La Dolce Vita

Es gibt kein Ende. Es gibt keinen Anfang. Es gibt nur die unendliche Leidenschaft des Lebens. 

Federico Fellini

Costa Smeralda, Sardinien, 1965

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Da Mariella: Confettura di Nespole

DALL’ ITALIA CON AMORE

Cover

FROM ITALY WITH LOVE

Questa confettura difficile da reperire in commercio si può facilmente preparare in casa, soprattutto nel periodo che va da marzo a giugno in cui questo frutto matura e viene raccolto. Questa ricetta la consiglio soprattutto a chi ha un albero di nespole! Ricche di sostanze benefiche, le nespole venivano considerate nell’antichità una sorta di medicinale grazie alle proprietà diuretiche e drenanti. Poco calorica, la nespola è ricca di vitamina C ed ha un notevole potere saziante. Per realizzare la confettura di nespole acquistate dei frutti il più possibile freschi, maturi ma con la buccia intatta e liscia. Fate attenzione, una volta acquistate, le nespole tendono a deteriorarsi in fretta. A seconda di quanto fruttosio contengono le nespole a vostra disposizione potrete variare la dose di zucchero, prestate attenzione però la quantità non deve mai scendere sotto al 40% del peso della frutta.

COME STERILIZZARE I BARATTOLI

Prima di realizzare le confetture, o comunque qualsiasi tipo di conserva, bisogna sterilizzare i barattoli in vetro ed i coperchi. Possiamo comprare dei barattoli specifici per le conserve o riciclare dei vecchi barattoli di sughi o marmellate; i barattoli in vetro sono riutilizzabili all’infinito! I coperchi con capsula per sotto vuoto sono però monouso e da sostituire ogni volta che si vuole fare una nuova conserva. In una pentola capiente adagiamo sul fondo uno strofinaccio, posizioniamo i barattoli e i coperchi, quindi riempiamo con acqua fino a ricoprirli del tutto. Mettiamo la pentola sul fuoco e dal momento del bollore facciamo passare 15 minuti. Il canovaccio che abbiamo sistemato nella pentola eviterà che i barattoli si rompano durante la bollitura. Passati i 15 minuti di bollitura, aiutandoci con una pinza per non scottarci, rimuoviamo dall’acqua i barattoli e i coperchi e mettiamoli su uno strofinaccio pulito ad asciugare. Prima di utilizzarli aspettiamo che siano completamente asciutti. I barattoli e i coperchi sono adesso sterilizzati e pronti per le nostre conserve! Un altro metodo di sterilizzazione è mediante il forno. Mettiamo i barattoli in forno preriscaldato a 130 gradi per circa 30 minuti. I coperchi utilizziamoli sempre nuovi, non occorre sterilizzarli. Passata la mezz’ora di „cottura“ in forno lasciamo raffreddare i barattoli, e finalmente sono pronti per essere utilizzati! I due metodi di sterilizzazione che ho descritto sono equivalenti, quindi valutiamo qual è il più adatto alle nostre esigenze.

ATTREZZATURA UTILE

Per cuocere le confetture è consigliabile usare pentole in acciaio dai bordi alti, per evitare spruzzi e straboccamenti durante la cottura. Per trasferire la confettura dalla pentola ai vasetti usiamo un mestolo e un imbuto per conserve. Gli imbuti per conserve sono venduti per pochi euro in tutti i negozi di casalinghi. Se non riusciamo a trovarli, possiamo usare un classico imbuto tagliando però il beccuccio finale. In ogni caso, quando riempiamo i barattoli, è importante non sporcare i bordi, perché durante la conservazione potrebbero crearsi delle muffe. Ora che sappiamo come sterilizzare i barattoli e quali sono gli attrezzi necessari per fare le confetture, non ci rimane che cucinare!

Ingredienti

Ingredienti


INGREDIENTI:

1 kg di Nespole già pulite

400 gr di zucchero

succo di un limone

PREPARAZIONE:

Aprite a metà le nespole e privatele del nocciolo mettendole man mano in una ciotola (Foto 1 e 2).
Aggiungete lo zucchero, io ho usato quello di canna, ma anche quello bianco semolato va benissimo (Foto 3).
Aggiungete il succo di un limone (Foto 4).
Amalgamate il tutto e lasciate riposare in frigo per qualche ora (Foto 5).
Trasferitele ora in una pentola di acciaio capiente e, mescolando di tanto in tanto, cuocetele a fiamma bassa per circa 1 ora (Foto 6).
A questo punto frullate con un mixer ad immersione fino a raggiungere la consistenza desiderata (Foto 7).
Versate ora la marmellata nei vasetti sterilizzati (Foto 8).
Avvitate i coperchi e capovolgete fino al totale raffreddamento.

La vostra marmellata di nespole è pronta per essere riposta in dispensa!

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Alpines Ausnahmetalent

Sein Leben fuer die Berge von David Lama

„Die Schönheit des Kletterns ist der Wert, der alles bestimmt.“

 David Lama

Vor über einem Jahr las ich in den Medien von seinem Tod. Ein junger Bergsteiger, ein Ausnahmetalent, ein Genie. Kaum einer konnte die Steilwände so perfekt hinauf klettern wie er. Doch er musste seinen Preis zahlen. Manchmal geht so ein Leben gut, oft aber auch nicht. Er wusste von seinem Risiko. Und er hat es in Kauf genommen. Manche riskieren alles, manche nichts. Kommt auf jeden selbst an. Vorurteilsfrei.

Alpen, Himalaya, Patagonien. Felswände, die noch keiner durchstiegen hat. Es sind nicht nur seine Erfolge und Erstbegehungen, die ihn unvergesslich machen. David Lama hat das Klettern und den Alpinismus der vergangenen zwei Jahrzehnte geprägt wie kaum ein anderer. Letztes Jahr verunglückte er tödlich.

