Die zerstörten Buddha-Statuen von Bamyan

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERAEiner der Höhepunkte meiner Afghanistan-Reise vor einigen Wochen war die Besichtigung der zerstörten Buddha-Statuen von Bamyan. Ich konnte mir unschwer vorstellen, wie prachtvoll sie einst gewesen waren. Hergekommen war ich mit einer alten, klapprigen Antonow, einem russischen Passagierflugzeug. Von Kabul aus dauerte der Flug nur eine Stunde.KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Ich hätte auch die Straße nehmen können, aber davon wurde mir dringend abgeraten, denn die werde von den Taliban kontrolliert. Nicht einmal Einheimische trauen sich zurzeit mit dem Bus oder mit dem Auto anzureisen. So bleibt die Kulturstätte für viele ein No Go, und ich war in der Tat die einzige Besucherin vor Ort. Mit viel Mühen, Zeit und Geduld ist von Zeit zu Zeit ein japanisches Restaurierungsteam vor Ort, um den Statuen ihr neues altes Gesicht zurückzugeben.

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Einschusslöcher.

KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERAAber: Nein, ich würde niemanden raten, nach Bamyan zu reisen. Und auch nicht nach Afghanistan. Der Umstand, als Reporterin vor Ort zu arbeiten zu können, führte mich in das Krisengebiet.KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

Wie alles war

Februar 2001. Früher wie heute herrscht Krieg in Afghanistan. Doch die Tage von damals werden sich für immer in unser Gedächtnis brennen. Es sind die Tage, an denen die Taliban ihre Drohung wahrmachen und die berühmten Buddhastatuen im 2.500 Meter hoch gelegenen Tal von Bamyan in Zentral-Afghanistan sprengen.

Für die Zerstörung des großen Buddha brauchten sie Dutzende von Explosionen, dann war auch von ihm nur noch ein Steinhaufen übrig. Wieder mal hatte es Afghanistan in die internationalen Schlagzeilen geschafft. Kurz vorher hatte sich noch die UN-Vollversammlung getroffen und der deutsche UN-Botschafter Dieter Kastrup kritisierte die beabsichtigte Zerstörung jahrhundertealter kultureller Monumente als „barbarischen Akt religiöser Intoleranz“. Doch alle Appelle nützten nichts. Die Taliban wüteten länger als zwei Wochen bis von der Kulturstätte nichts mehr übrig war. Am 12. März 2001 bestätigen die Vereinten Nationen die Zerstörung der rund 1.500 Jahre alten Steinfiguren aus vorislamischer Zeit.KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERAWarum? Für die Taliban waren die Buddha-Statuen bloße Kultgegenstände, die gegen das islamische Bilderverbot verstießen. Auch dann, als sie längst nicht mehr religiös verehrt wurden. Die Statuen würden den islamischen Charakter Afghanistans beschämen und müssten deshalb dem Erdboden gleichgemacht werden – entgegen der zuvor über Jahrhunderte vorherrschenden Interpretation. Die neuen Machthaber vernichteten daher nicht nur die Buddha-Statuen, sondern auch wertvolle Exponate im Nationalmuseum in Kabul.KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERADie steinernen Riesen, 53 und 35 Meter hoch, wurden im sechsten Jahrhundert von buddhistischen Mönchen aus dem Fels geschlagen. Die Nischenwände wurden wie die beiden Buddhas reich bemalt. Bamyan war damals ein Handels- und Pilgerort an der antiken Seidenstraße – geprägt durch die hellenistische Kultur, einem Erbe des Alexanderreiches, und durch die buddhistische Religion, eingeführt von Missionaren aus Indien. Der Islam kam erst ab etwa 1000 nach Christus in die Region.KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA
Veröffentlicht in der Huffington Post am 9. Januar 2016.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Afghanistan, Reise, Reportagen, Sabine’s world: A travel diary abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Die zerstörten Buddha-Statuen von Bamyan

  1. Deine Christine! schreibt:

    Ich kann über solch ein Verhalten nur den Kopf schütteln. Echt traurig, aber leider wahr…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s