpflanzen wie Monsanto treiben die armen Baumwollbauern in ihre Abhängigkeit, in dem sie nicht nur die Pflanzen, sondern auch den dazugehörigen Dünger jedes Jahr neu bei ihnen erwerben müssen. Aber es geht auch anders! Mit biologischem Anbau schützt man nicht nur die Umwelt, sondern auch den eigenen Körper, da in biologisch erzeugten Naturfasern keine Chemikalien enthalten sind und kein giftiger Dünger verwendet wurde. Dass man also ein Bewusstsein für das entwickelt, was man auf seinem Körper trägt, ist der eine Aspekt für die Entwicklung meiner eigenen Modelinie. Der andere ist, dass ich als Schauspielerin immer in verschiedene Rolle schlüpfe, jede Figur ihren eigenen Geschmack hat und ich somit einen Blick für Mode und deren unterschiedliche Aussage bekommen habe. Der dritte Punkt ist, dass ich Eco-Mode auch nach außen einen neuen Anstrich geben wollte: Modern, modebewusst, up to date und alltagstauglich. Leider wird Eco-Mode oftmals immer noch mit Öko-Latschen assoziiert. Dem ist nicht so. Ich habe mich gefreut, mit „Lana“ einen Partner gefunden zu haben, der seit 1987 nicht nur Vorreiter in der bewussten Bio-Mode ist, sondern als Familienbetrieb auch für hohe Werte steht.

Wieso vegane Mode?

Ich wollte bewusst konsequent dabei bleiben. Ich setze mich privat für den Umwelt- und Tierschutz ein und möchte dies vorantreiben. Heute braucht man kein Leder mehr. Und eine dicht gewobene Baumwolle kann genauso warm halten wie Wolle. Wir sind auch bei den Farben konsequent geblieben und nutzen in dieser Modelinie absolut nichts von tierischer Herkunft. Dazu ist alles absolut 100% organic. Das finde ich sehr bedeutend!

Wie hast du die Kollektionsteile entwickelt, und was war dir wichtig?

Ein großes Augenmerk habe ich vor allen Dingen auf die Tragbarkeit im Alltag und das Wohlbefinden gelegt. Mode muss Spaß machen, feminin und bequem sein. Meine Kollektion umfasst alles – vom schicken Cocktailkleid, über einen Overall und eine Hose bis hin zum kuscheligen Pullover und einen tollen Schal. Wir liefern ein Rundumpaket. Inspiriert wurde ich oftmals auch von den 1970ern. Meine Mode ist nicht nur für 18-Jährige geeignet, sondern auch für reifere Frauen, die modern sind, Qualitätsbewusstsein besitzen und einfach gerne ihre Weiblichkeit hervorheben. Meine Kollektionsteile bieten eine optimale Passform – vom Schnitt und Material her. Es sind alles Sachen, die ich selbst gerne im Schrank habe und mit denen frau auch gerne Frau ist!

Was bedeutet dir Mode?

Mode muss für mich ein Lebensgefühl vermitteln. Sowohl vom Design her als auch von der Aussage. Man fühlt sich nicht jeden Tag gleich und möchte mit der Mode spielen. Mal Diva sein, mal Casual. Mode muss meinen Charakter wiederspiegeln und unterstreichen. Sie zeigt, wer ich eigentlich bin. Meine Kollektion bietet all das.

Du setzt dich schon lange für die Umwelt ein. Was kann ein jeder von uns tun?

Jeder kann etwas tun – und kann selbst mit Kleinigkeiten viel bewirken. Beispiel Wasser: Wenn ich mich einseife, schalte ich das Duschwasser ab. Beim Zähneputzen ebenso. Ich trenne Müll. Ich nehme für kurze Wege das Fahrrad oder laufe und lasse das Auto stehen. Ich gehe bewusst einkaufen: Regional, saisonal, wenn möglich bio. Und man sollte sich fragen, ob Fleisch und Fisch sein müssen. Auch bei Kosmetik und Kleidung sollte man aufpassen. Die Haut ist unser größtes Organ. Wir sollten uns darüber bewusst sein, was wir uns eigentlich anziehen und gerade auch Billigmode hinterfragen: Wie ist das produziert? Kinderarbeit? Welche Chemikalien? Ich kaufe lieber ein richtig gutes, biologisch korrekt produziertes T-Shirt als drei „schlechte“. „Made in Europe“ kann ein guter Anhaltspunkt sein und natürlich das Wort „organic“. Viele sagen: Das ist aber auch alles viel teurer. Aber muss ich 15 T-Shirts im Schrank liegen haben? Dann doch lieber ein paar ausgewählte Teile, die aber von guter Qualität. Unsere Überflussgesellschaft muss umdenken.

Deine Mode hast du als starke Frau für starke Frauen entwickelt. Was macht für dich eine starke Frau aus?

Gerne weiblich sein und zu seiner Weiblichkeit zu stehen. Als starke Frau muss ich nicht jeden Trend mitmachen und sollte bei meinem Stil bleiben, bei meiner Eigenart. Man muss sich nicht mit dem Wind drehen. Eine starke Frau ist für mich diejenige, die ihre Stärken und Schwächen kennt.

Was würdest du dir in der Modeindustrie für die Zukunft wünschen?

Dass Kinderarbeit total verboten wird und auch die Ausbeute von erwachsenen Arbeitern. Weg vom Profitdenken. Die Endverbraucher sollten ein größeres Bewusstsein dafür entwickeln, wie die Dinge hergestellt werden. Das ist für mich ähnlich wie beim Fleisch: Wenn Fleisch, dann soll es das Tier vorher gut gehabt haben und nicht aus einer Massentierhaltung stammen. Qualität geht vor Quantität.

Wir haben jetzt deine Herbst-Winter 15/16-Kollektion gesehen. Folgt bald die Sommerkollektion?

Ja, natürlich. Ich freue mich schon sehr auf die Entwicklung der Sommerkollektion. Soviel verrate ich schon einmal: Sie wird farbenfroh sein, Lust auf die warme Jahreszeit machen und absolut weiblich sein. Eben für starke Frauen!

Quelle: Marion Kracht for Lana.

Foto: Cornelia Lohs

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Eine Antwort zu Marion Kracht: „Seine Stärken und Schwächen kennen!“

  1. Nacho schreibt:

    Hut ab vor soviel Engagement!
    Liebe Grüße
    Nachos Leinenhalter Achim

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