Am 16. April 2019 starben David Lama, Hansjörg Auer und Jess Roskelley bei einem Lawinenabgang nach der Besteigung des Howse Peak im Banff-Nationalpark, Kanada. David Lama, 1990 als Sohn einer Österreicherin und eines nepalesischen Bergführers in Innsbruck geboren, war der geborene Alpinist. Die Entwicklung des Klettersports ist eng mit seinem Namen verbunden.  Zum Jahrestag des Unglücks in den kanadischen Rocky Mountains erschien am 14. April 2020 ein Band, der seine beiden Bücher und die besten Texte des Ausnahmesportlers vereint. Aus ihnen sprechen seine Unbeirrbarkeit, sein Mut, seine Umsicht und vor allem seine unbeschreibliche Lebensfreude. Seine Texte zeigen David Lama, wie er dachte, wie er handelte – wie er war.

David Lama: Sein Leben für die Berge. Von ihm selbst erzählt. Die Bücher HIGH und FREE sowie ausgewählte Texte, 460 Seiten, 26 Euro.

 

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Der Virus und das Schuppentier – eine Annäherung

 

0220-Lee-© Save Vietnams Wildlife

Lee hat noch einmal Glück gehabt.

Der kleine Lee war eigentlich für den Kochtopf bestimmt. Doch er hat überlebt. Dank der Tierschützer, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den Wildtierhandel einzudämmen und Wesen wie Lee das Leben zu retten.

Schuppentiere werden als Überträger des Corona-Virus genannt. Die Tierart steht damit im plötzlichen Rampenlicht, doch nicht aus dem eigentlich entscheidenden Grund.

Denn Schuppentiere benötigen unsere Aufmerksamkeit – Grund dafür ist aber weniger das neuartige Coronavirus als die Gefährdung der Tiere durch den illegalen Wildtierhandel. Dieses Dossier der Welttierschutzgesellschaft e. V. (WTG) gibt einen Überblick, wie das Schuppentier in den Verdacht geriet, Zwischenwirt des Virus zu sein, wie der wissenschaftliche Stand dazu ist, wie der illegale Wildtierhandel den Tieren unsägliches Leid zufügt, wie Tierschützerinnen und Tierschützer dem entgegenwirken und welche Folgen Covid-19 für die Zukunft der Tiere haben könnte.

Schon kurz nach Beginn der Coronakrise kam es zu den ersten Veröffentlichungen auf virologischen Fachportalen, die eine Ähnlichkeit zwischen dem neuartigen Coronavirus und bei Schuppentieren entdeckten Coronaviren feststellten. Seitdem hat der mediale Fokus auf Schuppentiere nicht abgenommen. In einigen deutschsprachigen Medien klang es sogar so, als sei der Zusammenhang zwischen Sars-CoV-2 und Schuppentieren bereits eindeutig belegt: Die Tiere seien als Zwischenwirt identifiziert, es habe also ein vermutlich durch eine Fledermaus infiziertes Schuppentier das Virus auf den Menschen übertragen. (Aktuell ist dies auch im Zuge des neuen Corona-Ausbruchs in Peking wieder vermehrt zu lesen.)

Dieser Schluss war jedoch voreilig: Mittlerweile überwiegen die Zweifel an der Schuppentier-Hypothese im wissenschaftlichen Diskurs.

Wie sehr dieser ursprüngliche Verdacht trotzdem für Furore gesorgt hat, zeigen das gewachsene Interesse am Tier, aber auch Beiträge wie jener der Weltbank, der von einem „Schuppentier-Effekt“ spricht: In einem Tier – das Schuppentier wird als Beispiel herangezogen – schlummere ein gefährliches Virus, das den Menschen befallen könne. Die Wahrscheinlichkeit für diesen Übertragungsweg war aber lange Zeit nur verschwindend gering, da sich Mensch und Wildtier in der Regel gar nicht begegneten. Erst durch den in den letzten Jahrzehnten zunehmenden illegalen Wildtierhandel ist diese Barriere verschwunden und eine Übertragung von Viren, darunter auch sehr gefährlichen, möglich geworden.

Tritt dieser Fall ein, kann in vernetzten globalen Gesellschaften binnen Wochen eine weltweite Verbreitung geschehen – eine Pandemie entsteht. All das ist bereits aus vielen früheren Beispielen wie Ebola, HIV oder Affenpocken bekannt, die wie Covid-19 eine von Tieren auf Menschen übertragene Viruserkrankung sind: eine so genannte virale Zoonose, die in Zusammenhang mit dem Verzehr und Handel von Wildtieren aufgetreten ist. Der Mechanismus der Übertragung ist im Artikel der Weltbank somit zwar treffend beschrieben, doch ist das Schuppentier vermutlich das falsche Symboltier.

Schuppentiere und Sars-CoV-2 – der aktuelle Stand der Wissenschaft

Seit Beginn der Pandemie sind verschiedene Studienergebnisse erschienen, die – ausgehend vom genetischen Schlüssel des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 – Übereinstimmungen zum Erbgut tierischer Coronaviren suchten. Der einzige Konsens, der sich bislang in der Wissenschaft gebildet hat, ist der bereits erwähnte sehr wahrscheinliche tierische Ursprung des Virus. Vermutlich sind es Fledermäuse, die die ursprüngliche Version des Virus in sich tragen. Welche Fledermausart es genau ist, steht allerdings genauso wenig fest wie der weitere Weg – also wie das Virus dann auf den Menschen übergesprungen ist und ob direkt von den Fledermäusen oder durch einen Zwischenwirt.

Wie und warum aber kamen die Schuppentiere überhaupt ins Spiel? 

Einige Studien fanden in Schuppentieren Coronaviren, die in bestimmten Bereichen eine Ähnlichkeit zu Sars-CoV-2 aufweisen. Dazu ist jedoch anzumerken, dass Coronaviren im Tierreich insgesamt weit verbreitet und untereinander recht ähnlich sind. Insofern sind diese Ergebnisse zunächst wenig überraschend. Bei der Betrachtung der vorliegenden Gensequenzen von Schuppentieren sind führende Wissenschaftler wie u.a. Prof. Christian Drosten von der Berliner Charité zu der Erkenntnis gelangt, dass es nach heutigem Sachstand keine Belege für eine Beteiligung der Schuppentiere an der Entstehung von Sars-CoV-2 gibt. 

