Main Insel Bad Ochsenfurt – ein Platz zum Verweilen

DSCF9849 (Large)

Schwimmbäder waren für mich immer Sehnsuchtsziele. Und sie sind es noch. Zum perfekten Sommer gehören endlose Nachmittage im Freibad dazu. Und außerdem ein gutes Buch, eine fast leere Schwimmbahn und eine Freundin zum Plaudern an der Seite. Das sind die Tage, von denen ich im Winter träume. Und sie kommen jedes Jahr zurück, mal früher, mal später.

DSCF9875 (Large)

Fast direkt vor meiner Haustüre liegt das Main Insel Bad im unterfränksichen Ochsenfurt. Direkt am Fluss mit Heckenblick auf die Schiffe. So etwas ist Urlaubsidylle pur.

DSCF9883 (Large)

IMG_9138 (Large)

„Ich arbeite gerne im Freien“, sagt Bademeister Siggi Pregitzer.

„Am liebsten sind mir die Badegäste, die nicht auffallen“, schmunzelt Bademeister Siggi Pregitzer. Also genau die, die zügig ihre Bahnen schwimmen und ein wenig Ruhe auf der Liegewiese suchen. Jugendliche müssen dagegen öfter zur Vernunft gebracht werden. „Einige von ihnen haben zu viel Blödsinn im Kopf. Dazu gehört, dass sie das Wasser auf der Rutsche stauen, durch die Hecken hüpfen oder vom Beckenrand springen“, sagt der 57-Jährige.

Der Bademeisterjob den Sommer über gefällt ihm. „Ich bin gerne im Freien. Außerdem mag ich den Kontakt zu Menschen.“ Wörtlich sogar, denn einmal hat der geprüfte Rettungsschwimmer „einen Gast rausgeholt und wiederbelebt bis der Notarzt kam“. Später hat sich der 72-Jährige bei seinem Retter bedankt. Überhaupt könnten viele Jugendliche nicht schwimmen, bemängelt der gebürtige Auber. „Und bei denen, die es können, lässt der Stil zu wünschen übrig. Die wenigsten schaffen 100 Meter am Stück.“

DSCF9861 (Large)

Für ihn sei es „das schönste Freibad in der Region“. Erst 2014 wurde die Anlage komplett renoviert. Neben einer Liegewiese gibt es insgesamt drei Pools: Das Schwimmerbecken ist 50 Meter lang, hat einen Sprungturm mit einem Ein-  bzw. Drei-Meter Sprungbrett und eine maximale Tiefe von 3,70 Metern. Das große Nichtschwimmerbecken hat eine Rutsche und ist 0,65 bis 1,20 Meter tief. Und für die Kleinen gibt es ein Planschbecken mit einem Rutsch-Elefanten und Sonnensegel.

IMG_9125 (Large)DSCF9877 (Large)DSCF9853 (Large)IMG_9108 (Large)DSCF9891 (Large)

Am Kiosk bedient Anja Budig. „Der Renner sind unsere Pizzen und Salate“, sagt sie. „Und Pommes gehen bei den jungen Gästen natürlich immer.“ Sie kennt ihre Stammgäste, die bei schönem Wetter täglich kommen. Wie Peter Knorz, der ganz früher häufig am Beckenrand saß und den hübschen Mädels nachguckte. „Und wenn er imponieren wollte, hat er vom Dreier einen Salto gemacht“, ergänzt Dieter Endres.

IMG_9109 (Large)IMG_9142 (Large)

Beide sind Ochsenfurter und erinnern sich noch gerne an den ersten Badebetrieb im Sommer 1958. „Damals schwammen wir im Main, und ein Baumstamm hat den Schwimmer- vom Nichtschwimmerbereich abgetrennt. Das war eine klare Linie, die jeder kannte“, betont Endres. Er lacht, als er erzählt, dass die ganz Mutigen früher zu den Schiffen geschwommen und sich hochgezogen haben, um bis ins nahe Frickenhausen als blinde Passagiere mitzufahren.

