La Dolce Vita

Es gibt kein Ende. Es gibt keinen Anfang. Es gibt nur die unendliche Leidenschaft des Lebens. 

Federico Fellini

Costa Smeralda, Sardinien, 1965

Advertisements
Veröffentlicht unter Notabene | 27 Kommentare

„Written on Skin“ in der Hamburger Elbphilharmonie

181110_mahler_chamber_orchestra_c_daniel_dittus_05 (Large)

Was für ein Drama! Das Mahler Chamber Orchestra mit dem Dirigenten Sir George Benjamin im Großen Saal der Elbphilharmonie. Nicht vielen Neukompositionen ist es vergönnt, Teil des Kanons zu werden, statt direkt nach der Uraufführung in der Schublade zu verschwinden.

2012 wurde die Oper erstmals aufgeführt. Ein Klassiker der Moderne wurde geschaffen, den die französische Zeitung Le Monde sogar als beste Oper seit „Wozzeck“ bezeichnete. So weit, so gut. Ich fand es in der Tat sehr anstrengend, die komplexe Handlung über die eingeblendete Bildsprache nachzuvollziehen und verließ mich auf das Zuhören, während meine Freundin recht kurzweilig die Geschichte zusammenfasste.

181110_mahler_chamber_orchestra_c_daniel_dittus_14 (Large)

Hier eine Annäherung an die Tragödie der Aufführung:

Es ist die Zeit, da Herrscher Sachen, Dörfer und Menschen besitzen, willkürlich töten und brandschatzen. Und der Protagonist besitzt auch eine schöne junge Ehefrau, die nicht lesen und schreiben lernen, keine eigenen Wünsche haben darf. Die Frau ist Besitztum ohne Persönlichkeit.

Der Herrscher möchte seine Heldentaten und seine Geschichte in einem Buch verewigt sehen, zu einer Zeit, da diese noch von Hand geschrieben und illustriert wurden. So kommt ein Buchschreiber und Illustrator in das Haus des Herrschers. Er erzählt, wie er Bilder und Szenen entstehen läßt. Der Herrscher möchte Hölle und Paradies dargestellt bekommen anhand seiner Heldentaten.

Die Ehefrau wird neugierig, denn endlich tut sich etwas in ihrem goldenen Käfig. Sie fordert den Illustrator heraus, ein Bild von einer „wahren Frau“ zu erfinden. Der Illustrator geht darauf ein. Er erschafft ein Bild von der Frau im Dunkeln einer Schmuckschatulle mit ihrem Antlitz und ihren Gefühlen. Die Frau sieht, dass sie das erste Mal wahrgenommen wird, und es entsteht eine erotische Beziehung zwischen ihr und dem Illustrator.

Der Herrscher hört davon, will es aber nicht glauben, dass er betrogen worden sein soll. Daher glaubt er dem Schreiberling, dass dieser keine Affäre mit seiner Frau hat, sondern mit ihrer ähnlich aussehenden Schwester. Als nun wiederum die Frau davon erfährt, dass der Illustrator eine andere Affäre haben soll, wird sie wütend und stellt ihn zur Rede. Der sie liebende Illustrator erklärt, dass er diese Beziehung nur erfunden hat, um sie zu schützen vor dem Groll ihres Mannes. Sie kann ihm nicht glauben, fühlt sich wieder nicht gesehen. So fordert sie den Beweis, er solle ein Bild ihrer Liebe malen, mit dem sie ihren Mann konfrontieren und zerstören will.

So kommt es, dass der Illustrator dem Herrscher seinen fertig gestellten Auftrag vom Paradies und der Hölle  vorstellt. Zunächst eine Seite nur mit Grausamkeiten.  Als der Herrscher ungeduldig nach Abbildungen des Paradieses fragt, entgegnet der Schreiber überrascht, es seien Darstellungen des Paradieses auf der Erde hier, die ihn doch an seine eigene Umgebung erinnern müssten.