Vielmehr ist davon auszugehen, dass sich die Coronaviren in Schuppentieren und anderen Tierarten unabhängig von der aktuellen Covid-19-Pandemie entwickelt haben und daher bestimmte Ähnlichkeiten aufweisen.

Schuppentiere sind damit nicht zu 100 Prozent als Virus-Zwischenwirt auszuschließen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie an der Entstehung des Virus beteiligt sind, ist allerdings nach bisheriger Datenlage deutlich geringer als die öffentliche Aufmerksamkeit für die Schuppentier-Hypothese. Endgültige Erkenntnisse dazu wird es wie bei der SARS-Epidemie 2002/2003 wohl erst nach einigen Jahren und vielen Dutzend weiteren Studien geben.

Spurensuche in Vietnam

Seit über 80 Millionen Jahren bevölkert die Tierfamilie der Schuppentiere unsere Erde – heute mit jeweils vier Arten in Afrika südlich der Sahara sowie in Asien. Erste unrühmliche Bekanntheit erfuhren die Tiere in den letzten Jahren vor allem durch den illegalen Wildtierhandel, der sie zu den am meisten gehandelten Säugetieren der Welt machte. In Ländern wie China und Vietnam werden ihre Schuppen in der traditionellen Medizin verwendet, ihr Fleisch ist für den menschlichen Verzehr begehrt. Doch erst mit dem Beginn der Coronakrise und dem Verdacht, dass Schuppentiere an der Übertragung des Virus beteiligt sein könnten, sind die Tiere einer breiten Öffentlichkeit bekannt geworden.

Unabhängig von der öffentlichen Aufmerksamkeit setzen sich Tierschützer seit Jahren dafür ein, Schuppentieren trotz illegalem Wildtierhandel ein Überleben zu sichern. Dazu zählen auch die deutsche Welttierschutzgesellschaft (WTG e.V.) und die vietnamesische Organisation Save Vietnam’s Wildlife (SVW).

Jedes Jahr werden im SVW-Schutzzentrum im Cuc Phuong Nationalpark, nahe der Hauptstadt Hanoi, durch Unterstützung der WTG hunderte Schuppentiere aus dem illegalen Wildtierhandel gerettet, gesund gepflegt und nach ihrer Genesung wieder ausgewildert. Doch die Versorgung von geretteten Schuppentieren stellt die Teams dabei bis heute vor Herausforderungen – vieles ist Pionierarbeit, da die Tiere lange kaum und bis heute nur ungenügend erforscht sind. Aufgrund ihrer Fortschritte in diesem Bereich konnte sich die Tierklinik im Zentrum in den letzten etwa 15 Jahren weltweit als eine führende Einrichtung etablieren, was die Behandlung von Schuppentieren betrifft. 

So ist es beispielweise gelungen, die Überlebensrate selbst von geretteten Tiere mit schwersten Verletzungen auf 80 Prozent anzuheben. Auch die Narkose der Tiere wurde in mehr als 500 anästhetischen Behandlungen deutlich verfeinert. Nicht zuletzt hat das Team Behandlungspläne für Parasiten bei Schuppentieren erstellt und somit wertvolles Wissen aufgebaut.

Die Tierärztinnen und Tierärzte sind dabei häufig mit sehr schweren Fällen konfrontiert, denn viele Schuppentiere sind durch die Qualen des illegalen Wildtierhandels gezeichnet. 

Zu den häufigsten Leiden zählen:

  • Dehydrierung aufgrund der langen Transportwege,
  • Wunden, die sich die Tiere in den engen Netzen zuziehen, in die sie für ihre „Reise“ gepresst werden,
  • Probleme in Folge der unnatürlichen Zufütterung mit Maismehl und Wasser oder sogar Gipspulver, um ihr Verkaufsgewicht zu steigern, sowie
  • alle weiteren medizinischen Folgen, die durch den enormen Stress in den Fängen der Wildtierhändler hervorgerufen werden.

Unter diesen Umständen ist das Überleben eines jeden Tieres eine Herausforderung. Deshalb mutet das tiermedizinische Team den gebeutelten Tieren so wenig wie möglich zu. Gewebeproben für die Erkennung verschiedener Krankheiten von Schuppentieren werden nur Tieren entnommen, die ihre Qualen nicht überlebten, und in einem Labor der nationalen agrarwissenschaftlichen Universität des Landes in der Nähe von Hanoi untersucht. Solche Analysen dienen vorrangig dazu, weitere Erkenntnisse zu verschiedenen Krankheiten bei Schuppentieren zu erhalten und damit die Überlebenschancen der Tiere weiter zu steigern.

Seit der Coronakrise besteht darüber hinaus die Hoffnung, dass die Analysedaten von Wissenschaftlern auf der ganzen Welt im Sinne der Coronavirusforschung genutzt werden könnten.

Tiermedizinische Behandlung von Schuppentieren

Ein junges Malaiisches Schuppentier (Manis javanica), das von Save Vietnam’s Wildlife Anfang Januar gerettet wurde, steht für die vielen Artgenossen, die jedes Jahr von dieser professionellen tiermedizinischen Hilfe profitieren. Die Behörden stellten das Tier Anfang des Jahres gemeinsam mit 15 weiteren Schuppentieren in einem Taxi sicher, das in Richtung der chinesischen Grenze unterwegs war. Die Tiere waren in Netze gepresst, die meisten von ihnen wurden zwangsgefüttert. Das junge Schuppentier hatte außerdem einen gebrochenen Finger an den vorderen Gliedmaßen erlitten. Nach dem Transfer in das Schutzzentrum von Save Vietnam’s Wildlife fiel die Entscheidung der Tierärzte: um das Tier zu retten, muss der Finger amputiert werden. Die Operation glückte, das Tier konnte in ein Quarantänegehege gebracht werden, wo es sich von seinen Strapazen erholte. Nach einigen Wochen war es bereits wieder in der Lage, auf Ästen herumzuklettern. In den letzten Monaten ist es soweit genesen, dass Ende des Monats sogar seine Wiederauswilderung ansteht. Eine der ersten seit dem Ende des Lockdowns in Vietnam.