DSCF9874 (Large)IMG_9121 (Large)DSCF9851 (Large)DSCF9852 (Large)

Dr. Bernhard Zeitz holt sich einen Kaffee. „Das Bad ist tipptopp“, ergänzt er. Ihm gefällt, dass die Liegestühle der Gäste in Holzschuppen sicher verwahrt werden können. „Als ich noch gearbeitet habe, bin ich gerne auf eine Stunde ins Bad gekommen. Halbe Stunde schwimmen, halbe Stunde schlafen“, erinnert er sich.

IMG_9135 (Large)DSCF9867 (Large)DSCF9857 (Large)

Anja Budig holt den Flammkuchen aus dem Ofen. „Der ist ganz neu im Angebot!“ Ihr gefällt besonders die familiäre Atmosphäre im Insel Bad und die Sauberkeit. Ihre drei Kinder sind oft dabei „Meine Kleinen melden sich stündlich einmal bei mir, dann passt das schon!“

Auf ins Schwimmbad nach Ochsenfurt. Für Bernhard, Dieter und Peter ist und bleibt es das Schönste im ganzen Frankenland.

IMG_9149 (Large)

Main Insel Bad
Frickenhäuser Straße 35
97199 Ochsenfurt
Telefon: 09331 2600

Öffnungszeiten von Mai bis September bei Lufttemperaturen über 15 Grad Celsius.

Und hier noch ein paar Lesetipps passend für das Insel Bad!

Ulrike Ratay, Martin Siebmann: Reise durch Mainfranken

Leander Sukov: Schöne kleine Stadt. Ochsenfurter Rundgang. Eine Novelle

Blythe Lucero: Schwimmen – Die 100 besten Übungen

Fotos: Enric Boixadós

Ochsenfurt: Von der Grünsfelder’schen Badeanstalt zum Main Insel Bad

Altes Freibad am Main

Bereits seit ca. 1920 gab es ein Flussbad, das rechtsmainisch, unterhalb – also westlich – der Alten Mainbrücke von dem Fischer und Schiffer Clemens Grünsfelder privat betrieben wurde. In dieser „Grünsfelder’schen Badeanstalt“, die später an die Insel oberhalb der Alten Mainbrücke verlegt wurde, durften ganztags die Erwachsenen baden. Zwischen 14 und 16 Uhr war Einlass für die weibliche, von 16 bis 18 Uhr für die männliche Jugend. 8 Mark kosteten Familiendauerkarten im Jahr 1952. Ein Fährschelch brachte zu dieser Zeit die Badegäste auf die Liegewiese auf der Maininsel. Quelle Foto: Helmut Rienecker

 

 

 

Veröffentlicht unter Sailing, Surfing, Swimming Pools | Verschlagwortet mit , , , , , , | 2 Kommentare

Zu einer Liebe zurückkehren

thumb_DSCF9548_1024

Der Süden klang immer nach Sehnsucht – egal ob man seine Reise mit dem Auto in Berlin begann oder von München aus den Zug nahm. Es war einfach eine Frage des Standorts, aber die Verheißung war stets dieselbe. Man reiste in den Süden, als kehrte man zu einer Liebe zurück.

Mit dieser kleinen Poesie wünsche ich Euch eine schöne Sommerwoche!

 

Veröffentlicht unter Glücksbote | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 1 Kommentar

Kurz nachgebellt: Heute ist Weltblutspendetag, auch für Tiere

DSC_7029b3

In der Tat, wir Vierbeiner sind wichtige Blutspender. Noch nichts davon gehört? Na, dann wird es Zeit!

Blutspender Hund und Katze

Anlässlich des Weltblutspendetags am 14. Juni rät die Stiftung für Tierschutz VIER PFOTEN allen Heimtierhaltern, über eine Blutspende ihrer Tiere nachzudenken. Bluttransfusionen sind in der Humanmedizin hinlänglich bekannt. Doch auch Tiere können vom Blut ihrer Artgenossen abhängig sein.

„Ein hoher Blutverlust und Erkrankungen des Blutes können lebensgefährlich werden. Unfälle, Infektionskrankheiten wie Babesiose, Blutgerinnungsstörungen, Vergiftungen oder große Operationen sind nur einige Faktoren, die eine Bluttransfusion notwendig werden lassen. Hunde und Katzen können ohne weiteres bis zu vier mal im Jahr Blut spenden“, betont Sarah Ross von VIER PFOTEN.

