Eine Frauengeschichte aus Barcelona

claudia-casademunt

Claudia Casademunt mit ihrer Familie.

„Spaß muss mir die Arbeit machen. Ich will sie mit Leidenschaft füllen.“

Claudia Casademunt

Ich kenne Claudia seit einigen Jahren. Wir hatten uns bei einem Essen mit Unternehmerinnen in Barcelona kennengelernt, zu dem ich eingeladen war. Die gebürtige Hamburgerin hatte gerade ihren Job als Einkaufsleiterin eines Chemieunternehmens gekündigt.  Sie war seit vielen Jahren in der katalanischen Metropole tätig gewesen. Doch der Moment war gekommen. Davor lag ein monatelanger „Beinahe Burn out Prozess“ und mit Hilfe eines Coachings konnte sie schließlich einen Schritt nach vorne machen. „Ich habe es nie bereut.“

„Zwei Monate war ich danach alleine auf Mallorca, um zu überlegen, was ich mit dem Rest meines Lebens denn anfangen soll. Ich wollte nie mehr fremdbestimmt sein. Zu dem Zeitpunkt war ich 52 Jahre alt.“

claudia-1847-web_2In ihrem Job waren ihr immer die Menschen am wichtigsten gewesen, auch andere hatten sie oft um persönliche Gespräche gebeten, um aus verfahrenen Situationen heraus zu kommen. Sie hatte erkannt, dass die ständigen Wechsel und Change Management-Prozesse im Unternehmen für Mitarbeiter und Führungskräfte ein großes Leidenspotenzial mit sich bringen. Diese Erfahrungen waren es, die Claudia für sich nutzen wollte.

„So kam ich über die Ausbildung zum staatlich geprüften Psychologischen Berater zum Executive Coach. Das bedeutete für mich, Führungskräfte, Selbstständige, Künstler und Politiker in Situationen von Änderung und Weiterentwicklung methodisch zu begleiten. Dazu Perspektiven-Wechsel und mentales Aufräumen.  Und immer die Frage im Fokus: Was will ich eigentlich vom Leben und vom Beruf und wie komme ich dorthin?“

Die Mutter von zwei Töchtern hatte ihren Traumjob gefunden.  Denn viele Erlebnisse aus dem früheren Job halfen ihr dabei, sich in die Klienten hineinzuversetzen und mit ihnen den für sie positiven nächsten Schritt heraus zu arbeiten und in die Praxis umzusetzen. Mittlerweile ist sie in Barcelona, Oldenburg, auf Mallorca und in den USA tätig. „Ich bin ständig unterwegs, aber der Job macht mir Spaß und ich genieße es.“

Wichtig für Claudia ist vor allem, dass sie das Coaching überall ausüben kann. Örtlich ist sie nicht gebunden. „Meine Kunden sitzen in Deutschland, Spanien, der Schweiz und in den USA. Es sind sowohl Unternehmen, Verbände wie auch direkte Auftraggeber.“

Claudia lebt in Barcelona und Oldenburg. Ihr Mann Pedro ist in Barcelona geboren. Seit 500 Jahren ist sie die erste Person in seiner Familie, die nicht katalanisch ist. Für ihre Schwiegermutter war das am Anfang ein großes Problem, aber mit der Zeit wurde sie sehr liebevoll in die Familie aufgenommen. Mittlerweile sind Claudia und Pedro seit 42 Jahren verheiratet. Die alte katalanische Familie kommt ursprünglich aus Canoves, einem Dorf rund 40 Kilometer von Barcelona entfernt, im Montseny gelegen. Das frühere Gutshaus „Can Casademunt“ ist heute das Rathaus des Ortes.

Pedro hat beruflich immer mit Lebensmitteln zu tun gehabt und meistens für deutsche Firmen gearbeitet. Für die letzten 20 Jahre war er als Geschäftsführer für eine Kulmbacher Firma tätig. Heute, schon als Rentner, ist er der Firma weiterhin als Berater und in Spanien als Vorsitzender des Aufsichtsrates verbunden. Hinein gewachsen ist er in die Branche durch das Lebensmittelgeschäft seiner Familie in Barcelona, das einst in der Nähe der Sagrada Familia – der Kathedrale – lag, wo er  als Jugendlicher hinter dem Tresen stand. Jeder aus der Familie musste damals mit anpacken. Für Pedro und seine Familie war daher schon immer qualitativ hochwertiges Essen ein Muss. Eher wurde auf andere Dinge verzichtet. Gemüse und Fisch, zwischendurch auch mal Fleisch, kommen immer noch jeden Tag auf den Tisch. Alles wird frisch gekocht.

„Wenn wir in einer fremden Stadt sind und an einem äußerlich attraktiven Restaurant vorbei gehen, schlage ich oft vor, hier essen zu gehen. Oft bekomme ich ein ganz kategorisches Nein mit der Begründung, dass es hier nach altem Öl riecht und er hier nicht hinein gehen will. Womit wir dann also weiter suchen müssen!“  Pedro  sei durchaus kein Einzelfall, gutes Essen gehöre in Barcelona zur Kultur und ist ein großer Teil des sozialen und beruflichen Lebens. Viele wichtigen geschäftlichen Deals werden beim Essen verhandelt und vereinbart.

Vielen Dank, Claudia, für das Interview.

www.claudia-casademunt.com

Fotos: Nicola Mesken (1), privat (1)

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Porträts, Spain abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s