0520-Lee-1© Save Vietnams Wildlife

Während sich das Leben in Vietnam aktuell wieder vom Lockdown in Richtung Normalität bewegt, lautet nun die bange Frage: Gilt das auch für den illegalen Wildtierhandel? Denn eine der wenigen positiven Folgen der der Corona-bedingten Einschränkungen war, dass auch das illegale Geschäft merklich zum Erliegen kam.

Wie geht es also weiter für die Schuppentiere?

Führt der Verdacht, Schuppentiere könnten mit der Entstehung von Sars-CoV-2 in Verbindung stehen, dazu, dass auch Wilderer und Konsumenten künftig lieber einen Bogen um die Tiere machen? Werden mehr und mehr Staaten den Handel und Verzehr von Schuppentieren stärker reglementieren? Oder werden die Tiere durch die Pandemie stattdessen noch gnadenloser gejagt, zum Beispiel, weil die Krise arme Bevölkerungsgruppen in die Wilderei treibt? Könnten Wilderer die Theorie der Schuppentiere als Virusüberträger sogar als scheinbare Legitimation nutzen, ein schnelles Geschäft zu machen?

All diese Fragen lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht beantworten. Doch es gibt Entwicklungen in den besonders betroffenen Ländern, die eine erste Einschätzung zulassen.

In China, dem Land, in dem Sars-Cov-2 zuerst aufgetreten ist und das als Dreh- und Angelpunkt der Nachfrage für Schuppentierprodukte in Asien gilt, besteht vorsichtige Hoffnung auf einen besseren Schutz der Tiere. Positiv zu bewerten ist das im Februar erlassene Verbot, Wildtiere zu handeln und zu verspeisen. Anfang Juni wurden Schuppentiere außerdem in die höchste Schutzkategorie für Wildtiere aufgenommen und ihre Schuppen als Heilmittel aus dem offiziellen Arzneibuch des Landes gestrichen, was ein Verbot für die Nutzung in der traditionellen Medizin bedeutet. Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen jedoch, dass die Freude über solche Maßnahmen noch gehemmt sein sollte. Denn die Vielzahl sich zum Teil widersprechender Gesetze auf staatlicher, regionaler und lokaler Ebene bot bereits in den vergangenen Jahren immer wieder Schlupflöcher für den Handel oder Verzehr von Schuppentieren. Es bleibt zu hoffen, dass diese angesichts der Corona-Pandemie nun geschlossen und die neuen Gesetze im Alltag durchgesetzt werden.

Dies gilt auch für Vietnam. Zum einen gibt es dort weiterhin einen heimischen Markt für den Verzehr von Schuppentieren und die Nutzung ihrer Schuppen in der traditionellen Medizin. Zum anderen sind in den letzten Jahren viele Schuppentiere in Vietnam konfisziert worden, die auf dem Weg nach China waren. Seit Beginn der Pandemie gab es jedoch kaum neue Konfiszierungen. Dies ausschließlich auf die Coronakrise zu beziehen, wäre aber voreilig: Jedes Jahr werden nach dem chinesischen Neujahr im Januar oder Februar, das den Höhepunkt der Nachfrage nach lebenden Schuppentieren darstellt, vergleichsweise wenige Tiere sichergestellt. Das zeitweilige Transportverbot von Wildtieren im Land, strikte Inspektionen an den Grenzen sowie die neuen Gesetze in China könnten aber in den kommenden Monaten generell zu einem nachlassenden Schuppentierhandel führen.

Zudem hat der vietnamesische Premierminister Anfang März die zuständigen Ministerien aufgefordert, Richtlinien für ein Verbot des Wildtierhandels vorzulegen. Doch seitdem herrscht von offizieller Seite betretenes Schweigen. Dabei wären gerade jetzt dringend schärfere Richtlinien nötig, die eine konsequente Strafverfolgung der Wildtierhändler zur Folge haben. Die Coronakrise hat Berichten zu Folge das Geschäft der kriminellen Syndikate schwer gestört. Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass die dunklen Geschäfte nach dem Ende der Corona-bedingten Einschränkungen wie gehabt wiederaufgenommen werden. Eine Initiative von Nichtregierungsorganisationen, zu denen auch Save Vietnam’s Wildlife gehört und die die Welttierschutzgesellschaft unterstützt, fordert eine striktere Ahndung von Verstößen und die konsequente Schließung illegaler Märkte und Restaurants, die geschützte Wildtiere anbieten. Diese Bemühungen gewinnen angesichts der Coronakrise zunehmend an Bedeutung.

Nachhaltige Bildungsarbeit

All diese regulatorischen Eingriffe müssen jedoch begleitet werden von Bildungsmaßnahmen, die auf lange Sicht das Tierwohl verbessern – und zwar aus Überzeugung des Einzelnen statt aus Angst vor Strafverfolgung. Deshalb stellt die Informationsarbeit auch eine wichtige Säule im Schuppentierschutz dar. Um das Tierschutzbewusstsein zu stärken, hat die Welttierschutzgesellschaft den Aufbau des öffentlichen Informationszentrums mitten im Schutzzentrum von Save Vietnam’s Wildlife im Cuc Phuong Nationalpark unterstützt. Seit 2016 werden hier Besucher, darunter Schulklassen, Studierende, aber auch Touristen, über die Bedürfnisse der vietnamesischen Wildtiere informiert. Sie erfahren auch, welche Qualen gewilderte Tiere erleiden müssen und lernen, dass die bedrohten Tiere schützenswert sind.

Im Rahmen eines Schulprogramms, das sich an Schülerinnen un Schüler bis zum Alter von 15 Jahren richtet, besuchten 2019 insgesamt 2.531 Kinder aus der Region das Zentrum. Seit Beginn des Programms 2016 waren es mehr als 6.500. Eine Auswertung der bisherigen Bildungsaktivitäten hat ergeben, dass sich die Besuche in Schutzzentrum und Nationalpark positiv auf die Einstellungen der Schüler zu Natur und dem Schutz der Wildtiere auswirken. Es besteht also Hoffnung, dass eine junge Generation heranwächst, die ganz unabhängig von der aktuellen Krise davon absehen wird, Schuppentiere zu jagen, zu handeln oder zu verzehren.