„Ohne die Hilfe der zahlreichen Besitzer von Blutspenderhunden wären wir nicht in der Lage, zu jedem Zeitpunkt lebensrettende Blutkonserven für unsere Patienten vorrätig zu haben“, ergänzt Hendrik Lehmann von der Justus-Liebig Universität Gießen.

Warum sind wir als tierische Blutspender überhaupt so wichtig? Gemäß Aussagen der Justus-Liebig-Universität in Gießen benötigten im Jahr 2016 120 Hunde eine oder mehrere Transfusion von Blutprodukten. Dies zeigt die Notwendigkeit auf, stets auf Spenderblut zurückgreifen zu können. Das Blut bzw. dessen Bestandteile ist nicht ewig haltbar. Die Haltbarkeit der roten Blutkörperchen ist auf 28 bis 36 Tage angegeben. Die flüssigen Bestandteile können tiefgefroren noch ein bis zwei Jahre genutzt werden. Je nach Menge der erfolgten Bluttransfusionen ist es für Kleintierkliniken notwendig, immer wieder Spendertiere „zur Ader“ bzw. „zur Vene“ lassen zu können.

Die Vorteile unserer Blutspende

Eine Blutspende kann das Leben eines Hundes oder einer Katze retten. Blutspenden sind jedoch auch für das Spendertier von Vorteil. Halter erfahren im Rahmen der Voruntersuchung ihres Tieres dessen Blutgruppe und können für den Fall, dass ihr eigenes Tier selbst eine Bluttransfusion benötigt, entsprechend diese wichtige Angaben machen. Im Zusammenhang mit regelmäßigen Blutspenden erfahren Spendertiere entsprechend regelmäßige Gesundheitschecks. Die Kosten werden gewöhnlich von den Tierkliniken übernommen.

Voraussetzungen für unsere Spende

Potenzielle tierische Blutspender müssen diverse Voraussetzungen erfüllen. Die wichtigste davon ist Gesundheit. Das Tier darf selbst nicht medikamentenpflichtig sein und muss regelmäßige Impfungen und Entwurmungen aufweisen können. Hunde, die sich in Ländern mit erhöhtem Aufkommen von Leishmaniose, Babesiose und Ehrlichiose aufgehalten haben, werden in der  Regel in Deutschland nicht als Blutspender zugelassen. Das Gleiche gilt für Tiere, die selbst fremdes Blut erhalten haben. Der geeignete Spender-Hund ist gesund, älter als ein Jahr, zeichnet sich durch sein ruhiges Wesen aus, wiegt mindestens 20 Kilogramm, besser noch über 25 Kilogramm.

Die typische Spender-Katze ist gesund, älter als 1 Jahr und hat ein Körpergewicht von mindestens 4 Kilogramm. Wie der Hund muss sie einen vollständigen Impfstatus haben und regelmäßig entwurmt worden sein. Auch sie muss frei von Krankheiten sein und selbst kein Fremdblut erhalten haben. Bevorzugt werden reine Wohnungskatzen, da bei ihnen die Infektion mit dem feline Leukämievirus (FeLV) und dem felinen Immundefizienzvirus (FIV) ausgeschlossen werden können. Durch zusätzliche Blutschnelltests können Freigängerkatzen getestet werden und ebenfalls spenden.

Welche Blutgruppen dürfen spenden?

Das Blut der Tiere ist wie bei Menschen in Blutgruppen eingeteilt. Von den ca. 8 bis 12 Blutgruppen des Hundes ist insbesondere die Gruppe „DEA (Dog Erythrocyte Antigen) 1.1 negativ“ zur Transfusion geeignet. Bei Katzen sind die Spender im Hinblick auf die Blutgruppen A, B und AB zu wählen. Pro Hund und Katze werden – je nach Gewicht – zwischen 10 bis 15 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht (beim Hund) und 7 bis 10 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht (bei der Katze) Blut abgenommen.

Na, überzeugt? Dann auf zum Blutspenden, uns zuliebe!

Euer Gaston von Wolke 9.

