Eine pornographische Beziehung

internet_XIVEs geht um Sex, Leidenschaft und irgendwie auch um Liebe. Aber die kommt spät, viel zu spät. Ein Mann, eine Frau. Durch eine Annonce lernen sie sich kennen, tauschen weder Adressen noch Telefonnummern aus und nicht einmal die Vornamen. Alles, was sie wollen, ist Sex, das Ausleben einer hemmungslosen Begierde, immer donnerstags, in diesem kleinen Hotel, irgendwo in einer Stadt. Nein, einen perfekten Körper hat sie nicht, er auch nicht, doch das spielt keine Rolle in dem animalischen Ausleben ihrer Instinkte. Ihm gefällt ihr Lächeln, der Klang ihrer Wörter. Das Warten auf die Donnerstage, die lapidare Feststellung von ihm: „Wenn sie nicht ankommt, habe ich sie verloren.“

Die Treffen gehen weiter, wöchentlich. Irgendwann später wird sie feststellen, dass es mehr ist, dass es, naja, so etwas ist wie Liebe. Dass es sich zumindest so anfühlt. Sie denkt ans Altwerden mit ihm, warum nicht. Er, der Unbekannte, kontert: „Es wird nicht funktionieren. Nie.“ Er möchte beim Jetzt bleiben. Sie wird sich später, viel später an ihn erinnern als „an die Liebe meines Lebens“. Dann, wenn es schon längst vorbei ist, wenn nur noch die Erinnerung bleibt, an das Erlebte, das Gelebte, an ihn. Vielleicht war es für beide das, was man gemeinhin Liebe nennt, einfach nur LIEBE, dieses komische Wort mit den fünf Buchstaben.

Das Schauspiel von Philippe Blasband reiht sich ein in die Reihe der wundervollen Aufführungen des kleinsten Theaters Deutschlands, nahtlos. Zhanna Kalantay mit perfekter Mimik und wunderbarem Akzent als Sie und Murali Perumal als ihr Lover – eine wilde Symbiose.

50 Plätze sind schnell ausverkauft im Torturmtheater von Sommerhausen. Am besten sofort Karten bestellen für diese Amour fou, diese Affaire à coeur. Vielleicht bleibt am Ende auch für die eine Zuschauerin oder den einen Zuschauer eine bittersüße Erinnerung an irgendetwas haften … Leicht möglich sogar!

Auf dem Spielplan bis 28. Mai 2016.

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Vielleicht war es für beide das, was man gemeinhin Liebe nennt, einfach nur LIEBE, dieses komische Wort mit den fünf Buchstaben.

Fotos: Angelika Relin

 

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