Der Rattentempel von Rajasthan

L1190369 (Large) DSCF0913 (Large)Mit sehr gemischten Gefühlen besuchte ich in Rajasthan den Tempel von Shri Karni Mata in dem kleinen Dorf Deshnoke. Das war schon ein ganz besonderes Erlebnis!

Deshnoke liegt rund 32 km südlich von Bikaner. Wie alle anderen pilgerte auch ich zur größten Attraktion in der Region, dem Tempel, in der die historische Gestalt Karni Mata als Gottheit verehrt wird. Die Geschichte des Tempels reicht etwa 600 Jahre zurück. Die reich verzierte silberne Eingangstür und die kunstvoll geschmückten Silber- und Goldverzierungen sowie die Renovierung des Tempels und Erweiterung waren eine Spende des Maharajas Ganga Singh von Bikaner (1898-1943).

Geschichtlicher Hintergrund: Shri Karni Mata hat im 14. Jahrhundert gelebt. Sie wurde die Schutzgöttin der Rajputen und wurde noch zu Lebzeiten als Heilige verehrt. Nach einer Legende bat sie in Trance den Totengott Yama um die Seele eines verstorbenen Kindes. Yama antwortete jedoch, er könne ihr die Seele nicht übereignen, da das Kind schon wiedergeboren wurde. Daraufhin schwor Shri Karni Mata, dass niemand von ihrem Volk je wieder das Totenreich des Gottes Yama betreten würde und die verstorbenen Seelen nach ihrem Tod als Ratte wiedergeboren werden. Wenn diese das Leben als Ratte hinter sich haben, sollten sie als Barden wieder auferstehen. In der Kulturgeschichte der Rajputen waren fahrende Sänger schon immer hoch angesehene Personen und wurden verehrt.

Wie in jedem Tempel musste ich die Schuhe ausziehen. Barfuß stand ich plötzlich inmitten von Tausenden von Ratten. Da kam mir natürlich meine Tierliebe zu Gute, denn ich mag auch Ratten und Mäuse. Trotzdem war es ein sehr komisches Gefühl, die Tiere neben und auf meinen nackten Füßen zu spüren.L1190356 (Large)

Die Ratten werden von den Besuchern mit mitgebrachten Speisen und Getränken umsorgt. Für Anhänger von Shri Karni Mata ist es eine besondere Ehre, Kontakt zu den seltenen weißen Ratten aufzunehmen. Doch die muss man erstmal finden. Mit Leckereien verweilen sie stundenlang an den Mauerritzen und versuchen, eines dieser seltenen Exemplare anzulocken.

Als ich weiter in den Tempel hineinlief wurde das Licht immer schummriger. Dann sah ich unzählige funkelnden Äugchen und haarige Schwänze in allen Ecken und Nischen, sobald ich mich erst einmal an das Licht gewohnt hatte.L1190363 (Large) L1190366 (Large)

Durch unzählige Löcher kommen sie aus ihren unterirdischen Verliesen. Sie spielen und raufen, liegen oft in einem großen Haufen übereinander in den Ecken und auf Opferschalen oder klettern auf den Absperrgittern herum. Der Tempelhof ist von oben mit einem Netz gegen die Gefahr von Raubvögeln gesichert. Den Ratten von Deshnoke konnte nicht einmal die Pest etwas anhaben.L1190368 (Large) L1190367 (Large)

Die Gläubigen verbeugen sich beim Eintritt vor der Göttin und gelangen durch einen schmalen Gang in das Innere des Heiligtums. Das Allerheiligste durfte ich allerdings nicht betreten. Nur Hindus haben Zugang. Und plötzlich sehe ich erst eine und dann die zweite weiße Ratte. Ich freue mich. Das Glück ist mir auch hier hold.

Glücksbringer: Ich sehe eine weiße Ratte!

Glücksbringer: Ich sehe eine weiße Ratte!

Fotos: Enric Boixadós

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14 Antworten zu Der Rattentempel von Rajasthan

  1. kormoranflug schreibt:

    Hauptsache es hat Dich keine gebissen.

  2. Anita schreibt:

    Danke Sabine, ich habe die weiße Ratte auch gesehen. 🙂 Ich glaube daran, dass sie mir auch Glück bringt.
    Tolle Geschichte und Fotos.
    Anita

  3. anudasa schreibt:

    Der Froschi und ich haben eine Plüschratte, sie heißt „Rättle“.
    Das ist schwäbisch und bedeutet „Kleine Ratte“ 🙂 🙂

  4. Deine Christine! schreibt:

    Das wäre nichts für mich….. Ich mag keine Ratten…

  5. Hilfe für Miranda schreibt:

    Darüber habe ich mal eine Doku im Fernsehen gesehen. Ich finde Ratten süß und würde keine Bedenken haben barfuß zu gehen. Da kann man mal sehen, wie das Verhalten der Tiere sich ändert, wenn sie nicht getötet werden. In Deutschland sieht man kaum eine Ratte, weil sie so schlau und vorsichtig sind. 😉
    Einige Ratten auf den Bildern sehen aber auch krank aus, bei einer fehlt ein Stück vom Schwanz. Vielleicht sind die erst später in den sicheren Tempel gezogen?
    LG Susanne

    • sl4lifestyle schreibt:

      Die Menschen dort akzeptieren die Tiere, tun ihnen auch nichts, aber kümmern sich auch nicht um sie. Strassentiere, wie Hunde oder Kühe, werden ihrem Schicksal überlassen, das ist die dunkle Seite Indiens. Aber so gehen sie auch mit den Menschen um!

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