Zum Teufel mit der Langeweile!

IMG_4310 (Large)Meine Freundin schaut mich ungläubig an. Dann wiederholt sie ihre Frage: „Was hast Du am Wochenende gemacht?“ Und ich antworte erneut: „Nichts. Absolut gar nichts! Ich habe mich so gelangweilt.“

Ich sehe in ihr Gesicht. Und sehe Mitleid. Aufrichtiges Mitleid. Als könnte ich etwas ganz Wichtiges nicht leisten. Dabei ist die Langeweile doch Voraussetzung für die Muße, die sich fast immer einstellt, wenn man auf sie wartet. Die Klugen, die Denker der Antike hielten es für sehr wertvoll, seine Zeit mit Nichtstun zu verbringen. Weil es Kreativität freisetzt und die kreativen Gedanken den Charakter bilden. Erst der Kapitalismus stellte die Muße und damit auch die Langeweile in eine faule Ecke: Müßiggang, so hieß es plötzlich, sei aller Laster Anfang. Und einem Menschen, der sich langweilt, passiert fast immer etwas Schönes.

Langeweile räumt uns auf. Sie lässt Stille einkehren im Kopf und Langsamkeit. Wenn wir uns langweilen ist es, als würde um uns herum die Welt weiterrasen, wir selbst stehen aber ganz still. Das muss man aber aushalten können, dass die anderen auch mal ohne einen zurechtkommen. Aber wenn man es aushält, dann kann man sie sehen: Die Bilder tief in unserem Bewusstsein: Menschen, denen wir begegnet sind, Worte, die wir gehört haben, Bilder, die wir gesehen haben, Abenteuer, die wir erlebt haben.

Und wie oft passiert es, dass neue Ideen und überraschende Gedanken auftauchen, für die die Langeweile erst Platz geschaffen hat.

In früheren Zeiten war Langeweile ein Luxus. Den konnten sich nur wenige leisten. Denn wer die Möglichkeit zur Langeweile hatte, war reich. Alle anderen mussten rund um die Uhr arbeiten. Doch heute gibt es die Smartphones, die iPads, die MP3-Player, die permanent bedient werden möchten. Und wenn wir uns nicht um sie kümmern, geben sie ein Geräusch von sich und schon wieder haben sie unsere Aufmerksamkeit. Statt uns mal hinzusetzen und Löcher in die Luft zu starren!

Kinder können das manchmal noch. Doch diese Fähigkeit nimmt leider bei ihnen ab. Warum? Es sind die täglichen Verpflichtungen, die auch bei ihnen zunehmen: Montag Reiten, Dienstag Ballett, Mittwoch Klavierstunden, Donnerstag Schwimmen und Freitag zum Psychologen! Und am Wochenende dann endlich mal Computerspiele!

Wir dürfen uns schlichtweg nicht mehr langweilen. Aktionismus ist angesagt, überall und jederzeit. Andauernd in Aktion sein ist zum Statussymbol geworden.

Und viele von uns haben sogar Angst davor, mal nur mit sich selbst zusammen zu sein. Es lebe die Langeweile, es lebe die Muße!

Wie empfindet Ihr Langeweile? Ich freue mich auf Eure Kommentare!

 

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Über sl4lifestyle

Journalistin aus Leidenschaft, Tierschützerin mit Hingabe und neugierig auf das Leben. Ich stelle Fragen. Ich suche Antworten. Und ab und zu möchte ich die Welt ein Stückweit besser machen ... Manchmal gelingt es!
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15 Antworten zu Zum Teufel mit der Langeweile!

  1. Alleinseinkönnen, Nichtstun und Tagträumen finde ich ganz wichtig (wobei ich das persönlich nicht als Langeweile sehe). Ich schöpfe daraus Kraft und entwickle Ideen und komme manchmal auch zu Entscheidungen, um mein Leben neu zu ordnen, um neue Prioritäten zu finden.

  2. racheleswelt schreibt:

    Ich bin sehr gern mal mit mir allein, aber Smartphone und co fordern wirklich fast durchgängig die Aufmerksamkeit und so praktisch all die Technik ist, in solchen Momenten seh ich das alles sehr kritisch. Man verlernt das allein sein zu genießen.

  3. Oh je…. Ich schwöre, ich hatte noch nie Langeweile. Ich habe einfach zu viele Interessen….. Auch wenn ich nichts tue, genieße ich das. Leider kommt das viel zu selten vor.

  4. La Imperial Feng schreibt:

    eine lange weile – wenn das nichts nichts tut …

  5. Cornelia Lohs schreibt:

    Ich nenne es nicht Langeweile, sondern kreative Pause … dann, wenn ich auf dem Sofa liege, an die Decke starre und auf die Eingebung des berühmten ersten Satzes für einen Artikel warte.

  6. anette schreibt:

    Für mich ist es auch keine Langeweile, die Pausen, die Ruhe, die Zeit für sich, das Nichtstun. Es sind für mich sehr wertvolle und wunderbare Momente, die ich sehr genieße und leider mehr und mehr zum Luxus werden. Ich werde mich auf jeden Fall persönlich darum kümmern, dass mein Sohn, sobald er etwas größer ist, „Langeweile“ erleben wird und so manche neue Ideen daraus schöpfen kann 🙂

  7. drnessy schreibt:

    Ein toller Post. Irgedetwas denkt man ja immer, außer wenn man schläft und nix träumt ,-) ! Allen frohe Weihnachten, Nessy von den happinessygirls.com

    • sl4lifestyle schreibt:

      Hi Nessy, erstmal vielen Dank, dass Du sl4lifestyle folgst. Wir freuen uns sehr! Da kommen noch jede Menge tolle Posts auf Dich zu!! 😉 Morgen sehe ich mir in aller Ruhe Deine Seiten an.
      LG und Geruhsame, ja, wirklich Geruhsame Weihnachten wünscht Dir Sabine.

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