Doch ein solcher Wandel und der nachhaltige Schutz einer Tierart vollziehen sich nicht über Nacht. Die Welttierschutzgesellschaft wird deshalb mit ihren Partnern neben Bildungsmaßnahmen auf absehbare Zeit weiter dafür sorgen, dass möglichst viele Schuppentiere gerettet, professionell versorgt und genesen zurück in die Wildnis entlassen werden können.

Wissenswertes zu Schuppentieren

Vielen Menschen kommt beim Gedanken an das Schuppentier als Erstes sein flexibler Schuppenpanzer in den Sinn, der in dieser Form unter den Säugetieren einzigartig ist. Je nach Art tragen Pangoline, wie die Tiere auch genannt werden, mehrere hundert Schuppen, die wie menschliche Nägel aus Keratin bestehen. Wenn sich die Tiere bedroht fühlen, rollen sie sich zu einer festen Kugel zusammen. So ist ihr schuppenloser Bauch vor tierischen Fressfeinden gut geschützt.

Eine weitere Besonderheit der Schuppentiere, die allerdings nicht auf den ersten Blick erkennbar ist, ist ihre Ernährung. Die Tiere ernähren sich hauptsächlich von Ameisen und Termiten. Diese nehmen sie auf, indem sie zum Beispiel die Termitenhügel mit ihren Vorderkrallen öffnen und dann mithilfe ihrer Zunge, die von klebrigem Speichel umgeben ist, die Insekten in ihren Mund befördern. Dies ist besonders effektiv, da die Zunge je nach Art auf eine Länge von bis zu 70 cm gestreckt werden kann. Aufgrund dessen ist die Zunge nicht im Mund, sondern zwischen Rippenbogen und Becken verankert. Nicht ausgestreckt ist die Zunge zusammengerollt im Brustkorb. Da das Schuppentier keine Zähne hat, werden die aufgenommenen Insekten heruntergeschluckt, ohne vorher zerkaut zu werden.

Stattdessen geschieht erst im Magen eine Art Kauvorgang: Mithilfe von an der Magenwand befestigten Keratinstacheln und Sand, der ebenso gefressen wird und einen beachtlichen Teil ihrer Nahrung ausmachen kann, wird in einer bestimmten Magenregion – ähnlich wie im Kaumagen bei Vögeln – die Nahrung durch Muskelkontraktion zerkleinert.

Weitere Infos:

Schuppentierschutz in Vietnam

Schuppentiere: Gewildert und gehandelt

ZDF-Dokumentation zu Vietnam und Schuppentieren

Quelle: WTG
Fotos: Justin Mott/WTG

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Frankfurt Fashion Week ab 2021

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Letzte Woche war ich auf einer Pressekonferenz zum Thema Frankfurt, Mode und Nachhaltigkeit. Digital natürlich. Und dann die Überraschung: Frankfurt bekommt ab Sommer 2021 seine eigene Fashion Week. Es wird Tradeshows, Konferenzen, Runways und Events geben. Nicht schlecht, denn Frankfurt liegt bei mir gleich um die Ecke.

„Damit wird die Wirtschaftsmetropole Frankfurt zum neuen Hotspot der Fashion- und Lifestyle-Szene und zur neuen internationalen Fashion-Metropole“, sagt Oberbürgermeister Peter Feldmann. Frankfurt war bereits stilprägend für Kunst, Architektur, Design und bekannt für seine einmalige Club-, Bar- und Restaurant-Szene.

Das Herzstück der Frankfurt Fashion Week bilden Europas größte Modemessen: PREMIUM, die europaweit relevanteste Businessplattform für Advanced Women’s and Menswear, SEEK, eine der progressivsten Tradeshows für Contemporary Fashion, und NEONYT, der führende Hub für Sustainable Fashion. Gemeinsam mit den Konferenzen FashionSustain und FashionTech ziehen sie von Berlin nach Frankfurt am Main.

„Fünf Plattformen, drei Messen, zwei Konferenzen, über 2.000 Designer, Brands und Modeunternehmen“, so Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt. „Die Frankfurt Fashion Week richtet sich ganz bewusst an eine zukunftsorientierte, digital-affine Fashion- und Lifestyle-Community. B2B, B2C, B2P, P2P – alle Wege sind offen. Wenn Fashion, Lifestyle, Digitalinnovationen und Nachhaltigkeit eine Synthese eingehen – dann entsteht etwas Neues, Unerwartetes. Genau das ist unser Anspruch. Unveiling The Unexpected. Frankfurt ist dafür ein neuer, unverbrauchter Standort“, sagt Anita Tillmann, Managing Partner der Premium Group.

„Unveiling The Unexpected“ ist ein Versprechen: Die Frankfurt Fashion Week vereint Fashion, Design, Nachhaltigkeit und Technologie, bringt unerwartete Kooperationen hervor und zeigt, was heute schon möglich ist. Ganz klar: Wir dürfen gespannt sein. Schon mal vormerken!

 

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Frohe Pfingsten 2020!

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Kids, jetzt macht doch mal! Sonst kommen wir noch zu spät zum Pfingsttreffen!

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China – Rivale oder Partner?

Die lautlose Eroberung von Clive Hamilton

Donnerstag ist Lesetag! Ich habe mich auf die Suche gemacht und eine Neuerscheinung entdeckt, die hervorragend in die aktuelle Lage passt. Welche Rolle spielt China wirklich? Zwei Autoren haben sich an das fast Unmögliche gewagt und aufgedeckt, was viele schon wissen oder ahnen. Vielmehr, sie sprechen darüber und schaffen Fakten. Die ungeschönte Analyse des asiatischen Landes zeigt, ob China ein gefährlicher Rivale ist oder nur ein unverzichtbarer Partner. Und mit welchen Strategien China die Welt erobert. Jeder kann das nach der Lektüre selbst beurteilen. Zusätzlich liegt mein Augenmerk auch auf den beiden Machern des Buches, die ich hier nicht unerwähnt lassen möchte.