Schließlich fängt der  Herrscher an, die Seite über die Hölle zu lesen, in welcher der Schreiberling seine sexuelle Beziehung zu des Herrschers Ehefrau im Detail beschreibt: Ihrer beider Verlangen sowie die gegenseitige Befriedigung – genau so, wie die Ehefrau es sich gewünscht hatte. Der Herrscher bricht daraufhin zusammen.

Noch einmal versucht er, die Ehefrau wieder unter seine Kontrolle zu bringen. Er serviert ihr ein Mahl und befiehlt ihr, davon zu essen.  Nachdem sie etwas gegessen hat, offenbart er ihr, dass es das Herz des Illustrators war. Die Frau bricht aber nicht zusammen, sondern erwidert, dass die Erinnerungen an den Liebhaber ihr keiner mehr nehmen kann. Der Herrscher erreicht dadurch also nicht ihre Unterwerfung. Er will sie nun mit dem Messer umbringen, sie aber kommt ihm zuvor, stürzt sich aus dem Fenster und tötet sich dabei selbst.

181110_mahler_chamber_orchestra_c_daniel_dittus_15 (Large)

Der Große Saal der Elbphilharmonie beeindruckt durch sein klares minimalistisches Design und die großartige Akustik. Nichts soll von der Aufführung ablenken, die man besucht. Die Konzentration liegt dabei ganz auf der Musik und der Handlung.

Fotos: Daniel Dittus/Elbphilharmonie

Hoteltipp in der Nähe:

Das Hotel Stella Maris liegt direkt im Hafenviertel nahe der U-/S-Bahn-Station „Landungsbrücken“ und bietet somit den perfekten Ausgangspunkt für einen Abend in der Elbphilharmonie. Das maritime und moderne 3-Sterne-Hotel bot seit Mitte der 1950er Jahre Kapitänen, Offizieren, Matrosen und Reisenden als „Seemannsheim“ einen sicheren Hafen Diese Tradition pflegt das Haus auch heute noch. Es liegt im bunten Portugiesenviertel mit seinen Restaurants und Kneipen. Details im Inneren erzählen von der lebhaften Vergangenheit und spiegeln die maritimen Wurzeln wieder. Seemannsgarn und Kunstgenuss, im Stella Maris erlebt der Gast eine perfekte Symbiose.

 

 

 

 

Veröffentlicht unter Musik | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Im Basar von Zestaponi

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Im Oktober 2018 war ich als Wahlbeobachterin für die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) bei den Präsidentschaftswahlen in Georgien dabei. Mein Einsatzgebiet war die Gegend um Zestaponi. Das liegt im Westen des Landes.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Klar, dass ich kurz vor meiner Abreise auch dem Basar im Stadtzentrum einen Besuch abgestattet habe. Hier kann man Gemüse, Obst und alles weitere direkt von georgischen Bauern kaufen. Ein paar visuelle Impressionen nach meinen Einkäufen habe ich Euch mitgebracht.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Veröffentlicht unter Georgia, Reise, Sabine’s world: A travel diary, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

Klein, aber fein

Mansfield (Large)

Eigentlich war ich auf der Suche nach einem Kochbuch für meine Freundin. Dann begegnete mir in den Regalen meiner Buchhandlung ein Bändchen von Manesse. Darin ging es um das Leben der neuseeländischen Literatin Katherine Mansfield. Bis dato hatte ich noch nichts von ihr gehört. Zeit also, mal zu recherchieren. Was ich erfuhr, machte mich neugierig auf das Werk. Das möchte ich Euch nun gerne heute am Lese-Donnerstag in Kurzform präsentieren:

Katherine Mansfields Tagebücher gewähren Einblick in ein bei aller Kürze überreiches Leben: Überreich an Hochgefühlen und Selbstzweifeln, überreich an musischen Begabungen, Liebeswagnissen, Dramen und Schicksalsschlägen. Die Auswahl reicht von den Herzensergüssen der zwölfjährigen Neuseeländerin Kathleen Beauchamp bis hin zur brillanten Tagebuchprosa der gereiften Schriftstellerin von Weltrang, einer Frau mit eigenem Kopf, stark, unsentimental, klug, impulsiv und sensibel.