Veröffentlicht unter Kurz nachgebellt | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Ein letztes Mal Adieu sagen

thumb_P2210026_1024

Ich wusste, dass sie sterben muss. Meine Freundin. Letzten August wurde sie nach zahlreichen Untersuchungen ins Krankenhaus eingeliefert. Ich besuchte sie, saß an ihrem Bett, sie sagte mir zum ersten Mal, wie es wirklich um sie steht. Wir beide weinten. Den einzigen Ausweg sah sie in einer endgültigen Reise in die Schweiz. Doch die Familie war dagegen. Nein, keinen Suizid.

Ich hatte ihr aus den vergangenen 27 Jahren Fotoabzüge mitgebracht, die uns auf gemeinsamen Reisen zeigte. Sie war 20 Jahre älter als ich. Wir haben uns 1987 auf Hawaii kennengelernt, in der Küche eines Hostels. Ich glaube, beim gemeinsamen Kartoffelkochen. Wir waren uns auf Anhieb sympathisch und verbrachten die nächsten Tage miteinander. Danach schrieben wir uns Briefe oder telefonierten, die Wienerin und ich. Es gab weder Handys noch E-Mails.

Wir beide hatten den gleichen „free spirit“. Nichts und niemand konnte uns aufhalten, die Welt zu erobern. Das taten wir. Ende der 1980er bis in die 1990er Jahre lernten wir gemeinsam unseren Planeten kennen. „We are travelling the world“, war unser Leitspruch. Niemals eine organisierte Reise, immer auf eigene Faust. Durch Sri Lanka mit Privatchauffeur, auf die Malediven zum Tauchen, nach Südindien ganz spirituell in einen Ashram, nach meinem Master-Abschluss gemeinsam durch die USA, und, und, und … das war Leben! Pura Vida, wie man in Lateinamerika sagt.

Ich studierte noch, sie hatte mittlerweile zu arbeiten aufgehört, um das Leben zu geniessen. Sie erfüllte sich zwei lang gehegte Träume, indem sie Klavierspielen und Spanisch lernte. In den nächsten Jahrzehnten verloren sich unsere Wege nie ganz, doch jede von uns hatte andere Prioritäten: Sie das Reisen, ich baute mir eine Karriere als Journalistin auf. Sie reiste in die entlegensten Flecken unserer Erde, mittlerweile immer ohne Fotoapparat, da sie Bilder knipsen nur von den wirklichen Schönheiten unserer Welt ablenkte. Wenn wir uns sahen, erzählte sie mir ihre neuesten Abenteuer. Und dann, während einer Südafrika-Reise vor eineinhalb Jahren, machte sich der Tumor erstmals bemerkbar. Wahrhaben wollte sie das nicht.

Im Oktober 2016 besuchte ich sie zum letzten Mal in ihrer Wohnung in Wien. Sie hatte bereits eine Rund um die Uhr-Pflege. Nach einer langen Regenperiode war es ein erster schöner Herbsttag. Sie freute sich, und wir gingen in den nahen Türkenschanzpark. Ich fuhr sie im Rollstuhl, laufen konnte sie kaum mehr. Wir saßen den ganzen Nachmittag auf einer Bank in der Spätherbstsonne und redeten. Über die Zeiten damals, die Reisen, die Glücksmomente und das Leben, das seinem Ende entgegen ging.

Warum nicht noch eine letzte Kreuzfahrt machen, mit der Pflegerin, vielleicht auch noch mit einer Ärztin? In die Karibik oder in die Südsee? Noch einmal Bilder sehen für die Ewigkeit, als eine Hommage an das Leben. Warum nicht? Letztendlich war es dann doch nur ein kurzer schöner Traum, der nicht mehr zu verwirklichen war Ich brachte sie nach Hause, vom Bett aus warf sie mir zum letzten Mal eine Kusshand zu. Das war’s. Für immer! Unser letztes Treffen.