Zum Inhalt: Chinas Aufstieg zur Weltmacht ist unaufhaltsam. Lange erwartete man, dass sich das Land mit zunehmendem Wohlstand demokratisieren würde. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) will sich mit allen Mitteln an der Macht halten. Dafür werden Wirtschaft und Gesellschaft im eigenen Land auf Linie gebracht und ein weitreichendes Programm wurde entwickelt, mit dem China die westlichen Demokratien unterwandert und eine neue Weltordnung etablieren will. Dabei setzt es nicht nur seine Wirtschaftsmacht als Waffe ein, sondern die gesamte Bandbreite seiner Politik. Wie vielfältig der chinesische Einfluss auch bei uns bereits ist, enthüllen die beiden Autoren an zahlreichen Beispielen – ein Anstoß zu einer dringend notwendigen Debatte: Wie soll Deutschland, wie Europa mit der neuen Weltmacht China umgehen?

Die Macher:

Clive Hamilton ist Professor für Öffentliche Ethik an der Universität von Canberra, Australien, und Autor zahlreicher Bücher. Drei Verlage lehnten es aus Angst vor chinesischen Repressionen ab, sein Buch „Silent Invasion. China’s Influence in Australia“ zu veröffentlichen. Nach Erscheinen wurde das Buch zum Bestseller, der die Politik Australiens gegenüber China veränderte und Hamilton zum weltweit gefragten Experten für Chinas außenpolitische Ambitionen und Strategien machte.

Mareike Ohlberg war bis Ende April 2020 wissenschaftliche Mitarbeiterin des Mercator Institute for China Studies (MERICS) in Berlin. Nach dem Studium der Ostasienwissenschaften an der Universität Heidelberg und der Columbia University promovierte Ohlberg über Chinas Außenpropaganda nach 1978. Ohlberg ist eine der profiliertesten deutschsprachigen Chinaexpertinnen. Zu ihren Forschungsthemen hält sie zahlreiche Vorträge und veröffentlicht neben Fachartikeln u.a. auch in der New York Times und der Neuen Zürcher Zeitung. Sie ist Senior Fellow im Asien-Programm des German Marshall Fund.

Clive Hamilton, Mareike Ohlberg: Die lautlose Eroberung. Wie China westliche Demokratien unterwandert und die Welt neu ordnet, 496 Seiten, 26 Euro.

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Größenwahn

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„Der schlimmste Fehler von Frauen ist ihr Mangel an Größenwahn.“

Irmtraud Morgner

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Vielschichtige Frauenfiguren und ein Interview

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Heute, am Lese-Donnerstag, geht es um ein besonders emotionales Thema, das sich aus der Vergangenheit speist und in der Gegenwart weitere Schrecken nach sich zieht: Nämlich die Verquickung einer Familientragödie mit unerklärbaren Todesfällen, Geheimnissen und Verrat. Dazu gibt es im Anschluss ein Interview mit der Bestseller-Autorin, in dem sie uns Lust macht, auch ihren ersten Roman zu lesen.

1961, Seaview Cottage: Die dreizehnjährige Rebecca und ihre Mutter leiden unter dem gewalttätigen Vater. In einer stürmischen Nacht pocht jemand an die Tür des abgelegenen Cottages. Wenig später sterben beide Eltern, doch die Umstände ihres Todes werden nie aufgeklärt.

2012, London: Eine junge Mutter verschwindet spurlos mit ihrem totkranken Baby. Ihre Schwester Iris, eine Journalistin, soll sie so schnell wie möglich finden. Sie bittet ihre Mutter Rebecca um Hilfe – die ihr nie von der schicksalhaften Nacht vor über fünfzig Jahren erzählt hat. Doch nur mit dieser erschütternden Wahrheit kann es Iris gelingen, das Baby zu retten.

Emily Gunnis: Die verlorene Frau, 384 Seiten, 20 Euro

Interview mit der Autorin:

Emily GunnisEmily Gunnis arbeitete lange beim Fernsehen, unter anderem als erfolgreiche Drehbuchautorin. Mit ihrem Debütroman „Das Haus der Verlassenen“ gelang ihr auf Anhieb ein internationaler Bestseller. Die Tochter der internationalen Bestsellerautorin Penny Vincenzi lebt mit ihrer Familie im südenglischen Sussex.

Info: Emily Gunnis schafft vielschichtige Frauenfiguren, deren Schicksal atemlos macht. Die Idee zu der Geschichte kam ihr, als sie eine verblichene Zeichnung des „Bezirksirrenhauses“ von Chichester entdeckte. Ihre Schwiegermutter erzählte, dass reiche britische Männer, die von ihren Frauen genug hatten, diese manchmal in solche Anstalten steckten, da eine Scheidung bis in die 50er-Jahre des letzten Jahrhunderts schwierig war. Emily Gunnis war zutiefst erschüttert, entsetzt – und inspiriert.

Was hat Sie zu „Die verlorene Frau“ inspiriert?

Ich suchte nach einem Schauplatz für meinen neuen Roman, als ich durch Zufall auf eine alte Schwarz/Weiß-Karte von Chichester stieß. Bei genauerer Betrachtung entdeckte ich die verblichene Abbildung eines Gebäudes, das als „Bezirksirrenhaus“ („County Lunatic Asylum“) gekennzeichnet war – ein Anblick, bei dem ich Gänsehaut bekam. An einem strahlenden Januartag eine Woche darauf fuhr ich mit meiner Schwiegermutter, einer ehemaligen Polizeiermittlerin, dorthin. Anstelle der alten Anstalt gab es dort mittlerweile Luxuswohnungen. Aber man konnte immer noch die Geschichte des Orts spüren und sich vorstellen, wie die Patienten und Patientinnen damals auf dem Gelände umherwanderten. Auf der Rückfahrt erzählte mir meine Schwiegermutter, dass privilegierte britische Männer, die von ihren Frauen gelangweilt waren, diese manchmal in derartige Anstalten steckten, um freie Bahn für ihre Geliebte zu haben. Eine Scheidung war viel schwieriger zu erlangen. Das ging bis in die 50er-Jahre des letzten Jahrhunderts so! Ich war zutiefst erschüttert, entsetzt – und inspiriert.

Wie würden Sie Ihren neuen Roman in zwei Sätzen zusammenfassen?