Doch die Notizen verraten auch, dass ihr Schaffen bitteren körperlichen und seelischen Leiden abgerungen ist. Keine Autorin der Moderne formulierte übermütiger, scharfzüngiger, vitaler und keine hatte zugleich mehr mit den Nöten der menschlichen Existenz zu kämpfen als sie. Sich nicht auf Rollen und Erwartungen festlegen lassen, nicht als Künstlerin, nicht als Tochter, Schwester, Freundin, generell nicht als Frau – das war ihre ganz besondere Leistung, die sie bis heute zur Ikone moderner Weiblichkeit macht.

Auch ihre Bio ist überaus interessant, wenn auch sehr tragisch:

Katherine Mansfield (1888 – 1923), aufgewachsen in der Kolonialwelt Neuseelands zwischen Maori-Bräuchen und Cellospiel, beginnt schon im Mädchenalter zu schreiben, entflieht, kaum volljährig, ihrer Familie nach London, wird schwanger, erleidet in Bad Wörishofen eine Fehlgeburt, wird zum Star der jungen Literaturszene und stirbt mit nur 34 Jahren in Fontainebleau. Ihr schmales Werk zählt zur modernen Weltliteratur.

Katherine Mansfield: Fliegen, Tanzen, Wirbeln, Beben. Vignetten eines Frauenlebens. Mit einem Essay von Virginia Woolf, 384 Seiten, 22 Euro

Veröffentlicht unter Literatur, New Zealand | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

A present from India

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

I got a wonderful present from my Indian colleague Jagpreet. I found it on my desk when I returned from travelling. Very touching is the story behind it:

„Those earrings I specially bought from a lady, who sell them handmade in the market.OLYMPUS DIGITAL CAMERA Most of the time I buy some artificial jewellery from her and during my many visits, I asked her one day about her life and her family. She told me that she creates jewellery with some other ladies in order to earn income for their families.

Her husband gets always drunk and is never spending some money for the family. So it is this lady who has to earn something to run her family. She has a daughter who also helps her to make this, but she said, this income is not sufficient to maintain the family. But she continues to sell those pieces. 

So, most of the time I buy earrings from her because I like her spirit. She looks very motivated and I told her that this time I am buying them for my German colleagues. When she listened to this, she was so happy and excited.“

Jagpreet

Veröffentlicht unter India, Reise, Sabine’s world: A travel diary | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Die Suche nach den Schattenseiten des Lebens

buchcoverIch kenne den Journalisten Till Mayer von einer gemeinsamen Vortragsreihe bei einer Zeitung. Seitdem verfolge ich seine Reportagen mit großem Interesse. Till Mayer arbeitet in Kriegs- und Krisenländern als Reporter. Insoweit ähneln sich unsere Berufe.

„Till Mayers Fotos zeigen Kinderaugen, die so ernst blicken wie Erwachsene. Die Kinder haben Angehörige sterben sehen, hungern, sind Opfer von Konflikten, die nicht nur sie nicht verstehen“, schreibt Professor Markus Behmer in seinem Vorwort zu Mayers Buch „Dunkle Welten“.

DunkleReisen_Buch_20180807 (verschoben) 1

Es sei ein Geschenk seines Berufes, Menschen in allen Winkeln der Welt zu treffen, die ihm ihre Geschichte geben. Oft, sehr oft, sind es dunkle Erzählungen, die durch Mayers Reportagen taghell werden. Immer im Blick hat er die Ärmsten der Armen, diejenigen, die keine Gerechtigkeit erfahren, sie nie erfahren haben. Ihnen gibt er durch seine Texte eine Stimme.

