Ich poste, also bin ich!

FullSizeRender(1)Über das Posten werde ich. Über das Liken werde ich noch mehr. Mal eine kritische Analyse.

Früher habe ich Diaabende veranstaltet. Mit meinen Freundinnen und Freunden. Wir hatten so viel Spaß, über die paar 36er Filme zu lachen und zu staunen. Heute folgt die Bewergung virtuell durch Likes oder Kommentare. Auch nicht schlecht, oder? Und was ist, wenn es keine Likes gibt. Dann waren die Fotos wohl nicht interessant genug. Hmmm, was tun?

Ich liebe es immer noch, die Begegnung mit Freunden, das unbeschwerte Zusammensitzen. In ist das nicht mehr. Heute sitzt man nicht mehr so oft zusammen, sondern schaut auf WhatsApp und Facebook nach Neuigkeiten. 1,4 Milliarden Menschen sind auf Facebook, über 300 Millionen auf Instagram. Und was ist mit denen, die nicht dabei sind?

Es sind meist die etwas Älteren, die sich sperren. Und die dann auf einmal nicht mehr am Leben ihrer Kinder oder Enkel teilhaben können. Nur sehr zögerlich lassen sie sich an ein Smartphone heranführen. Jetzt endlich haben sie wieder am Leben der Jüngeren teil. Doch die rächen sich. Sie schaffen sich andere digitale Welten, wie WhatsApp. Ja, Pech gehabt! Die Jüngeren bestimmen die Kommunikation mit ihren Ausdrucksformen, die die Älteren nicht mehr verstehen. Entweder mithalten oder nicht!? Doch, ja, das hält jung.

Richtigen Text gibt es immer weniger. Er wird ersetzt durch Emoticons, Hashtags und Abkürzungen (die auch ich oft nicht verstehe!). Fotos sind wichtig, ja klar, so sehe ich das auch! Wir wenden uns verstärkt einer Art Comicsprache zu. Ist das schon der Untergang des Abendlandes? Und die Ausdrucksformen verändern sich. Kulturpessimismus pur!

Und dann denken wir halt, dass wir uns mit unseren „Freunden“ im Netz unterhalten, wenn wir etwas über uns schreiben. Und dann kommen nicht mal Rückmeldungen. Wie enttäuschend! Oder es kommen als Antworten nur Emoticons, irgendwelche lachenden, weinenden oder frechen Fratzen, mit denen wir gleich gar nichts anfangen können. Da sind dann anonyme Likes doch fast besser. So, und da haben wir sie, die Einwegkommunikation.

Und dann gibt es die Selfies. Man nimmt sich damit auch gerne selbst auf die Schippe. Oder es werden die schönen, die positiven persönlichen Momente im Leben gezeigt. Wer teilt schon gerne Negatives? Ich nicht! Und dann gibt es die ganz banalen Fotos: Das tolle Essen, der lange Strand, der witzige Hund, die laszive Katze. Zugegeben, diese Fotos poste ich auch. Dann bin ich halt auch mal banal. Obwohl ich immer staune, wie viele Likes die kriegen! Und mein Hund Gaston Vizsla ist eh der Überflieger im Netz. Von den vielen Likes, die er bekommt, kann ich nur träumen!

Selfies werden von vielen Promis gepostet. Nee, so wollen wir doch nicht sein, oder? Sogar die Queen, bekennende Selfie-Hasserin, hat sich im letzten Jahr auf zwei Selfies gemogelt. Und dann natürlich Demi Moore und Ashton Kutcher. Alte Geschichte. Aber sie hat funktioniert. Denn sie posteten Selfies von sich und nahmen so den unzähligen Paparazzi den Wind aus den Segeln. Clever! Sie haben sich damit ein wenig Ruhe verschafft. Chapeau!!