Ich sprach sie noch einmal am Telefon Mitte Dezember, kurz bevor ich in mein Sabbatical aufbrach. Danach kommunizierte ich über E-Mails mit ihrer Tochter. Nachdem ich meine Freundin nun nicht mehr telefonisch erreichen konnte, rief ich heute ihre Tochter an. Ihre Mutter sei im April verstorben, sagte sie. Ich hatte im April noch wegen einer neuen Behandlungsmethode gemailt, über die im Fernsehen berichtet wurde. „Für meine Mutter ist es zu spät“, lautete die Antwort. Damals war sie schon seit Tagen tot. Ich wusste nichts davon, zog aus dieser Mitteilung auch keinen Rückschluss. Auf meine Frage nach dem Friedhof hieß es heute, es gäbe kein Grab. Die Asche meiner Freundin ist dem Meer übergeben worden.

Wieder mal ein Fingerzeig des Schicksals! Das Leben genießen, leben, leben, leben. Sonst nichts!

Veröffentlicht unter Reise, Sabine’s world: A travel diary | Verschlagwortet mit , , , , , , | 4 Kommentare

Mitbringsel: Ein Hund aus Äthiopien

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Gastautorin Anne Henrich

Als wir uns das erste Mal begegneten, saß sie in einer kleinen Korbtasche auf einem Tisch – und mir waren nach einer Vielzahl zu benennender Hunde die Namen ausgegangen.

Als das kleine schwarze Fellknäuel mit nur ein paar einzelnen weißen Haaren auch noch aus der Tasche auf den Boden plumpste, war es um mich geschehen.

Vorsichtig sammelte ich die kleine, verwirrte Vierpfote wieder ein und setzte sie in den Korb und nahm sie mit nach Hause. Seitdem trägt sie den klassischen Namen aller schwarzen Katzen: Mohrle.

Mohrle5 (Large)

Inzwischen ist das kleine Hunde-Fellknäuel, das mir damals vor bald 6 Jahren von dem Hof eines Bekannten wie ein kleiner Moses „zugestellt“ wurde, mit mir aus Äthiopien nach Deutschland übergesiedelt.Mohrle4 (Large)

Einfach ist das Einleben für die Hündin immer noch nicht: Ich habe festgestellt, dass dieser kleine Schnauzer-Mix das Herz eines Löwen hat, das schnell mal über die Stränge schlägt – denn nicht jede Mutprobe würde es erfordern, dass sich ein erderschütterndes Grollen bis zum Herzkasper aus der kleinen, schwarzseidigen Fellfreundin ringt, um dann – mit borstig gestelltem Nackenhaar und bis ins weiße verdrehten Augäpfeln – jeden Eindringling im Revier in die Flucht zu schlagen.

Nein, es ist nicht einfach, sie davon zu überzeugen, dass sie sicher ist und jeden Gast ganz relaxt als potentiellen Streichelspender „benutzen“ könnte. Dass Hyänen nicht die Klingel betätigen, und sie beim Fressen nicht die Konkurrenz von Geiern fürchten muss. Aber auch, dass Frischlinge keine Spielkameraden per se sind … Die Sache mit dem Bandwurm führe ich nicht weiter aus.

Mohrle2 (Large)

Jeden Tag gibt mir Mohrle das Gefühl, ein umschwärmter Star zu sein, dem man sich zu Füßen wirft. Ein Blick von mir genügt, dass heftiges Schwanzklopfen einsetzt, die Hündin sich vor mir auf den Rücken rollt und mit ergebener Miene ihr inzwischen doch ganz properes Bäuchlein zur Bearbeitung freigibt. Stehe ich auf, folgt sie mir auf Schritt und Tritt, und guckt auch in der Wohnung, ob ich nicht vielleicht doch in die Toilette gefallen oder in der Rumpelkammer erschlagen worden bin.

Lege ich mich für ein Nickerchen weg, folgt sie mir auch da rennend auf ihr kleines Schaf-Fell neben meinem Bett, beobachtet, ob ich nicht vielleicht doch ein Auge aufhabe – denn dann könnten noch Streicheleinheiten drin sein – und legt sich ansonsten seufzend zum Mittagsschläfchen bereit. Andere Hunde dürfen nicht in meine Nähe – egal, ob sie dreimal so groß sind wie meine Wächterin.