DunkleReisen_Buch_20180807 (verschoben) 2

Mayer erkennt Kalaschnikows am Ton, am Hämmern, genauso wie die Stimmen von Menschen, denen alles genommen wurde: Die Heimat, Familie, Freunde und Körperteile. All denen gibt der Journalist seine Stimme. Durch seine Reportagen, die wirken und beeindrucken und jetzt auch durch sein neues Buch. Was würde zu den Dunklen Reisen, die er beschreibt, besser passen als Fotos in Schwarzweiß?
DunkleReisen_Buch_20180807 (verschoben)DunkleReisen_TschechischeRepublik

Ein Buch, das neugierig macht, und ein Autor, der sich in den Randzonen des Lebens bewegt. Einfach, um davon zu erzählen. Lesenswert!

DunkleReisen_Buch_20180807 (verschoben) (1)

Till Mayer: Dunkle Reisen, 128 Seiten, 15 Euro.

Veröffentlicht unter Literatur | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

Being a hippie or just an instant in our memories

hippie 2 001Hippie 1 001

I love those pics because they remind me of the hippie times in my life. It was back in the 80s and we went for a photo picnic to the Swiss mountains. We found a nice place at the edge of a cliff and we wore more or less nothing. At this time we liked being nude. It gave us this kind of freedom we never had before or afterwards. Now it is just an instant in the timeline of our memories.

Veröffentlicht unter Einmal im Leben sollte man ... | Verschlagwortet mit , , , , | 1 Kommentar

Wenn die eigene Familie nervt

Dieser Schmerz ist nicht meiner von Mark Wolynn

Von Gastautorin Andrea Müller

Andrea MüllerIch möchte euch heute ein sehr interessantes und hilfreiches Buch vorstellen, für alle, die sich tiefer mit dem Erbe ihrer Familiengeschichte beschäftigen wollen. Ich hatte mich vor einiger Zeit mit diesem Thema beschäftigt, Auslöser waren eigene Beobachtungen bezüglich meiner Beziehungsmuster,  für die ich eine umfassendere Erklärung und Lösung suchte.

Schicksalsschläge, wie unverarbeitete Kriegserlebnisse, Unfälle, frühe Trennung von den Eltern, selbst verschwiegene Familiengeschehnisse können von einer Generation an die nächste weitergegeben werden. So leiden manche Menschen an unerklärlicher Traurigkeit, Ängsten oder nicht erklärbaren Schmerzen. Andere schaffen es nicht, ihr Potenzial zu leben und stehen immer wieder vor großen Hürden. Die Ursachen können in der Familiengeschichte liegen.

Gutgeschrieben und leicht verständlich erklärt dieses Buch die neurobiologischen Grundlagen zur Entstehung von Traumata. Dazu hat Mark Wolynn einen einzigartigen Ansatz entwickelt, alte belastende Muster loszuwerden und wieder in die eigene Kraft zu kommen. Er bietet durch praktische Übungen und Fragebögen eine Methode an, mit deren Hilfe es möglich ist herauszufinden, welches emotionale Erbe unserer Vorfahren wir in uns tragen. Verstrickungen mit den Eltern oder anderen können bewusst gemacht und durch heilende Sätze und innere Bilder aufgelöst werden.

Der Autor ist führender Experte auf dem Gebiet transgenerationaler Traumata. Er behandelt Menschen, die auf Grund vererbter Familientraumata an Depressionen, Angstzuständen, Panikattacken und chronischen Schmerzen leiden. Er ist Gründer und Direktor des Family Constellation Instituts in San Francisco.

Mark Wolynn: Dies ist nicht mein Schmerz, 300 Seiten, 18 Euro (Original: „It didn’t start with you“, 2016)

Wie geht Ihr mit einer Euch nervenden Familiengeschichte um?

Veröffentlicht unter Autoren zu Gast/Guest Authors, Literatur | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen