Ein Alpen-Thriller

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Ich war in den letzten Wochen einige Male in den Bergen. Immer wieder fasziniert von ihrer Aura und der geheimnisvollen Atmosphäre habe ich mich auf die Suche nach Alpen-Literatur gemacht. Und ich habe dieses Lese-Juwel entdeckt.

Im Herbst 1950 kommt der junge Wiener Historiker Max Schreiber in ein Tiroler Bergdorf, um einer kleinen Zeitungsnotiz auf den Grund zu gehen: Vor fast 100 Jahren soll in diesem Dorf eine Frau in ihrem Haus verbrannt sein, ohne, dass jemand den Versuch unternommen hätte, sie zu retten. Die Zeitung mutmaßte damals eine späte Hexenverbrennung, und Schreibers Interesse war geweckt. Doch die Dorfbewohner begegnen ihm mit Misstrauen, dem Fremden, der alte Geschichten ausgraben und das Dorf schlecht machen will. So sagen sie.

In seiner Einsamkeit und Isolation verliert sich Schreiber in der Liebe zu einer jungen Frau, um die auch ein anderer wirbt. Als ein Bauer unter ungeklärten Umständen ums Leben kommt, eine Scheune lichterloh brennt und der Winter mit ungeheurer Wucht und tödlichen Lawinen über das Dorf hereinbricht, spitzt sich die Situation dramatisch zu. Schreiber gerät unter Mordverdacht und verschwindet spurlos – nur seine Aufzeichnungen bleiben zurück.

Mehr als ein halbes Jahrhundert später reist der Amerikaner John Miller an seinem achtzigsten Geburtstag nach Innsbruck, um im Landesarchiv Schreibers Manuskript und die Unterlagen zu den Vorfällen damals zu sichten. Von seinen eigenen Schatten verfolgt, will er die letzte Chance nutzen, die Wahrheit zu erfahren.

Gerhard Jägers Debüt ist ein sprachgewaltiger Roman um eine unerfüllte Liebe, einen ungeklärten Mord und eine spannende Spurensuche. Über einen jungen Mann, für den eine Recherchereise zur Reise an die Grenzen seiner Persönlichkeit wird, der in den Bergen, in einer Extremsituation zwischen Misstrauen und Paranoia, Leidenschaft und Schaffensrausch, Todesangst und Klaustrophobie sich selbst und fast seinen Verstand verliert. Raffiniert, voller Rhythmus und Poesie erzählt Gerhard Jäger von der Magie, aber auch von der Brutalität eines Ortes, der aus Raum und Zeit gefallen scheint.

Gerhard Jäger: Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod, 400 Seiten, 22,99 Euro.

 

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