Frauen sind oft die Verlierer

L1200070 (Large)… zumindest in Indien.

Normalerweise lese ich während meiner Zeit in Südindien täglich zwei englischsprachige Tageszeitungen: „The New Indian Express“ und „The Deccan Cronicle“. Beide liegen schon frühmorgens auf der Türschwelle zu meinem Cottage. Ich liebe es auf Reisen, lokale Zeitungen zu lesen. So bekommt man meist einen umfassenden Einblick in die jeweiligen Gesellschaften.

Ich habe mich während der letzten Monate, seitdem ich mit Indien zu tun hatte, mit den sozialen Fragen und Problemen beschäftigt, die das „neue Indien“ hervorbringen. Zum einen ist da von zunehmender Vernachlässigung alter Menschen die Rede, die von ihren Kindern verstoßen werden, weil sie nicht mehr in deren Gesellschaftsbild passen. Ich erinnere mich an ein Gespräch in Varanasi, wo man mir sagte, dass bei den Verbrennungszeremonien an den Ufern des Ganges weibliche Familienmitglieder nicht dabei sein dürfen. Sie seien zu emotional, hieß es.

Was wirklich dahinter steckt, habe ich erst jetzt erfahren, als ich einen Bericht las über eine ältere Frau, die in den Holzhaufen gesprungen war, in der ihr toter Mann verbrannt wurde. Auch heute noch sind Alleinstehende und Witwen in Indien nicht allzu viel wert. Frauen entwickeln Schuldgefühle, wenn ihr Mann vor ihnen stirbt. In diesem Fall hatten die Kinder ihre Mutter am Feuer allein zurückgelassen, sie wussten natürlich, was folgte. Eine bequeme Art, alte und von ihnen abhängige Menschen loszuwerden. Sie reduzieren sich zu Kostenfaktoren. Es hat funktioniert, die Frau konnte nicht mehr gerettet werden.

Jeden Tag berichten die Zeitungen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen, häusliche oder sexuelle, aber immer auf Erniedrigung ausgerichtete Taten. Frauen müssen verheiratet werden, oft suchen die Eltern den Bräutigam aus und die Frau hat diese Entscheidung zu akzeptieren. Noch heute werden Mädchen gegenüber ihren Brüdern vernachlässigt, nach der Heirat setzt sich das Verhalten im Haus der Schwiegereltern fort, denn noch immer wohnen Paare nach der Hochzeit meist im Elternhaus des Mannes.

Häufig wird über Vergewaltigungen berichtet, oft auch begangen an minderjährigen Mädchen. Viele handeln von so genannten „Gang Rapes“, Vergewaltigungen begangen von mehreren Männer. Alle Bevölkerungsschichten sind davon betroffen. Auf den Dörfern, wo es keine Toiletten im Haus gibt, trifft es Mädchen und Frauen, die abends außerhalb ihre Notdurft verrichten müssen, ebenso wie Studentinnen in Städten, die von Bus-, Rikschafahrern oder sonst wem belästigt werden.

Wenn man all die News liest, bekommt man den Eindruck des Alltäglichen. Ist das ein indisches Phänomen? Ich habe mit Indern darüber gesprochen. Schulterzucken, Betroffenheit, auch sie haben keine Antwort darauf.

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Auch Touristinnen sind davon betroffen …

 

 

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2 Antworten zu Frauen sind oft die Verlierer

  1. Chaosvater schreibt:

    es ist schon traurig; hier in dieser Welt im 21. Jahrhundert!!

  2. KOHLORI. MAGAZIN. schreibt:

    Ich bin sehr betrübt…

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