Neben diesen Groupie- und Bodyguard-Eigenschaften, gibt es aber auch die der fürsorglichen Nachtwächterin: Wenn ich nachts nicht schlafen kann, was in letzter Zeit relativ häufig der Fall war, steht Mohrle im Dunkeln auf, kommt an mein Bett, stupft mich mit der nassen Nase, da sie einfach auf die entspannende, beidseitige Wirkung von Streicheleinheiten schwört.

Meist gelingt es mir dann wirklich, wieder einzuschlafen. Ich hätte nie gedacht, dass er auch zwischen Mensch und Hund greift, dieser Satz:

Ein Blick sagt mehr als 1000 Worte.

Mohrle1 (Large)Doch oft habe ich das Gefühl, dass Mohrle Gedanken lesen kann. Dann etwa, wenn ich gerade überlege, mich ohne sie aus der Wohnung zu stehlen (Schräglegen ihres Kopfes, einen bohrenden Hundeblick abschießend) oder wenn ich ein schlechtes Gewissen bekomme, da ich zu lange am Telefon bin (seufzendes Schwanzwedeln, Ohrenschütteln) oder wenn ich probiere, etwas LEISE aus dem Kühlschrank zu nehmen (um-die-Ecke-sausen mit Ausrutschen auf den Fliesen!).

Wir sind beide immer noch dabei, anzukommen. Allerdings glaube ich inzwischen auch, dass uns ein Stück afrikanischer Wildheit eigen bleiben wird und uns immer gegenseitig daran erinnern wird, dass es noch etwas Anderes als das wohlgeordnete, voraussehbare europäische Leben da draußen gibt …

Mohrle3 (Large)

Anne Henrich war von 2007 bis 2012 Entwicklungshelferin in Äthiopien.

Habt Ihr auch Erfahrungen mit dem „Einbürgern“ von Hunden aus dem Ausland?

Veröffentlicht unter Autoren zu Gast/Guest Authors, Ethiopia | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 2 Kommentare

Ethno-Ohrringe aus Benin

OLYMPUS DIGITAL CAMERA(see English version below)

Das sind meine neuen Ethno-Ohrringe, die ich als Geschenk aus Benin, Westafrika bekam. Dazu noch ein Täschchen für meine Schwimmbad-Utensilien. Beides wurde hergestellt in einer Frauen-Kooperative in Cotonou (Atelier de l’Espérance/Les Soeure Salésiennes), die das Ziel hat, Einkommen für sozial Benachteiligte zu schaffen. Die Frauen haben im Rahmen eines Entwicklungshilfeprojektes eine Nähausbildung absolviert. Die Ohrringe sind ein Hingucker, schon wegen der tollen Farbkombination. Dazu trage ich ein simples Outfit. Zum Beispiel ein einfaches schwarzes T-Shirt, eine dunkelblaue Jeans und Sandalen. Und meine Lieblings-Sonnenbrille von Prada.

Ethno earrings are here for the summer. I got them as a present from Benin, West Africa, together with a purse made of traditional material. They were both fabricated in a women’s cooperative (Atelier de l’Espérance/Les Soeure Salésiennes, Cotonou). It is a development project with the aim to support women in need. This exotic items will elevate my favorite summer looks and will definitely have heads turning. There are so many ways to wear those Ethno earrings no matter what your style is. Personally, I would keep everything I wear understated and minimalistic to keep the focus on my earrings. For a simple daytime look I would just throw on a basic T-Shirt, blue Jeans, my prefered classic PRADA sunglasses and a pair of slides.

 

Veröffentlicht unter Benin, Mode | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 2 Kommentare

An die große Liebe glauben

715_8187 (Large)

Die Dirndl Marie kann sogar jodeln.

Sind wir doch mal ehrlich? Wir alle glauben an die große Liebe, die ganz große! Einige von uns haben sie gefunden, andere suchen sie noch. Denn was wäre das Leben ohne Liebe? Und heutzutage scheint es ganz einfach zu sein, diesem ganz großen Gefühl auch zu begegnen. Einfacher zumindest als in den grauen Vorzeiten, wo unsereins noch nicht digital war und wir noch in die Disco oder ins Eiscafé mussten, um hoffentlich den Mann fürs Leben kennenzulernen.

