„Written on Skin“ in der Hamburger Elbphilharmonie

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Was für ein Drama! Das Mahler Chamber Orchestra mit dem Dirigenten Sir George Benjamin im Großen Saal der Elbphilharmonie. Nicht vielen Neukompositionen ist es vergönnt, Teil des Kanons zu werden, statt direkt nach der Uraufführung in der Schublade zu verschwinden.

2012 wurde die Oper erstmals aufgeführt. Ein Klassiker der Moderne wurde geschaffen, den die französische Zeitung Le Monde sogar als beste Oper seit „Wozzeck“ bezeichnete. So weit, so gut. Ich fand es in der Tat sehr anstrengend, die komplexe Handlung über die eingeblendete Bildsprache nachzuvollziehen und verließ mich auf das Zuhören, während meine Freundin recht kurzweilig die Geschichte zusammenfasste.

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Hier eine Annäherung an die Tragödie der Aufführung:

Es ist die Zeit, da Herrscher Sachen, Dörfer und Menschen besitzen, willkürlich töten und brandschatzen. Und der Protagonist besitzt auch eine schöne junge Ehefrau, die nicht lesen und schreiben lernen, keine eigenen Wünsche haben darf. Die Frau ist Besitztum ohne Persönlichkeit.

Der Herrscher möchte seine Heldentaten und seine Geschichte in einem Buch verewigt sehen, zu einer Zeit, da diese noch von Hand geschrieben und illustriert wurden. So kommt ein Buchschreiber und Illustrator in das Haus des Herrschers. Er erzählt, wie er Bilder und Szenen entstehen läßt. Der Herrscher möchte Hölle und Paradies dargestellt bekommen anhand seiner Heldentaten.

Die Ehefrau wird neugierig, denn endlich tut sich etwas in ihrem goldenen Käfig. Sie fordert den Illustrator heraus, ein Bild von einer „wahren Frau“ zu erfinden. Der Illustrator geht darauf ein. Er erschafft ein Bild von der Frau im Dunkeln einer Schmuckschatulle mit ihrem Antlitz und ihren Gefühlen. Die Frau sieht, dass sie das erste Mal wahrgenommen wird, und es entsteht eine erotische Beziehung zwischen ihr und dem Illustrator.

Der Herrscher hört davon, will es aber nicht glauben, dass er betrogen worden sein soll. Daher glaubt er dem Schreiberling, dass dieser keine Affäre mit seiner Frau hat, sondern mit ihrer ähnlich aussehenden Schwester. Als nun wiederum die Frau davon erfährt, dass der Illustrator eine andere Affäre haben soll, wird sie wütend und stellt ihn zur Rede. Der sie liebende Illustrator erklärt, dass er diese Beziehung nur erfunden hat, um sie zu schützen vor dem Groll ihres Mannes. Sie kann ihm nicht glauben, fühlt sich wieder nicht gesehen. So fordert sie den Beweis, er solle ein Bild ihrer Liebe malen, mit dem sie ihren Mann konfrontieren und zerstören will.

So kommt es, dass der Illustrator dem Herrscher seinen fertig gestellten Auftrag vom Paradies und der Hölle  vorstellt. Zunächst eine Seite nur mit Grausamkeiten.  Als der Herrscher ungeduldig nach Abbildungen des Paradieses fragt, entgegnet der Schreiber überrascht, es seien Darstellungen des Paradieses auf der Erde hier, die ihn doch an seine eigene Umgebung erinnern müssten.

Schließlich fängt der  Herrscher an, die Seite über die Hölle zu lesen, in welcher der Schreiberling seine sexuelle Beziehung zu des Herrschers Ehefrau im Detail beschreibt: Ihrer beider Verlangen sowie die gegenseitige Befriedigung – genau so, wie die Ehefrau es sich gewünscht hatte. Der Herrscher bricht daraufhin zusammen.

Noch einmal versucht er, die Ehefrau wieder unter seine Kontrolle zu bringen. Er serviert ihr ein Mahl und befiehlt ihr, davon zu essen.  Nachdem sie etwas gegessen hat, offenbart er ihr, dass es das Herz des Illustrators war. Die Frau bricht aber nicht zusammen, sondern erwidert, dass die Erinnerungen an den Liebhaber ihr keiner mehr nehmen kann. Der Herrscher erreicht dadurch also nicht ihre Unterwerfung. Er will sie nun mit dem Messer umbringen, sie aber kommt ihm zuvor, stürzt sich aus dem Fenster und tötet sich dabei selbst.

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Der Große Saal der Elbphilharmonie beeindruckt durch sein klares minimalistisches Design und die großartige Akustik. Nichts soll von der Aufführung ablenken, die man besucht. Die Konzentration liegt dabei ganz auf der Musik und der Handlung.

Fotos: Daniel Dittus/Elbphilharmonie

Hoteltipp in der Nähe:

Das Hotel Stella Maris liegt direkt im Hafenviertel nahe der U-/S-Bahn-Station „Landungsbrücken“ und bietet somit den perfekten Ausgangspunkt für einen Abend in der Elbphilharmonie. Das maritime und moderne 3-Sterne-Hotel bot seit Mitte der 1950er Jahre Kapitänen, Offizieren, Matrosen und Reisenden als „Seemannsheim“ einen sicheren Hafen Diese Tradition pflegt das Haus auch heute noch. Es liegt im bunten Portugiesenviertel mit seinen Restaurants und Kneipen. Details im Inneren erzählen von der lebhaften Vergangenheit und spiegeln die maritimen Wurzeln wieder. Seemannsgarn und Kunstgenuss, im Stella Maris erlebt der Gast eine perfekte Symbiose.

 

 

 

 

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Über sl4lifestyle

Journalistin aus Leidenschaft, Tierschützerin mit Hingabe und neugierig auf das Leben. Ich stelle Fragen. Ich suche Antworten. Und ab und zu möchte ich die Welt ein Stückweit besser machen ... Manchmal gelingt es!
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