Aus Liebeskummer in die Berge

Sennerin (Large)

Ich mag die Berge, seitdem ich sie als Kind zum ersten Mal sah. Sie vermittelten mir ein Gefühl von Angekommensein, von Majestät, Kraft und Energie. Sie gaben mir Liebe und Vertrauen. Ich mag sie im Sommer wie im Winter. Vielleicht sogar lieber im Winter, wenn ein dichtes Schneekleid die Landschaft so friedlich erscheinen lässt. Ich habe mich oft gefragt, wie es denn ist, da oben zu leben. Nicht nur für ein paar Tage sondern für ein ganzes Leben. Und jetzt bin ich auf dieses bemerkenswerte Buch gestoßen.

Es war Liebeskummer, der sie hinaufziehen ließ, in die Einsamkeit der Berge. Die damals siebzehnjährige Bauerntochter Maria Wiesböck aus Samerberg packte 1941 ihren Rucksack, verließ den väterlichen Bauernhof und stieg auf zur Oberkaser-Alm in den Chiemgauer Alpen. Dort versorgte sie fortan als Sennerin das Vieh und kehrte seitdem nicht einmal in den harten Wintern ins Tal zurück.

Die Biografie der Sennerin vom Geigelstein entführt die Leser auf eine anrührende Weise in die längst untergegangene Welt der traditionellen Alm-Wirtschaft inmitten einer Natur, die sich die meiste Zeit des Jahres lebensfeindlich zeigt. Dieses Leben ist alles andere als ein Idyll gewesen. Es war voller Entbehrungen und bot dennoch jene Geborgenheit, die wir heute Heimat nennen.

Ganz am Anfang steht eine enttäuschte Liebe. Sie bringt die junge Maria Wiesbeck dazu, der Welt zu ent­sagen und ihr Glück auf der Oberkaser-Alm zu suchen.
Die Alm-Wirtschaft wurde Marias Lebensinhalt. Sie lebte einfach und gesund im Einklang mit der Natur ein Leben in Bescheidenheit und Stille. In den Sommermonaten sind die Tage abwechslungsreich und voller Arbeit. Die langen Winter aber, wenn die Hütte zugeschneit ist, sind eine lange, entbehrungsreiche Zeit.

Während die Jahrzehnte ins Land ziehen, sieht die Sennerin die amerikanischen Soldaten eine neue Ordnung bringen. Sie erlebt, wie der Hunger die Menschen zum Wildern treibt und wie der Schmuggel hinüber nach Österreich blüht. Sie muss erkennen, wie das Leben im Tal immer näher rückt. Im Winter kommen die ersten Skifahrer, es werden Wege und Straßen auf die Alm hinauf gebaut, und einige Großkopferte aus München errichten neue Hütten. Schließlich kommen die Wanderer in Scharen und später die Mountainbiker und Paraglider. Und am Ende ihres Lebens kämpft die Oberkasermare, wie sie genannt wird, um das letzte Stück Heimat, das ihr geblieben ist – ihre Hütte und ihr Wohnrecht.

Am 25. Juni 2017 schloss Maria Wiesbeck für immer die Augen. Im Beisein eines Freundes durfte sie dort sterben, wo sie auch ihr gesamtes Leben verbrachte: Auf ihrer Alm.

70 Jahre in den Bergen – was für ein ungewöhnliches und außerordentliches Leben, das die Sennerin vom Geigelstein gelebt hat.

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Christiane Tramitz: Harte Tage, gute Jahre. Die Sennerin vom Geigelstein, 272 Seiten, 16,99 Euro, E-Book: 14,99 Euro.

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Über sl4lifestyle

Journalistin aus Leidenschaft, Tierschützerin mit Hingabe und neugierig auf das Leben. Ich stelle Fragen. Ich suche Antworten. Und ab und zu möchte ich die Welt ein Stückweit besser machen ... Manchmal gelingt es!
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