„Die verlorene Frau“ hat zwei Erzählstränge, die sich vom Nachkriegsengland bis in die heutige Zeit spannen. Es ist ein emotionaler und eindringlicher historischer Spannungsroman mit Mutter-Tochter-Beziehungen im Zentrum und den Themen posttraumatischer Stress (verursacht durch den Zweiten Weltkrieg) und postnatale Psychose.

Auch Ihr erster Bestseller, „Das Haus der Verlassenen“, wurde durch eine erschütternde historische Wahrheit inspiriert: die schrecklichen Zustände in den Arbeitshäusern für ledige Mütter. Steht dahinter auch eine Intention von Ihnen – etwa, den Leserinnen und Lesern die Augen zu öffnen, was Ungerechtigkeit Frauen gegenüber betrifft?

Ich finde es faszinierend, wie sehr sich das Leben von Frauen in kurzer Zeit anscheinend geändert hat – während wir gleichzeitig noch die Nachwehen aus früheren Generationen spüren. Bis in die 70er-Jahre durften viele verheiratete englische Frauen nicht arbeiten, vor allem, wenn sie Kinder hatten. Meine Mutter, die eine Vorkämpferin war und als Journalistin arbeitete, kämpfte jeden Tag gegen Vorurteile an. Sie stellte eine Kinderfrau an, wurde aber hart dafür kritisiert, „ihre Kinder alleinzulassen“. Außerdem wurde sie regelmäßig von ihren Bossen schikaniert, sexuell belästigt und schließlich während des Mutterschutzes gefeuert. Leider gibt es all das immer noch, aber zumindest nicht so standardmäßig. Wir denken im Rückblick auf die Swinging Sixties und frühen 70er-Jahre gerne an eine Zeit der Ungezwungenheit und Befreiung, aber die meisten britischen Familien waren immer noch streng kirchengläubig und erwarteten von Frauen, daheim zu bleiben und sich um die Familie zu kümmern. Es gab immer noch schreckliche Einrichtungen wie Arbeitshäuser für ledige Mütter und Irrenhäuser, in denen Frauen am meisten litten.

Gibt es auch in unserer Zeit noch Ungerechtigkeiten, bei denen Sie denken: Darüber müsste ich auch ein Buch schreiben?

Ja, definitiv! Ich sehe meine Bücher gerne als Achterbahnfahrt, auf der man Ungerechtigkeiten entdeckt, die einem davor nicht klar waren. Und ich verfolge gerne die Idee weiter, dass sich für Frauen mittlerweile viel geändert hat – aber manches doch nur an der Oberfläche. Ich war beispielsweise sehr bewegt durch die wunderbaren Rezensionen, die ich für „Das Haus der Verlassenen“ erhalten habe. Die Leserinnen liebten Ivy, sie hassten es, wie sie behandelt wurde und dass ihr das Baby weggenommen wurde. Aber viele von ihnen mochten die moderne Heldin Sam nicht. Wahrscheinlich, weil sie eine ambitionierte Karrierefrau ist und zugleich alleinerziehende Mutter. Vielleicht haben sich die Einstellungen also gar nicht so stark geändert?

In Ihren beiden Romanen spielen Mutter-Tochter-Beziehungen eine wichtige Rolle. Finden Sie dieses Thema besonders wichtig und spannend?

Absolut! Ich kann hier nicht für andere sprechen, aber ich wurde von meiner Mutter sehr geprägt. Wir sind beide Schriftstellerinnen und haben ständig über Geschichten, Figuren, Handlungsstränge gesprochen. Wir hatten einen sehr ähnlichen Sinn für Humor. Wir haben auch viel gestritten, ich war ganz schön frech. Ich war furchtlos als Kind und bin es eigentlich jetzt noch. Meinen Job liebe ich auch deswegen – weil ich nicht in der realen Welt leben muss. Ich bin nicht autoritätsgläubig, das habe ich glaube ich ebenfalls von meiner Mutter. Aber das hat sie auch genervt. Sie war eine Wegbereiterin. Ich vermisse sie sehr.

„Die verlorene Frau“ ist (wie „Das Haus der Verlassenen“) eine wirklich herzzerreißende Geschichte über Frauen, die um ihr eigenes Leben und das ihrer Liebsten kämpfen. Gleichzeitig prägt ein starkes Spannungsmoment die Handlung. Ist das ein charakteristisches Kennzeichen Ihres Schreibens?

Ja, ich hoffe es. Ich stelle mir gern vor, dass es Elemente meines Schreibens gibt, die sehr dunkel sind und deshalb so betroffen machen, weil sie auf einem wahren Geschehen beruhen. Und ich bin unglaublich fasziniert von der Idee, dass ein Trauma quasi zum Teil deiner DNA wird und sich an die Kinder vererbt. Du kannst es nicht loswerden, und deshalb bleibt die Vergangenheit auch immer Teil deiner Gegenwart, wenn du Kinder großziehst. Eine ganz wunderbare Mischung mit allen Zutaten für spannende Fälle, die es zu lösen gilt. Stephen King trifft auf Agatha Christie – zumindest in meinen Träumen!

Rebecca kämpft mit den verschiedenen Rollen als Frau – sie ist Tochter, arbeitende Mutter, die Partnerin ihrer Jugendliebe Harvey. Wie würden Sie ihre größten inneren Konflikte beschreiben?

Ich glaube, Rebecca wird in vielerlei Hinsicht missverstanden. Besonders in ihrer Rolle als Mutter, denn sie kommt aus einer Generation, in der du verurteilt wurdest, wenn du gleichzeitig eine berufliche Karriere verfolgt hast. Ich glaube, ihr Job hat sie manchmal davor bewahrt, verrückt zu werden – eine Tatsache, zu der Frauen sich immer noch nicht bekennen dürfen. Warum solltest du noch irgendetwas anderes brauchen, wenn du eine Mutter bist? Ich glaube, dass Kinder uns inspirieren und unsere Kreativität fördern, bei meinen Kindern war das so. Aber genauso können sie auch für Vereinsamung sorgen und für das Gefühl, sich selbst zu verlieren. Rebecca liebt ihre Kinder, aber sie kann dafür ihre Karriere nicht aufgeben.

