Budapests Café Gerbeaud: Eine Institution

OLYMPUS DIGITAL CAMERAMan kommt sich schon ein wenig dekadent vor, wenn man in Budapests Café Gerbeaud sitzt, an seinem Kaffee nippt und genüsslich ein Stückchen Buttercrème-Torte verspeist.

Die Inneneinrichtung besteht aus Marmor, edlen Hölzern und Bronze. Der Stuck an der Decke wurde im Rokoko-Stil von Ludwig des XV. angefertigt. Bei den Kronleuchtern ließ man sich vom Maria Theresia-Stil inspirieren. Für die Gäste wurden sowohl französische Tische als auch sezessionistische Tische bereitgestellt, die Gerbaud von der Weltausstellung in Paris kommen ließ. Noch heute zeigt sich das Etablissement im Stil der Gründerzeit. Das Gerbeaud ist eines der größten und traditionsreichsten Kaffeehäuser in Europa. Das Unternehmen war sogar ein k.u.k. Hoflieferant.

Doch nun der Reihe nach:

Das Caféhaus begann seinen Aufstieg mit Henrik Kugler, dem dritten Nachkommen einer Konditordynastie. Sein Wissen und seine Erfahrung eignete sich dieser vor allem während seiner Lehrjahre in elf europäischen Metropolen an, darunter auch in Paris. Daraufhin eröffnete er 1858 seine Konditorei auf dem József-Nádor-Platz, die bald zu einer der besten in Budapests Stadtteil Pest zählte. Besonderheiten waren die chinesischen und russischen Teespezialitäten sowie seine Eiskreationen, die von den Budapestern als das „beste Speiseeis von Pest“ gerühmt wurden.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Um näher im Zentrum der Stadt zu sein, verlegte Kugler sein Geschäft 1870 an den damaligen Alten Theaterplatz (Régi Színház tér, seit 1926: Vörösmarty tér). Besonders beliebt waren bei seiner Kundschaft in dieser Zeit seine Kaffees, Liköre und Zuckerbonbons. Aber auch die Kugler-Torten und -Mignons fanden starken Absatz, vielleicht weil es erstmals bei Kugler möglich war, diese eingepackt auf einem Papiertablett mit nach Hause nehmen zu können. Gäste in Kuglers Konditorei waren unter anderem der Politiker Franz Deák und der Komponist Franz Liszt.

1882 traf Henrik Kugler auf einer Reise nach Paris zum ersten Mal auf Emil Gerbeaud und erkannte sofort seinen Unternehmergeist. Emil Gerbeaud, der ebenfalls einer Konditorfamilie entstammte, wurde in Genf geboren und sammelte seine Erfahrungen in Deutschland, Frankreich und England.

1884 lud Kugler ihn schließlich nach Budapest ein, um Gerbeaud zu seinem Geschäftspartner zu machen. Dieser übernahm später Kuglers Geschäft, behielt aber den ursprünglichen Namen des Cafés bei. Zahlreiche Neuerungen gingen mit dem Eintritt Emil Gerbeauds einher. Mit neuen Produkten, wie Buttercremes, Pariser Cremes, hunderte Sorten an Teegebäck, Zuckerwaren, verschiedenartigste Bonbons, vergrößerte er das Angebot. Ende 1899 hatte er bereits etwa 150 Mitarbeiter, von denen viele nur nach Budapest kamen, um bei Gerbeaud lernen und arbeiten zu können. Er hatte einen sehr guten Geschäftssinn und rüstete seine Backstube nach und nach mit modernen Maschinen aus, um die steigende Nachfrage bedienen zu können. So wurde sein Name bald zum Synonym für Qualität und Backkunst. Da die bereits von Henrik Kugler eingeführten, aufwendig gestalteten Papierschachteln für die außer Haus gelieferten Torten bei seiner Kundschaft sehr beliebt waren, führte Gerbeaud diese Tradition fort und gestaltete sie sogar selbst.

Den Besuchern seines Cafés stellte er bereits 1909 Parkplätze für Automobile neben denen für Kutschen zur Verfügung.

Zwar ging der Erste Weltkrieg auch am Hause Gerbeaud nicht spurlos vorüber, aber dem Unternehmer gelang es, sein Geschäft durch diese schweren Jahre mit Erfolg zu führen. Am 8. November 1919 starb Emil Gerbeaud und vermachte das Geschäft seiner Frau Esther, die es bis 1940 führte.

Der Name blieb dem Café bis heute erhalten, ausgenommen die Zeit zwischen 1950 bis März 1984, als es zwischenzeitig den Namen Vörösmarty trug. 1995 erwarb der deutsche Unternehmer Erwin Franz Müller die Konditorei und ließ sie aufwändig renovieren, so dass die Spuren der letzten 50 Jahre nicht mehr zu sehen sind. Heute erscheint das Café wieder in seinem ursprünglichen, von Emil Gerbeaud geplanten Stil.

Im Jahr 2009 wurde sogar in Tokio die Konditorei Gerbeaud eröffnet.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

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6 Antworten zu Budapests Café Gerbeaud: Eine Institution

  1. kormoranflug schreibt:

    Sehr gediegen mit Eis und Kaffee schwelgen –

  2. Andrea Lammert schreibt:

    Mhhhhhh, danke, dass du uns so entführst in diese liebenswerte Stadt

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