Die Angst der Elefanten

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Kein Bewusstsein für Elefanten im Kaibae Meechai Elephant Camp.

Durch Zufall sah ich im Kaibae Meechai Elephant Camp auf der Insel Ko Chang, Thailand haarsträubende Methoden, wie sich Elefanten zu unterwerfen haben. Es ging dabei sowohl um Baby-Elefanten wie auch um ausgewachsene Elefanten. Schaut Euch die kurzen Ketten an, die in den Boden einbetoniert sind und mit denen die Tiere Tag und Nacht festgehalten werden.

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Schon das Hinsehen schmerzt.

Eine Gruppe asiatischer Touristen war zu Besuch und es ging dabei um Mutproben, sich auf den Boden zu legen und unter einen Elefantenfuß zu begeben. Das alles unter unaufhörlichen Klicken der Smartphones und unter heftigen Gekichere und Gelächter.

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Keine Empathie. Diesen Touristen fehlt es an allem.

Die Aufnahmen habe ich heimlich gemacht. Als man schließlich bemerkte, dass ich fotografierte, musste ich das Camp umgehend verlassen. Auf der Website von www.futureforelephants.org habe ich diese Infos gefunden. Sie schildern in beeindruckender Weise meine Erlebnisse.

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Mutprobe für asiatische Reisende.

Die dunkle Seite des Elephanten-Tourismus

Elefanten zu erleben bedeutet für viele Asien-Reisende ein Highlight. Die ikonischen Dickhäuter faszinieren durch überragende Intelligenz und ein Gefühlsleben, das dem menschlichen ähnelt. Was viele Touristen indes nicht wissen: Auf Elefanten zu reiten, sie Zirkustricks vorführen oder Bilder malen zu lassen ist für die Tiere mit immensen Qualen verbunden. Alle Elefanten in der Unterhaltungsindustrie haben eines gemeinsam: Sie haben als Jungtier die gewalttätige Unterwerfungsprozedur des so genannten Phajaan erlitten.

Dabei werden die Babyelefanten von der Mutter getrennt, in eine enge „crush box“ gefesselt und mit kaum vorstellbarer Brutalität misshandelt und geschlagen. An die traumatische Erfahrung erinnert sich der Elefant sein Leben lang, und befolgt nur deshalb die Kommandos der Mahouts. Dass die lange totgeschwiegene Methode des „crushing the spirit“ – die Seele des Elefanten zu zerbrechen – ans Licht der Öffentlichkeit kam, ist vor allem Lek Chailert zu verdanken. Die international renommierte Elefantenschützerin aus dem Norden Thailands hat nicht nur über 80 Elefanten aus schlimmen Verhältnissen gerettet, sondern auch einen Bewusstseinswandel in Gang gesetzt.

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Die Angst vor dem „Mahout“ ist immer dabei.

Auch deshalb müssen Touristen auf Erlebnisse mit Elefanten keineswegs verzichten. Neuerdings bieten etwa in Thailand immer mehr Camps elefantenfreundliche Programme an, bei denen die Dickhäuter größtmögliche Freiheiten genießen und keinerlei Kommandos befolgen müssen. Bei den Besuchern kommt dies bestens an.

„Wer einmal glückliche Elefanten durch den Dschungel begleitet oder bei einem ausgelassenen Schlammbad beobachtet hat, möchte nie mehr auf geschundenen Tieren sitzen, die mit Eisenhaken kontrolliert werden“, sagt Iris Koch, Vorstandsmitglied bei Future for Elephants e.V. Der junge Verein unterstützt Schutzprojekte in Asien und Afrika.

Nahezu Kultstatus hat inzwischen der von Lek Chailert gegründete Elephant Nature Park (ENP) im Norden Thailands erreicht. In paradiesisch anmutender Umgebung haben neben geretteten Elefanten auch viele andere Tiere ein neues Zuhause gefunden, liebevolle Betreuung inklusive. Das Vorbild-Projekt, das auch den Bewohnern der umliegenden Dörfer viele Vorteile bringt, zieht Besucher und Volunteers aus der ganzen Welt magisch an.

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Dieser Baby-Elefant will nichts mehr als ein bisschen Liebe. Doch das rührt den thailändischen Mahout überhaupt nicht.

Dank der Strahlkraft des ENP stellen immer mehr Elefantencamps in Thailand und anderswo ihr Angebot um – auch in den Touristenhochburgen in Phuket, Koh Samui oder Pattaya. Dennoch heißt es aufgepasst: Nicht alle Camps, die auf den Trend aufspringen, sind tatsächlich elefantenfreundlich. Überall, wo Elefanten geritten werden, Elefantenhaken oder Ketten zum Einsatz kommen, die Elefanten Tricks vorführen oder auf Kommando baden müssen, heißt es: Hände weg. Auch mit Elefanten gemeinsam im Fluss zu baden – wie in manchen Camps angeboten – ist nicht ratsam. Denn auch dabei müssen die Elefanten kontrolliert werden. Sonst wäre die Angelegenheit für menschliche Mitbadende zu gefährlich.

Dieser oben beschriebene „Bewusstseinswandel“ ist auf Ko Chang leider noch nicht angekommen.

 

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Über sl4lifestyle

Journalistin aus Leidenschaft, Tierschützerin mit Hingabe und neugierig auf das Leben. Ich stelle Fragen. Ich suche Antworten. Und ab und zu möchte ich die Welt ein Stückweit besser machen ... Manchmal gelingt es!
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