Was ist Ihre Lieblingsfigur im Roman?

Definitiv Iris. Sie hat ein großes Herz, und da sie schon viel durchgemacht hat, ist sie für ihre jungen Jahre sehr klug. Ich wäre gern mit ihr befreundet, sie würde einen mit Sicherheit nie im Stich lassen.

Wo ist Ihr liebster Schreib- und Arbeitsplatz?

In meinem Bett. Ich habe mich gerade finanziell für ein tolles neues Arbeitszimmer verausgabt, mit einem wunderschönen Tisch aus Treibholz, und nach zwei Tagen Schreiben an diesem Tisch bin ich wieder in mein Bett zurückgekehrt! Jetzt benutzen die Kinder den Tisch zum Legospielen. Mein Mann verzweifelt schon mit mir!

Haben Sie eine strenge Schreibroutine?

Ja, es müssen 1.000 Wörter am Tag sein. Es ist egal, wann ich sie schreibe, aber ich kann nicht aufhören, bis ich dieses Tagesziel erreicht habe. Manchmal habe ich das schon bis mittags geschafft, manchmal dauert es bis Mitternacht.

Ihre Mutter Penny Vincenzi war ebenfalls eine bekannte Autorin. Hat Sie das dazu inspiriert, Schriftstellerin zu werden?

Ja und nein. Uns gefiel nichts so sehr, wie miteinander spazieren zu gehen und über Geschichten, Plots und Figuren zu sprechen. Aber meine erste große Liebe war eigentlich das Drehbuchschreiben. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, einen ganzen Roman zu verfassen. Doch eines Tages kam mir die Idee zu „Das Haus der Verlassenen“ und ich habe ihr eine Chance gegeben. Meine Mutter hat mich sehr unterstützt. Und ich habe mich so gefreut, dass sie noch kurz vor ihrem Tod von meinem ersten Buchvertrag erfahren hat.

Recherchieren Sie bereits für den nächsten Roman? Können Sie uns vielleicht auch schon einen Hinweis darauf geben, wovon er handeln wird?

Tatsächlich bin ich fast schon halb fertig, und ich liebe die Recherchearbeiten und natürlich das Schreiben. Der Roman wird wieder auf zwei Zeitebenen spielen und handelt zunächst von zwei Mädchen im Jahr 1958. Die eine, Ava, kommt aus einer armen Familie, die andere, Alice, aus einer reichen. Ava fängt sich auf der Farm ihrer Eltern Tuberkulose ein und wird in ein Sanatorium geschickt. Im Laufe eines Jahres schreibt Ava ihrer Freundin Briefe, in denen sie von ihrem Heimweh und der furchtbaren Behandlung im Sanatorium berichtet. Am Anfang des Buches wird Avas Vater für den Mord an Alice hingerichtet. Fünfzig Jahre später entdeckt dann unsere Heldin Jade, Avas Enkelin, dass Avas Vater unschuldig gewesen sein könnte, und sie macht sich auf die Suche nach der Wahrheit.

Wer sind Ihre LieblingsautorInnen?

Kate Morton, Adele Parks, Lisa Jewell, Stephen King, Daphne du Maurier, Margaret Atwood, George Orwell, Agatha Christie.

 

 

 

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Pippis Mutmacher in Corona-Zeiten

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„Am besten, Ihr geht jetzt nach Hause, damit Ihr morgen wiederkommen könnt. Denn wenn Ihr nicht nach Hause geht, könnt Ihr ja nicht wiederkommen. Und das wäre schade.“

Pippi Langstrumpf

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Streunerhunde aus aller Welt

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Ich musste lachen, als ich in dem Buch geschmökert habe: Es wird davon ausgegangen, dass sich Straßenhunde bestimmte Strategien einfallen lassen, und sie eventuell und im Bedarfsfall sogar schauspielerisch anwenden:

„Hallo, ich bin ein kleiner frecher Streuner!“
oder
„Ich bin ein armer Straßenhund, der nur etwas Liebe möchte!“

Diese beiden Verhaltensweisen können Menschen durchaus beeindrucken. Wie mich! Mein Brad hat das mit einer Mischung aus beidem erfolgreich versucht und geschafft. Mein Herz gehörte von da ab ihm. Dieser Theorie kann ich also voll und ganz zustimmen!

Neueste Forschungen über das Leben und Verhalten von Straßenhunden

Wissenschaftler aus aller Welt beschäftigen sich mit der Erforschung von Streunerhunden, um dadurch unsere Haushunde besser verstehen zu können. Von Moskaus U-Bahn-Hunden bis zu Indiens Underdogs – Kate Kitchenham hat in ihrem neuen Buch Streunerhunde die Ergebnisse von international renommierten Forschern zusammengetragen, die jeweils über mehrere Monate hinweg das Verhalten und die Lebensweise von Streunerhunden studiert haben.

Essentielle Fragen sind dabei: Wie organisieren sich Straßenhunde – sind sie Einzelgänger oder Gruppentiere? Welche Strategien entwickeln sie im Zusammenleben mit anderen Hunden und Menschen? Wie geht die Gesellschaft in den jeweiligen Ländern mit ihnen um? Zusätzlich thematisiert das Forschungsbuch die potentiell auftretenden Probleme, wenn ehemalige Streunerhunde auf einmal bei und mit uns leben sollen. Die reiche Bebilderung veranschaulicht die wissenschaftlichen Erkenntnisse und persönliche Geschichten untermalen die Forschungen.

Über die Autorin

Kate Kitchenham hat Kulturanthropologie und Biologie mit dem Schwerpunkt Verhaltensforschung studiert und widmet sich seit 20 Jahren der Vermittlung aktueller Forschungserkenntnisse rund um Hunde mit dem Schwerpunkt der Mensch-Hund-Beziehung. Sie gibt ihr Fachwissen in Vorträgen und Seminaren sowie in zahlreichen Hundefachzeitschriften und Fernsehauftritten weiter. (www.kitchenham.de)

Kate Kitchenham: Streunerhunde. Von Moskaus U-Bahn-Hunden bis Indiens Underdogs, 272 Seiten, 36 Euro.

 

 

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