Und jetzt kommen wir mal wieder auf uns zurück, die weder Promi-Status noch sonst irgendetwas haben. Zugegeben, wir posten Selfies. Sind wir dadurch narzistisch veranlagt oder vielleicht sogar persönlich gestört. Nein, sind wir nicht, überhaupt nicht! Sind wir nicht alle mit Kameras und Selbstauslösern groß geworden? Das ist doch fast das gleiche! Fast! Erinnern wir uns doch daran, wie bewusst wir damals diese „Selfies“ arrangiert haben. Wir wollten doch alle möglichst gut aussehen! Wir hatten nur nicht die Möglichkeit, die Bilder in Sekundenschnelle einem größeren Bekanntenkreis zugänglich zu machen. Und wie wir uns freuten, als wir den Film schließlich Tage oder Wochen später vom Entwickeln abholten.

Und es gibt auch kulturelle Selfie-Unterschiede. Klar! Bei den deutschen Selfies wird meist verhalten in die Kamera gelächelt, Russen stellen sich lieber ernst dar und Lateinamerikaner lachen aus vollem Herzen und mit vielen Zähnen. Die Briten nehmen sich am liebsten selbst auf den Arm, was uns Deutschen eine Spur zu peinlich wäre.

Doch: Ein wenig sind Selfies bei narzisstisch veranlagten Menschen beliebt. Zu denen gehören wollen wir auf keinen Fall, nicht wahr? Probieren wir es einfach aus und posten vom nächsten Urlaub weder einen stimmungsvollen Sonnenuntergang noch ein Selfie!

Wie sehr lasst Ihr Euren Alltag von den sozialen Netzwerken bestimmen? Bin gespannt, wie Eure Kommentare ausfallen!

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8 Antworten zu Ich poste, also bin ich!

  1. leonieloewin schreibt:

    Ich finde soziale Netzwerke wichtig und gewinne ihnen viele positive Dinge ab.Dennoch gibt es auch Nachteile und ich kann auch „streckenweise“ gut ohne leben. Mein Versuch: ein goldener Mittelweg. Liebe Grüße und einen schönen Sonntag, Leonie

  2. Ich finde es unglaublich, wie schnell und umfassend sich unser Leben durch die Smartphones und sozialen Netzwerke geändert hat. Keiner kommt darum herum, nicht einmal meine 80 und 87 Jahre alten Eltern! Auch sie fragen sich, wie sie früher eigentlich OHNE leben konnten … Als Fotografin und Bloggerin bin ich natürlich ständig in den sozialen Netzwerken unterwegs und freue mich immer wieder über so nette Kontakte wie beispielsweise mit Dir! Aber da geht zweifellos eine Menge Zeit drauf. Ich kompensiere das mit Fernsehentzug

    • sl4lifestyle schreibt:

      Danke, liebe Karin! Jaja, mir geht es ähnlich mit dem Fernsehen. Manchmal tut es mir dann leid, dass ich Filme verpasse! Jetzt, im Hochland von Afghanistan, gab es nix. Gar nix! Aber doch eine heiße Dusche mit Wasser aus dem Holzofen! LG Sabine.

  3. Margareta Gilch schreibt:

    Smartphone und Co sind eine ziemlich solle Sache für mich geworden. Seit letzten Urlaub in España glaube ich süchtig geworden zu sein. Als Single unter der Erdensonne scheint es mir ein eleganter Weg zu sein im Kontakt zu bleiben. Wenn auch ohne viel tun gähnende Leere wäre auf dem Ding. Dann gibt es noch mails zu checken gescannte Texte zu lesen und Fotos zu schaun alles beinand und nich schwer. Ich liebe mein Smartphone😎

  4. katsusann21 schreibt:

    Meine Mutter(79) ist seiner einer Woche Smartphonebesitzerin und hat Whattsapp. Sie empfängt Nachrichten,scheut sich aber zu antworten. Dafür ruft sie an, wenn sie ein Foto von uns geschickt bekommen hat und sich darüber freut.Ach ja und Slefies mach ich auch gerne von mir, da kann ich die Perspektive selber bestimmen. Und die fällt meist besser aus als wenn ich von jemandem fotografiert werde. 😉 Narzisstische Grüsse! K.

    • sl4lifestyle schreibt:

      Das Narzistische! Es sei Dir gegönnt, liebe Katsusann! Ich habe heute noch kein Händchen für Selfies, lasse mich immer noch ganz altmodisch von jemanden knipsen! Grüße an Deine Mutter! Sie ist mir sympathisch! 😄 Namaste aus Indien! Sabine

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