British Guyana: Jagd auf den Mohrenkaiman

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Ein Baby-Mohrenkaiman.

Es ist Nacht. Langsam gleitet unser Boot mit den Rangern von Caiman House über den Rupununi-Fluss im Herzen British Guyanas. Wir sind mucksmäuschenstill und lauschen den Lauten des Dschungels. Es gibt weder Straßen noch Wege, die einzige Fortbewegungsmöglichkeit ist hier das Boot. An den Ufern blitzt es rot auf. Da ist es wieder, das Augenpaar eines Schwarzen Kaimans (Mohrenkaiman).

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Die Ranger nehmen Kurs auf das unbekannte Ufer, holen den langen Stock mit der Drahtschlinge hervor und stechen zu. Der längliche Kopf wird an die Oberfläche gezogen. Das Tier zappelt im Wasser, schlägt mit seinem langen, kräftigen Schwanz immer wieder in die Fluten bis es nicht mehr kann und total erschöpft in der Schlinge verharrt. Das ist das Zeichen, eine Sandbank zu suchen, die es hier an den Ufern des Dschungelflusses häufig gibt.

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Das Tier wird an Land gehievt, die Schlinge gelockert und das Maul mit den großen Zähnen mit einem Klebeband verschlossen. Ich bin Zuschauerin und kann hautnah miterleben, wie das Krokodil vermessen, nach seinem Geschlecht bestimmt und mit einem Chip getaggt wird, bevor wieder der Fluss und somit die Freiheit ruft. Was für ein Anblick, was für eine Nacht und was für eine Chance, die Wildhüter bei ihrer nächtlichen Arbeit begleiten zu dürfen.

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Der Mohrenkaiman wird immer noch bejagt. Dabei geht es in der Hauptsache nur um die großen Männchen, die wegen ihrer besonders schönen Häute, welche im Gegensatz zu anderen Krokodilen keine kleinen Knochen enthalten, erlegt werden. Die wesentlich kleineren Weibchen ziehen sich allerdings zur Eiablage in abgelegene Seengebiete zurück. Dort wird ihnen kaum nachgestellt. Dadurch konnten sich die Bestände auch immer wieder erholen.

Um die Krokodile zu erhalten und zu schützen arbeiten Ranger schon seit Jahren eng mit der nationalen Naturschutzbehörde zusammen. Ziel ist es, die Population zu analysieren und zu dokumentieren.

Mohrenkaimane leben vor allem im Bereich von großen Flüssen und Seen im Amazonasbecken. Bis zu sechs Meter lang und 300 Kilogramm schwer wird ein männliches Tier, das als größter Räuber im Amazonas-Ökosystem gilt. Angriffe auf Menschen oder größere Haustiere sind jedoch kaum bekannt. Trotzdem bleibe ich im Boot in sicherer Entfernung, nähere mich nur auf der Sandbank dem Reptil und beobachte, wie die Untersuchungen verlaufen und vermerkt werden.

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In die Freiheit entlassen.

Landesinfo:

British Guyana liegt im Norden Südamerikas am Atlantik, eingerahmt von Venezuela, Surinam und Brasilien. Das englischsprachige Land ist im Küstenbereich kulturell stark mit der Karibik verbunden, während man sich im Landesinneren eher in Richtung Amazonasgebiet orientiert. Hier leben auch die Ureinwohner, die Amerindians. Der Staat ist mit nicht einmal 5000 Touristen pro Jahr in der Travellerszene nur wenig bekannt, umso mehr genieße ich die Chance, das Land kennenzulernen.

Darüber hinaus garantiert Guyana noch viele andere außergewöhnliche Erlebnisse. Ob im 183.000 Quadratkilometer großen tropischen Regenwald mit seiner unübertroffenen Pflanzen- und Tierwelt oder mit den Kaieteur Falls, einem der weltweit mächtigsten Wasserfälle. Man setzt auf Öko-Tourismus, und dabei spielen die touristischen Angebote der lokalen Gemeinden eine wichtige Rolle.

Von den nur rund 750.000 Einwohnern leben die meisten in den küstennahen Regionen und belegen dabei nur rund 16 Prozent der gesamten Fläche Guyanas. Die restlichen 84 Prozent sind Natur pur. Letztere kann man besonders gut aus der Perspektive von oben beurteilen, wenn man vom Kleinflugzeug aus direkt auf das unberührte und zusammenhängende Grün des Regenwaldes blickt.

Mit den Kaimanen eröffne ich meine Reihe mit Berichten aus British Guyana. Bleibt dabei, denn spannende Abenteuer erwarten Euch!

Wer selbst nach British Guyana reisen und sich das Naturschutzprojekt rund um den Mohrenkaiman ansehen möchte, bekommt die Gelegenheit dazu in Caiman House, wo es auch Unterkunft und Verpflegung gibt.

www.wilderness-explorers.com (Ansprechpartner: Tony Thorne)

www.guyana-tourism.com

Unterstützt wurde meine Reise von Guyana Tourism.

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Über sl4lifestyle

Journalistin aus Leidenschaft, Tierschützerin mit Hingabe und neugierig auf das Leben. Ich stelle Fragen. Ich suche Antworten. Und ab und zu möchte ich die Welt ein Stückweit besser machen ... Manchmal gelingt es!
Dieser Beitrag wurde unter British Guyana, Reise, Sabine’s world: A travel diary, Tierschutz abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

13 Antworten zu British Guyana: Jagd auf den Mohrenkaiman

  1. antjesoasis schreibt:

    Ein schöner Beitrag. Freue mich mehr über British Guyana zu lesen (-;
    LG Antje

  2. annaoekermann schreibt:

    Wie kam die Idee, dahin zu fliegen ? Natur oder eher das noch nicht durch touris Entdeckte ?

  3. annaoekermann schreibt:

    Ich fliege bald nach Lissabon und freue mich schon riesig !!! Da ist es nämlich jetzt schon sehr warm. Sonst werde ich langsam sesshaft 😅 mit Molly 🐶

  4. annaoekermann schreibt:

    👍👍👍👍 Beach foodies on travel sind die coolsten 😍😍😍

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