Aber heute, endlich, gibt es das Internet-Dating. Plattformen, die nur das eine wollen: Uns glücklich machen. Und wer kann das besser darstellen als Schauspielerin Brigitte Obermeier in ihrem Theater Sommerhaus in Sommerhausen.

715_8507 (Large)

Mitten drin in den Abgründen des Internet-Datings.

„Lust auf F … .n?“ heißt das gute Stück, in dem es ums Anbandeln geht. Ums Anbandeln auf einen dieser ganz bekannten Partnerschaftsbörsen, von der jede von uns schon mal gehört hat. Insgesamt sind es 12 Frauenpersönlichkeiten, die die Protagonistin vorstellt, mit der Hoffnung, damit den ganz großen Fang zu machen. Denn mit den offline-Bekanntschaften hat es bis jetzt auch bei ihr nicht geklappt.

Sweet Sweet Kiss ist das unbedarfte Partygirl, mit der man seinen Spaß haben kann. Die Dirndl Marie will ein gestandenes Mannsbild, möglichst einen Jäger oder Landwirt, den sie bekochen, verwöhnen und ganz viele Kinder schenken kann.

Lavendelrausch verkörpert die romantische Lyrikerin, die von Rapsfeldern träumt und Hermann Hesse liebt. Lauf-Lisa will nur Männer mit Muskeln. Die quirlige Rennmaus ist ein Adrenalinjunkie und fiebert immer dem nächsten Marathon entgegen. Amaryllis dagegen, die abgedrehte Esoterikerin, mag Wolken und eine sommerliche Blumenwiese, auf der sie sich am allerliebsten mit einem charmanten Mann tummeln will.

Kerstin dagegen langweilt sich, immer und über alles. Nicht mal das TV-Programm bietet ihr noch Abwechslung. Sie sucht keine Fernbeziehung, dafür aber jemanden, mit dem man vor dem Fernseher Händchen halten kann. Wenn möglichst sollte er auch kochen und backen können.

Hinter Jede Minute Wir steckt eine süßliche Klette, die nur an Symbiose und Verschmelzung interessiert ist. Dazu gehören gemeinsame Brettspiele ebenso wie zusammen Kochen und Tanzen. Kobold, die lustige Provokante, macht gern Sex, betont aber, dass sie keine Schwaben mag.

715_8566 (Large)

Kobold mag keine Schwaben.

Belle de Jour ist eine depressive Ästhetin, die die römischen Bachmann-Tagebücher liest, um nicht zu verzweifeln oder sich ein Louis Vuitton-Bag kaufen muss, um nicht zu sterben. Gänseblume dagegen ist ganz bieder. Nach einer großen Enttäuschung sucht sie ein neues Glück. Aber bitte keine Liebschaften! Gemeinsam mit ihren 2 Katzen und 2 Hamstern möchte sie Zärtlichkeit und natürlich – wie alle anderen auch – die wahre Liebe finden.

715_8053 (Large)

Auf der Suche nach der großen Liebe.

Die Antworten der unterschiedlichen Männer kommen aus dem Off und entsprechen den Abgründen des Internet-Datings. Da geht es um pure Lust, reinen Sex oder den ganz banalen Wunsch nach der Richtigen und natürlich um Karsten, der sich pausenlos durch den Schnee kämpft, um zur Arbeit zu kommen. Es sind halt richtige Kerle, die da schreiben und ihr Glück versuchen.

Das Ende ist verblüffend und wird hier auch nicht verraten.

Die nächste Vorstellung von „Lust auf F … .n?“ ist am 23. Juni 2017. Also, unbedingt vormerken! Übrigens, ein Abstecher ins Künstlerdorf Sommerhausen bei Würzburg lohnt sich immer. Denn hier gibt es neben besonderen Theatervorstellungen auch einige der besten Weine, die Franken zu bieten hat.

Lesetipp! Amaryllis26: Lust auf Fikken?, 9,99 Euro, Kindle-Edition: 9,99 Euro.

Meine Buchbesprechung auf sl4lifestyle hier!

Fotos: Mascha Obermeier

Veröffentlicht unter Literatur, Musik, sl4lifestyle empfiehlt ... | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 1 Kommentar